Bankpleiten Meldung

Tobias Schucht kann sich strecken, so weit er will. An sein Geld bei der pleitegegangenen Weserbank kommt er im Augenblick nicht heran.

Im Vertrauen auf die Einlagensicherung legen immer mehr Sparer auch bei fremden Banken an. Die Pleite der Weserbank zeigt jetzt, wie die Sicherung funktioniert.

Tobias Schucht beschleicht leise Panik: „Bankenaufsicht verhängt Moratorium über die Weserbank“, liest er am Nachmittag des 8. April im Internet. Wenige Tage später eröffnet das Amtsgericht Bremerhaven das Insolvenzverfahren für die Bank.

Bei der Privatbank in Bremerhaven hatte der Dortmunder im vergangenen Herbst 5 150 Euro auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt. 3,6 Prozent Zinsen sollte es geben.

„Der Einlagensicherungsfonds springt ein. Das weiß ich“, sagt Schucht. Doch weil der Redakteur keine Erfahrungen mit einer Bankpleite hat, ist er verunsichert. „Wie funktioniert der Sicherungsfonds, und: wann bekomme ich mein Geld?“, schreibt er in einer E-Mail an Finanztest.

Selten sind Bankpleiten nicht. Seit 1950 sind in Deutschland mehr als 150 überwiegend kleinere Privatbanken zusammengebrochen, kaum ein Jahr vergeht ohne Pleite. Den Einlagensicherungsfonds gründeten die privaten Banken 1976, nachdem die Herstatt-Bank Konkurs gegangen war. Zusätzlich gibt es seit 1998 eine gesetzliche Entschädigungseinrichtung. Deutschland setzt damit eine Richtlinie der Europäischen Union um.

Rückzahlung kann Monate dauern

Tobias Schucht und alle anderen Sparer der Weserbank können aufatmen. Sie werden ihr Geld zurückerhalten. Das Einlagensicherungsgesetz sieht vor, dass Betroffene binnen höchstens sechs Monaten entschädigt werden, nachdem ihre Ansprüche festgestellt wurden.

Wie lange sich das Verfahren hinziehe, hänge von der Zahl der Kunden und der Organisation der Bank ab, heißt es bei der Aufsichtsbehörde, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen in Bonn.

Im Fall der Weserbank rechnet der Bundesverband deutscher Banken mit einigen Wochen. Da die Weserbank nur 2 800 Kunden hatte, sollte die Wartezeit nicht viel länger ausfallen. „Der Fall ist überschaubar“, sagt Christian Lipicki vom Bankenverband.

Dort sind zwei Entschädigungseinrichtungen angesiedelt: Die gesetzliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, an der sie teilnehmen müssen, und der Einlagensicherungsfonds, dem die Geldhäuser freiwillig angehören können. Beide Systeme erhalten Beiträge der Mitgliedsbanken. Die müssen die Kosten decken.

Filialen von Banken aus dem europäischen Wirtschaftsraum, die oft hohe Zinsen für Tages- und Festgeld bieten, müssen nicht den deutschen Sicherungssystemen angehören, wenn die Kunden durch eine Einlagensicherung im Heimatland der Bank geschützt sind.

Das Verfahren nach einer Bankpleite ist immer gleich. Als Erstes kommt der Kassensturz. Die Weserbank stellt dafür den Entschädigungseinrichtungen die Namen und Adressen sowie die Kontendaten ihrer Kunden zur Verfügung.

Bei den Betroffenen steigt derweil die Nervosität. Sie kommen nicht an ihr Geld heran und viele hören zunächst auch nichts von ihrer Bank. Doch in dieser Phase können sie nichts unternehmen.

Schucht ist erleichtert, als er am 24. April wenigstens einen Kontoauszug von der Weserbank bekommt – kommentarlos. Vom Einlagensicherungsfonds hat er noch keine Post bekommen. Der informiert alle Kunden der zusammengebrochenen Bank, sobald er die Daten hat.

Hält der Kunde dieses Schreiben in den Händen, beginnt eine Frist. Binnen einem Jahr muss er seine Ansprüche schriftlich anmelden. Fünf Jahre dauert es, bis ein Anspruch vollständig verjährt ist.

Was ist sicher? Was ist verloren?

Geschützt sind alle Guthaben auf Sparbüchern und Girokonten. Abgesichert sind auch Tagesgeld, Festgeld und Schuldverschreibungen, die auf einen Namen lauten, wie Sparbriefe. Voraussetzung ist jeweils, dass die Geldanlagen auf Euro oder die Währung eines EU-Mitgliedslandes lauten.

Nicht nur das Kapital bekommen die Bankkunden zurück, auch die Zinsen werden entschädigt, und zwar bis zu dem Tag, an dem das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Bei der Weserbank war das der 16. April.

Zurück gibts auch den Inhalt eines Bankschließfachs und die Papiere eines Depots. Hier ist die Bank ja nur Verwahrerin.

Nicht geschützt sind dagegen Inhaberschuldverschreibungen. Diese Ansprüche können Betroffene jedoch im Insolvenzverfahren geltend machen. Besitzt jemand Aktien einer zusammengebrochenen Bank, hat er ebenfalls Pech gehabt.

So wird entschädigt

Tobias Schucht wird sein Geld aus zwei Quellen erhalten. Der gesetzliche Entschädigungsanspruch ist auf 90 Prozent der Einlagen und den Gegenwert von 20 000 Euro beschränkt. Aus dieser Quelle stehen Schucht 4 635 Euro plus Zinsen zu. Die restlichen 515 Euro plus Zinsen übernimmt der Einlagensicherungsfonds, der auch die Gesamtsumme überweist und einziger Ansprechpartner der Betroffenen ist.

Die Sicherungsgrenze beträgt bei jeder Bank, die Mitglied des Einlagensicherungsfonds ist, 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals. Jeder einzelne Kunde der Weserbank könnte deshalb bis zu 1,832 Millionen Euro erstattet bekommen.

Schnell eine neue Bank finden

Schucht wartet jetzt auf Post von der Einlagensicherung. Mehr Stress haben die Stammkunden der Weserbank. Sie brauchen schnell eine neue Hausbank. Schließlich können sie kein Geld mehr abheben, Daueraufträge werden nicht ausgeführt.

Hilfreich beim Bankwechsel sind Kontoauszüge, die regelmäßige Geldeingänge belegen. Die Konkurrenten der Weserbank boten in Anzeigen unbürokratische Hilfe an.

Die neue Bank kann auch das Aktiendepot weiterführen. Bis der Besitzer wieder Aufträge erteilen kann, dauert es oft einige Tage. Rauscht in der Zwischenzeit ein Wert in die Tiefe, trägt der Anleger den Verlust.

Kredite müssen weiter bedient werden, allerdings ändert sich in der Regel das Konto für die Raten. Die Kunden erhalten eine Nachricht vom Insolvenzverwalter. Solche Verwalter sind Anwälte, die vom Insolvenzgericht beauftragt werden, die Bankgeschäfte soweit nötig fortzuführen und das Pleiteinstitut abzuwickeln.

Wir bleiben dran und werden berichten, wenn Tobias Schucht sein Geld zurückbekommen hat.

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