Bank­schließ­fach Test

Es schützt Gold, Schmuck oder wichtige Papiere vor Dieben. Einige Banken im Test vermieten ein Schließ­fach schon für wenige Wochen.

Die Kriminal­statistik zeigt es: Wert­voller Schmuck, Gold, wichtige Verträge und teure Samm­lerstücke wie Uhren oder Briefmarken sind in den eigenen vier Wänden nicht wirk­lich sicher. Rund 122 000 Wohnungs­einbrüche gab es nach Angaben der Polizei­lichen Kriminal­statistik (PKS) im Jahr 2010 in Deutsch­land. Das sind 6,6 Prozent mehr als 2009.

Besseren Schutz kann ein Tresor im Haus bieten oder ein Schließ­fach bei der Bank. Einige Institute vermieten die Fächer sogar für kurze Zeit, zum Beispiel für die Dauer einer Reise. Der Kurz­zeit­service für ein kleines Fach kostet meist weniger als 30 Euro, teil­weise sogar weniger als 10 Euro.

Die meisten Kunden mieten aber länger. „Wer sich für ein Bank­schließ­fach interes­siert, mietet meist über viele Jahre“, sagt Britta Klein von der Stadt­sparkasse München. Je nach Bank liegt die Jahres­miete für das kleinste Fach zwischen 20 und 65 Euro.

Finanztest hat bei 30 Banken nachgefragt. Uns interes­sierte, was die Fächer kosten, ob der Inhalt versichert ist und ob es freie Fächer gibt.

Längst nicht alle Banken führen Schließ­fächer. Post­bank, Sant­ander Consumer Bank, noris­bank, Targo­bank und Sparda-Bank München bieten zum Beispiel keine an. Die meisten anderen Banken haben zurzeit freie Fächer.

Kunden, die bei ihrer Haus­bank kein Schließ­fach bekommen, können oft auf die örtlichen Volks­banken und Sparkassen ausweichen. Diese Kredit­institute vermieten häufig auch an Menschen, die außer dem Schließ­fach keine anderen Dienste der Bank in Anspruch nehmen wollen.

Die über­regionalen Institute Deutsche Bank, Hypo­ver­eins­bank und Commerz­bank vermieten nur an eigene Kunden.

Anony­mität endet mit dem Tod

Die Größe der Bank­schließ­fächer ist nicht genormt. Ihre Preise sind deswegen schlecht vergleich­bar.

Das kleinste Fach im Test hat ein Fassungs­vermögen von 3,5 Litern, das entspricht etwa einem dünnen Akten­ordner. Es kostet 30 Euro im Jahr. Das größte fasst 550 Liter, etwa das Volumen eines kleines Bücher­regals, und kostet 500 Euro.

Dazwischen bieten die Banken Fächer in allen Größen an. „Kleinere Fächer sind beliebter als ganz große“, sagt Nancy Mönch von der Berliner Volks­bank.

In das Schließ­fach darf alles, was dem Kunden lieb und teuer ist. Schmuck, Gold, alte Uhren, eine Briefmarken­samm­lung, ein Testament oder Verträge und Urkunden. Was drinnen liegt, weiß nur der Kunde selbst.

Um die Diskretion zu wahren, ist der Zugang zum Tresorraum gesperrt, wenn sich ein Kunde darin aufhält. Video­über­wachung gibt es – wenn über­haupt – nur im Eingangs­bereich, nicht aber im Schließ­fachraum.

Anders als Kapital­erträge von Geld­anlagen müssen die Banken Schließ­fächer auch nicht an die Finanzbehörden melden. Erst nach dem Tod des Inhabers ist die Bank dazu verpflichtet – und auch dann darf sie nicht einfach nach­schauen, was darin ist. Sie meldet lediglich, dass es ein Fach gibt.

Auskunft über den Inhalt müssen allenfalls die Erben geben. Sie können dazu verpflichtet sein, wenn ihr gesamtes Erbe über den steuerlichen Frei­grenzen liegt und sie deshalb eine Erbschaft­steuererklärung machen müssen.

Eröff­nung mit Personal­ausweis

Wer ein Schließ­fach eröffnen will, muss sich bei der Bank legitimieren – genauso, als wolle er ein Giro- oder Fest­geld­konto eröffnen. Er muss seinen Personal­ausweis oder ersatz­weise einen Reisepass zusammen mit einer Melde­bestätigung vorlegen.

Möchten mehrere Personen ein Fach eröffnen, müssen sie alle bei der Eröff­nung anwesend sein. Bevoll­mächtigte, zum Beispiel erwachsene Kinder, können auch später benannt werden.

Manche Fächer sind mit einem Schlüssel gesichert, andere elektronisch. Bekommt der Kunde einen Schlüssel ausgehändigt, muss er sich trotzdem jedes Mal mit seiner Unter­schrift und manchmal zusätzlich mit einem Pass­wort bei einem Bank­angestellten ausweisen, ehe er an sein Fach darf.

Für ein Fach mit elektronischer Sicherung benötigt der Kunde nur eine Chipkarte und eine Geheim­nummer. Solche Schließ­fach­anlagen können auch außer­halb der Bank­öffnungs­zeiten zugäng­lich sein.

Versicherungs­summe prüfen

Doch was passiert, wenn die Bank selbst beraubt wird? Oder wenn ein Feuer oder eine Über­schwemmung den Inhalt der Schließ­fächer zerstört?

Dann hängt es vom Versicherungs­schutz des Faches ab, ob und in welcher Höhe der Kunde seine Wert­sachen ersetzt bekommt. Gibt es keine Versicherung, geht der Kunde leer aus.

Unser Test zeigt: Der Versicherungs­schutz für den Inhalt der Schließ­fächer unterscheidet sich von Bank zu Bank stark. Einige schließen eine Versicherung in den Miet­preis ein. Bei der Volks­bank Mittel­hessen beträgt die Versicherungs­summe 2 500 Euro, bei den Sparda-Banken Baden-Württem­berg und West dagegen 128 000 Euro.

Bei anderen Banken wie der Deutschen Bank ist im Miet­preis kein Versicherungs­schutz enthalten. Der Kunde kann aber eine Versicherung abschließen. Pro 1 000 Euro Versicherungs­schutz zahlt er bei der Deutschen Bank 58 Cent, mindestens jedoch 24,46 Euro im Jahr. Diese Summe muss der Kunde für den Vergleich auf den Jahres­miet­preis aufschlagen.

Bargeld ist selten versichert

Bargeld gehört nicht ins Bank­schließ­fach. Es bringt dort keine Zinsen und verursacht statt­dessen Kosten. Zusätzlich nagt die Inflation am Wert des Geldes. Damit ist Bargeld im Schließ­fach in jeder Hinsicht ein Verlust­geschäft.

Einige Banken schließen Bargeld vom Versicherungs­schutz aus. Das tun zum Beispiel die Commerz­bank, die BBBank, die Frank­furter Sparkasse, die Stadt­sparkasse München, die Sparkasse Leipzig sowie die Ostsächsische Sparkasse.

Andere Banken versichern Bargeld. Wie bei allen Dingen, die sich im Schließ­fach befinden, muss der Kunde im Schadens­fall glaubhaft machen, was gestohlen oder zerstört wurde. Dazu eignen sich Kauf­belege, Fotos oder Expertisen. Bei Bargeld ist das jedoch schwierig, nur Zeugen­aussagen können hier weiterhelfen.

Oder die Kunden folgen der Regelung der Sparda-Bank Baden-Württem­berg: Sie sollen jeden Geld­schein im Schließ­fach so fotografieren, dass die Serien­nummer eindeutig zu erkennen ist.

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