Bargeld durch Wohnungskauf Meldung

Dubiose Vermittler versprechen Anlegern Geld, wenn sie eine Immobilie kaufen. Wer sich darauf einlässt, ist anschließend meistens ruiniert.

Liquidität 100 000 Euro durch Erwerb von Eigentumswohnungen, bundesweit, ohne Eigenkapital – Anzeigen wie diese stehen in den Wochenendausgaben überregionaler Tageszeitungen.

Eine Menge Bargeld bekommen und ­nebenbei noch eine vermietete Immobilie besitzen? Was wie ein Lügenmärchen klingt, funktioniert zunächst tatsächlich. Das dicke Ende kommt jedoch später.

Die Anbieter gehen bei diesem Geschäft immer nach dem gleichen Schema vor: Der Vermittler schlägt dem Interessenten vor, das benötigte Bargeld durch den Kauf einer vermieteten Eigentumswohnung zu besorgen. Das funktioniert, weil in den Kaufpreis der Wohnung bereits eine hohe Vermittlungsprovision eingerechnet ist. Von dieser Provision soll der Käufer etwas abbekommen.

Der Vermittler hat meistens eine Bank an der Hand, die diese Wohnung zum ­angegebenen Preis ohne Eigenkapital ­finanzieren will. Ein Risiko geht der Käufer angeblich nicht ein. Das Geschäft sei so kalkuliert, dass die Mieteinnahmen für Zins und Tilgung ausreichen.

Das stimmt jedoch bestenfalls für die erste Zeit. Anschließend müssen die Käufer draufzahlen und haben noch höhere ­finanzielle Belastungen als vor dem Kauf.

Diese bittere Erfahrung machten die Eheleute Böhm*. Sie brauchten etwa 15 000 bis 20 000 Euro, um ihr Haus zu ­renovieren. Heute sitzen sie auf Schulden von rund 127 000 Euro.

Deutsche Bank gab den Tipp

Bargeld durch Wohnungskauf Meldung

Die Böhms hatten nicht auf eine Zeitungsanzeige reagiert, sondern sich an einen Mitarbeiter der Deutschen Bank gewandt, deren Privatkundensparte damals noch Deutsche Bank 24 hieß. Der Bankmitarbeiter teilte den Böhms mit, dass sich ein Vermittler der H & G Immobilienmanagement mbH an sie wenden und ­ihnen ein Angebot unterbreiten würde. Obwohl das Ehepaar Böhm lediglich sein Haus renovieren wollte, riet ihm der Vermittler zum Kauf von drei Wohnungen für insgesamt 149 430 Euro auf Kredit.

Der Verkäufer der Eigentumswohnungen sicherte den Böhms schriftlich einen „Renovierungskostenzuschuss“ in Höhe von 15 000 Euro zu. Außerdem übernahm er sämtliche Kaufnebenkosten.

Die Mietzahlungen sollten bis auf eine Unterdeckung von maximal 214 Euro pro Monat Zins und Tilgung decken. Das Ehepaar kaufte die Wohnungen und schloss ­einen Kreditvertrag ab.

Rund 127 000 Euro Restschulden

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Schon bei der ersten Überweisung der Hausverwaltung merkten die Böhms, dass die Miete deutlich niedriger war, als ihnen der Vermittler vor Vertragsabschluss vorgerechnet hatte. Anstatt 816 Euro erhielten sie nur rund 400 Euro. Später stieg die Miete dann auf 504 Euro. Das reichte aber nicht für die monatlichen Kreditraten.

Zunächst konnten sie die Differenz noch selbst stemmen. Aber als die Hausverwaltung schließlich die Mietzahlungen nicht mehr an die Böhms, sondern direkt an die Eigentümergemeinschaft überwies, um die Hausgeldrückstände zu bezahlen, ging dem Ehepaar die Puste aus. Sie konnten die Raten nicht mehr bezahlen.

Die Deutsche Bank kündigte daraufhin den Kreditvertrag und ließ die Wohnungen zwangsversteigern. Der Verkehrswert der drei Objekte wurde in diesem Verfahren mit lediglich 107 900 Euro angegeben. Das sind rund 41 500 Euro weniger als der damalige Kaufpreis.

