Barrierefreiheit im Internet Test

Wer die Schwellenangst überwindet und seine körperlichen Schwächen auszugleichen weiß, kann auch im Alter noch durchs weltweite Netz surfen.

Von behindertengerechten Seiten profitieren alle Nutzer.

Laute Musik ist im Internetcafe der Berliner PC-Schule „Silbermedia“ nicht zu hören. Dafür sieht man hier Kerzen und Broschüren mit Titeln wie „Senioren und Wohnen“ oder „Spanischkurse für 50plus“. Hannelore Eichner, Jahrgang 1924, kommt regelmäßig in diese „Computerschule für alle ab 50“. In ihrem Kurs ist sie die Älteste der späten, oft grauhaarigen Internetfreunde, im Szenejargon „Silver-Surfer“ genannt. Sieben Millionen von ihnen sind in Deutschland laut der ARD/ZDF-Online-Studie 2003 im weltweiten Web unterwegs. Unter den 50- bis 59-Jährigen ist fast jeder Zweite immer wieder online. Und jenseits der 60 Jahre sind es immerhin 13,3 Prozent. Tendenz steigend.

Starke Kontraste auswählen

Doch vielen Senioren fällt der Zugang noch immer schwer. Sie haben noch nie am Computer gearbeitet und deshalb Schwellenängste – ähnlich wie bei Bankautomaten oder dem Bezahlen mit der Geldkarte. Dazu kommen oft altersbedingte körperliche Schwächen, vor allem Sehprobleme. Wie diese sich auf die PC-Arbeit auswirken, hat eine Studie der Fachhochschule Potsdam untersucht. So führt zum Beispiel die Vergilbung der Linse dazu, dass das Farbspektrum Grün-Blau-Violett schwerer zu erkennen ist. Ein grauer Link auf einem bläulichen Monitor ist dann leicht zu überse­hen. Anders auf einer barrierefreien Seite. Dort kann man Farben und Kontraste selbst auswählen. Dazu ruft zum Beispiel der Nutzer eines Internet Explorers von Microsoft den Menüpunkt „Extras – Internetoptionen – Allgemein“ auf und klickt „Farben“ an. Je nach Browser gibt es auch andere Möglichkeiten, die Darstellung des Internetauftritts den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Art und Größe der Schrift optimieren

Kommen altersbedingte Ablagerungen innerhalb des Augapfels und die langfristige Vernarbung der Linse dazu, kann man Text und Details nur noch verschwommen wahrnehmen. Statt einer Serifenschrift mit feinen Fortsätzen wie „Times New Roman“ sollte sich der Nutzer dann für „Arial“ oder „Verdana“ entscheiden. Auch dies lässt sich bei barrierefreien Seiten im Internet Explorer von Microsoft über den Menüpunkt „Extras – Internetoptionen – Allgemein“ einstellen, dort „Schriftart“ wählen. Die Schriftgröße kann unter dem Menüpunkt „Ansicht – Schriftgrad“ geändert werden.

Klare, ruhige Seiten bevorzugen

Größtes Problem ist die nachlassende Konzentration. Auf animierten Seiten verlieren viele Senioren die Orientierung. Das Fazit der Potsdamer Studie: Je klarer und eindeutiger die Information darge­stellt ist, desto mehr eignet sich die Seite für Senioren. Bei weitgeh­end barrierefreien Seiten ist das der Fall, etwa bei www.brandenburg.de, www.polizei.nrw.de/im/, www.stern.de. Wer sie besucht, erkennt sofort: Barrierefreie Seiten laden sehr schnell. Davon profitieren nicht nur Senioren.

(Dieser Beitrag wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Europäischen Sozialfonds gefördert.)

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