Bank­konto Ohne Erbschein und Voll­stre­cker ans Geld

Um an das Konto eines Verstorbenen zu gelangen, brauchen Erben weder ein Zeugnis von einem Testaments­voll­stre­cker noch einen Erbschein. In der Regel reichen ein notarielles Testament oder ein notarieller Erbvertrag und ein amtliches Protokoll der Testaments­eröff­nung, urteilt das Ober­landes­gericht Hamm (Az. I-31 U 55/12). Die Stadt­sparkasse Gevels­berg sah in den Geschäfts­bedingungen vor, dass sie von einem Erben immer auch einen Erbschein oder ein Voll­stre­ckungs­zeugnis verlangen darf. Die Klausel sei unwirk­sam, so das Gericht. Weitere Nach­weise darf eine Bank aber fordern, wenn der Verstorbene das Testament ohne Notar verfasst hat.

Tipp: Ein Erbnach­weis ist nicht erforderlich, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten eine Voll­macht erteilt hat. In dem Papier sollte stehen, dass es nach dem Tod gültig bleibt. Sprechen Sie mit der Bank über die Voll­macht. Verwenden Sie ein Formular der Bank oder lassen Sie das Schreiben von einem Notar beur­kunden.

Mehr zum Thema

  • Testaments­voll­stre­ckung Wann ein Testaments­voll­stre­cker sinn­voll ist

    - Ein Testaments­voll­stre­cker kann Streit unter Erben vermeiden oder dafür sorgen, dass Minderjäh­rige ihr Erbe nicht verprassen. Lesen Sie hier alles Wissens­werte.

  • Erbschaft ausschlagen Was tun, wenn das Erbe Schulden bringt?

    - Erben heißt nicht immer reich werden. Wenn Schulden drohen, kann der Erbe sie ausschlagen. Wir erklären, welche Regeln und Fristen für eine Ausschlagung gelten.

  • Erbschaft­steuer Frei­beträge nutzen, Steuer sparen

    - Dank hoher Frei­beträge bleiben Erbschaften im Familien­kreis oft steuerfrei. Wir erklären, wie Sie auch große Vermögen steuerfrei über­tragen – mit Erbschaft­steuer­rechner.

3 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

anon am 12.01.2013 um 17:20 Uhr
@Stiftung_Warentest

Ohne Erbnachweis kommt man mit einer Vollmacht nicht an Geld. Die Verfügungen sind sehr wohl abhängig von erbschaftsrechtlichen Fragen und Streitigkeiten. Wenn die Bank an einen Nichterben auszahlen würde, hätte der wirkliche Erbe einen Anspruch gegen die Bank. Daher berechtigt die Vollmacht nur dazu, Nachlassverbindlichkeiten zu begleichen (z.B. Bestattungskosten). Die Auszahlung von Erbmasse muss hingegen getrennt davon mit Erbnachweis bei der Bank beantragt werden. Das folgt aus Nr. 5 AGB-Banken. Wer dennoch die Vollmacht benutzt für Erbauszahlung, der muss damit rechnen, dass die Bank sofort die Vollmacht und das Konto sperrt, um kein Haftungsrisiko einzugehen (siehe oben). Die Bank sitzt am längeren Hebel und ein teures Gerichtsverfahren gegen die Bank sollte niemand deswegen riskieren.

anon am 12.01.2013 um 17:19 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.01.2013 um 14:46 Uhr
Vollmacht.

@anon: Sie haben Recht. Die postmortale Vollmacht reicht nicht für den Erbnachweis. So steht es auch nicht in der Meldung. Sie ermöglicht aber selbstverständlich trotzdem Verfügungen über das Konto – unabhängig von erbschaftsrechtlichen Fragen & Streitigkeiten.

anon am 27.12.2012 um 04:56 Uhr
Vollmacht genügt keineswegs

1. Die postmortale Vollmacht entbindet, anders als behauptet, keineswegs von dem Erbnachweis. Die AGB-Banken bestimmen eine solche Entbindung nicht; das sind zwei komplett verschiedene Dinge. Der Bevollmächtigte darf (so sagt es schon der Name) nur treuhändisch aktiv werden (z.B.: das Vermögen weiter verwalten, Bestattungskosten bezahlen). Er darf aber mit der Vollmacht nicht einfach Erbanteile auszahlen, ohne dass zuvor AGB-Konform der Erbnachweis erbracht wurde. Die Bank wird in der Regel das Konto sperren, wenn die Vollmacht dafür trotzdem benutzt wird. Denn die Bank hat hohe Haftungrisiken. 2. Ein notarielles Dokument ist nicht nötig. Es genügt ein privates Testament mit dem Protokoll der Testaments­eröff­nung und Totenschein, Nr. 5 AGB-Banken. Das hat der BGH schon im Urteil vom 7. Juni 2005 entschieden, XI ZR 311/04. (Auch damals ging es zwar konkret um ein notarielles Testament, aber gemäß Urteil genügt schon die Klarheit, die auch ein privates Testament erreichen kann.)