In der Zwangsversteigerung gingen schließlich alle drei Wohnungen für nur 41 000 Euro weg. Das Ehepaar Böhm hat heute Schulden von rund 127 000 Euro.

Ohne Besichtigungstermin gekauft

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Besichtigt hatten die Böhms die Wohnungen nicht, bevor sie den Kauf und den Kreditvertrag abschlossen. Sie liegen gut 720 Kilometer vom Wohnort des Ehepaars entfernt in der Sedanstraße in Aachen.

Skeptisch, ob der Kaufpreis angemessen ist, waren sie aber schon gewesen. Sie hatten deswegen im Beisein des Vermittlers beim zuständigen Kreditsachbearbeiter der Deutschen Bank angerufen. Er soll ­ihnen mitgeteilt haben, dass die Deutsche Bank die Immobilien bewertet habe und die drei Wohnungen den Kaufpreis von zusammen 149 430 Euro wert seien.

Außerdem habe er ihnen bestätigt, dass die Wohnungspreise in Aachen steigen würden und die Wohnungen in zwei bis drei Jahren mit einem guten Gewinn wieder zu verkaufen seien.

Die Deutsche Bank will sich gegenüber Finanztest zu dem Fall des Ehepaars nicht äußern, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele. Die Böhms sind nämlich vor Gericht gezogen. Sie verklagen die Deutsche Bank als Gutachter der Immobilien, den Verkäufer und den Vermittler auf Schadenersatz.

„Das ist ein sehr krasser Fall“, sagt der Rechtsanwalt Ralph Veil von der Kanzlei Mattil & Kollegen, die das Ehepaar vor Gericht vertritt. „Die Banken treten normalerweise nicht als Tippgeber auf.“ Häufiger fallen die Käufer auf Zeitungsanzeigen herein.

Auch dann tragen die Banken aber eine Mitverantwortung, weil sie eigentlich bei der Ermittlung des Beleihungswerts für den Kredit merken müssten, dass die Immobilien deutlich weniger wert sind.

Sollten die Böhms den Prozess gewinnen, können sie ihr Geld von einem der drei Beklagten zurückfordern, weil diese gesamtschuldnerisch haften. Infrage käme hier vor allem die Deutsche Bank. Denn die Firma des Vermittlers hat inzwischen Insolvenz angemeldet.

Wer steckt hinter den Anzeigen?

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Wir wollten wissen, wer zurzeit solche Kapitalrückflussgeschäfte anbietet. Anhaltspunkte dafür können uns nur die Zeitungsanzeigen geben, in denen Vermittler für Immobiliengeschäfte mit Kapitalrückfluss werben. Vier Wochen lang haben wir die Annoncen in den Wochenendausgaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Welt am Sonntag“ ausgewertet. Die meisten Anzeigen schaltete kapitalerwerb@web.de. Die Mailadresse führt zur Vermögensverwaltung Hemlein aus dem ­badischen Wiesloch.

„Hemlein ist kein Unbekannter“, sagt der Heidelberger Rechtsanwalt Hans Witt. „Ich hatte mit einer seiner Firmen schon vor vier Jahren im Zusammenhang mit ­einer Kapitalrückfluss-Zahlung zu tun. Sie wurde als Eigenprovision für den Käufer ausgewiesen.“

In Zeitungsannoncen für Geschäfte mit Kapitalrückfluss zu werben, ist nicht strafbar. Damit die Justizbehörden gegen die Vermittler und Verkäufer vorgehen können, brauchen sie jedoch Geschädigte, die Anzeige erstatten.

Davor schrecken aber viele Käufer zurück, weil sie entweder ihre Rechte nicht kennen oder sich womöglich selbst strafbar gemacht haben: Um überhaupt an einen Kredit zu kommen, haben manche von ihnen Unterlagen wie Steuerbescheide oder Einkommensnachweise gefälscht.

Ohne Betroffene, die sich an die Justiz wenden, können die Vermittler und Verkäufer weiterhin Woche für Woche ihre Anzeigen schalten.

*Name von der Redaktion geändert.

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