Bank­schließ­fach Test

Das Bank­schließ­fach ist der beste Ort, um Gold­barren oder -münzen vor Diebstahl geschützt aufzubewahren.

Ob Gold oder Dokumente – was im Stahlfach lagert, ist Privatsache. Ab 20 Euro kostet die Jahres­miete, nicht immer ist eine Versicherung dabei.

Etwa alle drei­einhalb Minuten wird in Deutsch­land in eine Wohnung einge­brochen. Tendenz steigend. Neben Bargeld nehmen die Täter mit, was sich verkaufen lässt: oft hoch­wertige Technik wie Mobiltelefone und Digitalkameras, aber auch wert­vollen Schmuck, Gold­münzen und andere Samm­lerstücke.

Besseren Schutz kann ein Tresor zuhause bieten, noch besser ist ein Schließ­fach bei der Bank oder Sparkasse. „Die Nach­frage nach Bank­schließ­fächern ist sehr groß und über­steigt manchmal das Angebot an freien Fächern“, sagt Tanja Beller vom Bundes­verband deutscher Banken.

Finanztest hat bei 79 Banken nachgefragt, ob sie Schließ­fächer vermieten, was die Fächer kosten und ob der Inhalt versichert ist. 38 Banken haben uns ihr Angebot genannt.

Groß­banken ohne Schließ­fächer

Freie Schließ­fächer haben uns bis auf die VR-Bank Uckermark-Randow und die PSD Bank Nürn­berg alle befragten Banken gemeldet. Allerdings nicht in jeder Filiale, so dass es durch­aus zu Warte­zeiten kommen kann, wenn der Kunde nicht auf eine andere Filiale ausweicht.

Einige große Banken wie die Post­bank, die Noris­bank und die Targo­bank vermieten wie weitere 14 Kredit­institute gar keine Schließ­fächer. Ihre Kunden müssen auf Banken ausweichen, die auch an diejenigen vermieten, die bisher keine anderen Verträge mit der Bank haben. In einigen Fällen nehmen Sparkassen sowie Volks- und Raiff­eisen­banken auch Nicht­kunden an.

Das kostet bei acht Banken im Test nichts extra. Bei weiteren sieben Banken wird für Nicht­kunden ein Aufpreis fällig. Manchmal verlangen die Banken auch einen Aufpreis, wenn die Safemiete von einem Konto bei einer anderen Bank über­wiesen wird.

Die meisten Banken vermieten ein Bank­schließ­fach nur an eigene Kunden, die dort zum Beispiel ein Giro­konto, eine Geld­anlage oder einen Kredit haben.

Bis zur Größe einer Wasch­maschine

Bank­schließ­fach Test

Vom Dachboden ins Bank­schließ­fach: die Fußball­schuhe, mit denen der legendäre brasilia­nische Fußballer Pelé 1970 Welt­meister wurde. Klaus Rahe gewann sie bei einem Zeitungs­wett­bewerb und bewahrte die wert­vollen Treter zunächst zuhause auf. Seit rund 25 Jahren liegen sie in einem Bank­schließ­fach der Stadt­sparkasse Vers­mold in Nord­rhein-West­falen.

Die Banken haben Schließ­fächer in verschiedenen Größen: in das kleinste Fach passt gerade mal ein schmaler Akten­ordner, im größten wäre Platz für eine Wasch­maschine. Die BW Bank zum Beispiel hat zehn verschiedene Schließ­fach­größen: das kleinste mit bis zu 3 Litern, das größte ab 270 Liter. „Die kleineren Fächer sind bei den Kunden beliebter und es gibt auch mehr davon“, sagt Tanja Beller.

Der Miet­preis richtet sich nach der Größe des Schließ­fachs. Größe und Miete können sich von Filiale zu Filiale unterscheiden. Den nied­rigsten Preis mit 20 Euro im Jahr verlangt die PSD Bank Karls­ruhe-Neustadt. Dafür kann der Kunde ein knapp 7 Liter großes Schließ­fach für ein Jahr mieten. Große Schließ­fächer können bis zu 730 Euro (Frank­furter Sparkasse) kosten.

Tunnelräuber-Opfer nicht entschädigt

Hundert­prozentigen Schutz bieten allerdings selbst zenti­meterdicke Tresorwände nicht. Das haben im Oktober 2014 Kunden der Berliner Sparkasse erfahren. Kriminelle ließen sich nach Feier­abend in der Bank einschließen, um in aller Ruhe mehr als 100 Schließ­fächer aufzubrechen. Dann legten sie einen Brand und sprengten die Bank­filiale, um Spuren zu verwischen.

Geschädigte, die glaubten, dass ihre Wert­sachen mit der Schließ­fachmiete auto­matisch versichert seien, irrten. Sie hatten das Klein­gedruckte nicht gelesen: Bei der Berliner Sparkasse ist im Miet­preis keine Versicherung enthalten. Sie muss einen Schließ­fachmieter nur entschädigen, wenn sie den Schaden selbst verschuldet hat.

