Bankgesellschaft Berlin Meldung

Die Anleger zahlreicher geschlossener Immobilienfonds der Bankgesellschaft Berlin haben abgestimmt: Sie verlangen die Einsetzung unabhängiger Wirtschaftsprüfer, die auch die Rolle der Bankgesellschaft Berlin bei Gründung der Fonds untersuchen sollen. Umsetzen soll diesen Entschluss das Unternehmen IBV als Geschäftsführerin der 13 betroffenen Fonds. Sie gehört zum Konzern der Bankgesellschaft Berlin. Anlegervertreter berichten, dass die IBV mauert. Sie vermuten, dass die IBV auf Zeit spielen will, um Anlegerklagen gegen den Mutterkonzern zu verhindern.

Forderung nach Prüfung

Die Bankgesellschaft Berlin, in den neunziger Jahren zum größten Aufleger geschlossener Immobilienfonds Deutschlands aufgestiegen, bekommt massiven Ärger mit ihren Anlegern. Nach einer Abstimmung unter rund 55 000 Fondsanlegern verlangt die Mehrheit, dass jetzt 13 Fonds der Bankgesellschaft durchleuchtet werden sollen. Betroffen sind die Fonds LBB 4 bis LBB 13 sowie die Fonds IBV-Deutschland 1 bis 3.

Schadenersatzklagen angepeilt

Unabhängige Wirtschaftsprüfer sollen nun das Jahresergebnis 2003 der Fonds überprüfen. Darüber hinaus sollen sie in einer Sonderprüfung klären, ob die Bank überteuerte und riskante Immobilien in die Fonds überführt und damit verbotenerweise Risiken der Bankgesellschaft auf Anleger abgewälzt hat. Diese Erkenntnisse sollen die Gesellschafterversammlungen in die Lage versetzen, über mögliche Schadenersatzklagen der Fondsgesellschaften abzustimmen. In der Beschlussvorlage zur Sonderprüfung heißt es, dass diese Versammlungen nach Vorlage der Prüfergebnisse schnell einberufen werden sollen, so dass „im Fall eines Beschlusses einer Klageerhebung die Klage noch vor dem 31.12.2004 eingereicht werden kann“. Tatsächlich drängt die Zeit, wenn Fondsgesellschaften und einzelne enttäuschte Anleger Schadenersatzansprüche geltend machen wollen. Zum Jahresende droht die Verjährung möglicher Ansprüche.

Ausschüttung blieb aus

Anlass der beispiellosen Anlegeraktion sind die schlechten Ergebnisse einiger Fonds, die seinerzeit oft als „risikofrei“ vertrieben wurden. Beim Fonds IBV 1 etwa fehlten 2002 über 40 Prozent der erwarteten Mieteinnahmen. Garantiegeber, die laut Prospekt in solchen Fällen einspringen sollen, zahlen mitunter nicht oder nicht ausreichend. Anleger der Fonds LBB 11, IBV 1 und IBV 2 erhielten 2003 zunächst keine Ausschüttung, laut Verwaltungsgesellschaft IBV mangels ausreichender Liquidität.

Verwaltungsräte stießen Abstimmung an

Wegen der ausbleibenden Ausschüttungen haben die Verwaltungsräte, die in den Fonds Anlegerinteressen wahrnehmen, die Abstimmung über die besonderen Wirtschaftsprüfungen angestoßen. Das Ergebnis ist deutlich, berichtet Michael Lange, Verwaltungsratsvorsitzender fast aller betroffenen Fonds: „Die Beteiligung lag bei 50 bis 68 Prozent, je nach Fonds. Von diesen Fondszeichnern haben fast alle zugestimmt.“

Widerstand von der IBV

Die Fondsgeschäftsführerin IBV müsse jetzt die Prüfer losschicken, meint Lange, „doch sie mauert und spricht von juristischen Bedenken hinsichtlich der Beschlusstexte.“ Lange findet das erstaunlich. „Die IBV hat doch selber an den Beschlusstexten mitgewirkt. Erstaunlich ist auch, dass die Bedenken erst nach erfolgreicher Abstimmung kamen.“ Klaus Hansen, im Bankgesellschaftsunternehmen IBAG zuständig für das Tochterunternehmen IBV, widerspricht dem Verwaltungsratsvorsitzenden. „Wirtschaftsprüfungsunternehmen wurden bereits beauftragt“. Ob sie tatsächlich auch mit der beschlossenen Sonderprüfung zur Rolle der Bankgesellschaft beauftragt wurden, wollte der IBAG-Vorstand Klaus Hansen auf Nachfragen von Finanztest aber nicht ausdrücklich bestätigen.

Bremst die Bankgesellschaft?

Die Verwaltungsräte der Fonds denken nun darüber nach, außerordentliche Gesellschafterversammlungen einzuberufen. Denn Verwaltungsrat Lange hat den Eindruck, dass die IBV angesichts der Verjährung möglicher Anlegeransprüche auf Zeit spielt, „und das vielleicht auf Geheiß der Bankgesellschaft“. IBAG-Vorstand Klaus Hansen bestreitet das.

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