Interview: „Bank redet sich raus“

Bankhaus Lampe Special

Das Bankhaus Lampe kaufte für eine Kundin ohne deren Wissen Wertpapiere. Sie beruft sich auf eine „Anscheinsvollmacht“. Rechtsanwalt Peter Mattil erklärt, worum es geht.

Was ist eine Anscheinsvollmacht?

Mattil: Von einer Anscheinsvollmacht darf der Vertragspartner ausgehen, wenn jemand für einen anderen Geschäfte tätigt und der andere dies akzeptiert, obwohl er von den Geschäften wissen müsste.

In welchen Fällen darf eine Bank ohne Vollmacht davon ausgehen, dass ein anderer im Namen eines Kunden Kaufaufträge für Wertpapiere geben darf?

Mattil: Das darf sie, wenn der Kunde dem oder der Bevollmächtigten eine Vertrauensstellung eingeräumt hat, aus der die Bank schließen kann, es gebe eine Vollmacht. Eine Bank kann aber allenfalls von einer Bevollmächtigung ausgehen, wenn die entsprechende Person sich in der Vergangenheit ständig um die Anlagegeschäfte gekümmert hat. Sie darf die Aufträge nur ausführen, wenn sie keine Zweifel an der Vertretungsberechtigung hat.

Gab es aus Ihrer Sicht im vorliegenden Fall Anhaltspunkte für eine Anscheinsvollmacht?

Mattil: Nein, die Bank redet sich raus. Die Mutter hatte in der Vergangenheit keinerlei Anlageentscheidungen für die Tochter getroffen. Sie war nicht einmal Kundin der Bank. Die Bank hätte sich ausdrücklich bestätigen lassen müssen, dass die Mutter die Tochter vertreten darf.

Stellen Sie sich vor, Sie sind nicht zuhause, die Bank ruft an und Sie müssen befürchten, dass irgendjemand, der gerade in der Wohnung ans Telefon geht, Wertpapieraufträge für Sie erteilt.

Es gibt auch keinen Grundsatz, wonach Eltern einer Volljährigen als bevollmächtigt gelten.

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