Ähnlich erging es etwa 180 Kunden der Berliner Volks­bank: Sie waren eineinhalb Jahre zuvor durch die sogenannten Tunnelräuber um ihre Wert­sachen gebracht worden – und hatten aufgrund der fehlenden Versicherung keinen Anspruch auf Entschädigung.

Miete mit und ohne Versicherung

Unser Test zeigt: Wie bei der Berliner Sparkasse und der Berliner Volks­bank ist bei sieben weiteren Banken in der Miete keine Versicherung enthalten. Der Kunde muss sie extra vereinbaren, dann hilft sie bei Schäden durch Raub, Feuer, Leitungs­wasser – und Diebstahl. Bei etwa der Hälfte der getesteten Banken schließt der Schutz auch Schäden durch Blitz­schlag, Explosion und Rauch ein. Er greift also, wenn der Schließ­fach­inhalt nicht gestohlen, durch Feuer aber schwer beschädigt oder vernichtet wird.

Eine Versicherung für den Bank­safe können Mieter fast immer direkt über die Bank bekommen. Die Kosten kommen dann zur Miete dazu. Bei der Berliner Volks­bank zum Beispiel zahlt ein Kunde pro 1 000 Euro Versicherungs­schutz 1,04 Euro – mindestens 30 Euro im Jahr. Bei der Sparkasse Holstein werden 2,36 Euro, mindestens 23,57 Euro im Jahr fällig und bei der mbs in Potsdam kostet der annähernd gleiche Schutz nur 0,89 Euro, mindestens 21,42 Euro im Jahr.

Schließt der Miet­preis eine Versicherung ein, unterscheidet sich der Schutz von Bank zu Bank stark. Die Versicherungs­summe beträgt zwischen 1 000 Euro (PSD Bank Nürn­berg) und 128 000 Euro (Sparda-Banken Hamburg, Hannover, Ostbayern und West).

Hausrat­versicherung fragen

Bank­schließ­fach Test

Ältere Schließ­fächer haben zwei Schlösser und Schlüssel: Ein Schloss schließt der Kunde auf, das andere der Bank­angestellte. Moderne Fächer können Kunden jeder­zeit per Chipkarte öffnen.

Wer im Schließ­fach Urkunden oder das Stamm­buch deponieren möchte, sollte über­legen, ob er über­haupt eine Versicherung braucht. Denn einen immateriellen Schaden kann auch sie nicht ersetzen.

Für alles andere ist eine Versicherung sinn­voll. Der Interes­sierte muss sie nicht unbe­dingt bei der Bank abschließen, er kann auch eine andere Lösung wählen.

Einige Hausrat­versicherer schließen sogar in güns­tigen Grund­schutz­tarifen Wert­sachen im Bank­schließ­fach ein, zum Beispiel die Ammerländer bis 10 000 Euro (Tarif Economic), die Docura bis 5 Prozent der Versicherungs­summe (Tarif Basis) und die GVO bis 20 Prozent der Versicherungs­summe (Stand: 1. Februar 2014).

Inhalt muss nachgewiesen werden

Die Versicherung zahlt aber nur, wenn der Kunde im Schadens­fall nach­weisen kann, welche Wert­sachen er im Schließ­fach hatte. Das geht am besten mit einer aktuellen Inventar­liste, Kauf­belegen, Rechnungen und Liefer­scheinen.

Geerbter Schmuck lässt sich mit Fotos oder einem Gutachten vom Juwelier dokumentieren. Auch Bekannte könnten im Ernst­fall den Inhalt bestätigen.

Dass Nach­weise für den Inhalt nicht im Schließ­fach liegen dürfen, versteht sich von selbst. Auch das Testament gehört nicht in den Safe, weil die Erben dann erst einen Erbschein oder eine Voll­macht vorlegen müssen, um an den Inhalt zu kommen.

Bargeld nicht ins Schließ­fach

Große Summen Bargeld sollten nicht lang­fristig im Schließ­fach lagern. Erstens nagt die Inflation am Wert des Geldes. Zweitens versichert ein Viertel der Banken im Test Bargeld gar nicht. Doch selbst wenn – der Kunde dürfte Mühe haben, die Menge nach­zuweisen. Dazu braucht er entweder Zeugen­aussagen oder Fotos mit den Serien­nummern jedes einzelnen Geld­scheines. Nur das lassen zum Beispiel die vier Sparda-Banken als Nach­weis gelten.

Was jemand im Schließ­fach deponiert, ist Privatsache. Die Bank weiß nicht, was ihre Kunden darin lagern. Verboten sind nur feuer- oder sons­tige gefähr­liche Sachen.

Wenn ein Schließ­fachmieter etwas heraus­nimmt oder Neues hinein­legt, ist er im Raum allein. So werden in den Stahlfächern hin und wieder Dinge liegen, die nicht ans Tages­licht kommen sollen – oder Geld, das auf keinem Konto erscheinen soll. Die Bank muss die Fächer nicht den Finanzbehörden melden. Nur wenn ein Mieter stirbt, muss sie mitteilen, dass es ein Fach gibt. Nach­schauen, was drin ist, darf sie auch dann nur auf richterlichen Beschluss.

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