Bankgebühren Meldung

Aktionärsschützer fürchten, dass die Zahl der Teilausführungen weiter steigt – auf Kosten der Anleger. Denn auch für MDax-Werte ist die Mindestordergröße entfallen.

Viele Privatanleger gehen beim Wertpapierhandel über das Xetra-System in die Gebührenfalle der Banken.

Das muss einfach ein Fehler sein, dachte Wolfgang Krause, als er die Abrechnung der Dresdner Bank in den Händen hielt: Das Geldhaus forderte 30,94 Euro Gebühren für den Kauf von 150 T-Online-Aktien zum Kurs von 16,10 Euro im Xetra-System der Deutschen Börse. Allein um die Provision wieder hereinzuholen, hätte das Papier also um 1,3 Prozent steigen müssen.

Der Grund für die hohen Kosten: Das Kreditinstitut hatte die Mindestprovi­sion für Wertpapiergeschäfte über Xetra doppelt abkassiert. Laut Abrechnung wurde der Kauf im Xetra-Handel innerhalb weniger Minuten in zwei Teilen und zum identischen Kurs ausgeführt. Die Bank forderte daraufhin die doppelte Gebühr, obwohl Krause nur einen Auftrag erteilt hatte. Sie war auch nicht bereit, eine der Gebühren zu erstatten, als Krause das merkte.

Gebühren drastisch erhöht

Die Software Xetra ist ein voll elektronisches Handelssystem, das die eingehenden Kauf- und Verkaufsaufträge möglichst schnell zusammenführt. Bei Wertpapieren, die in geringeren Zahlen gehandelt werden, kann es deshalb zu einer Stückelung des Auftrags, den so genannten Teilausführungen kommen.

Wie die Dresdner Bank greifen die meisten Kreditinstitute ihren Kunden dafür mehrmals ins Portmonee. Ihre Begründung, jede Ausführung verursache Kosten, überzeugt viele Anleger nicht. Denn der Betreiber des Xetra-Systems, die Deutsche Börse, berechnet den Banken die Stückelungen nicht.

„Banken sollten bei Teilausführungen Mindestgebühren nur einmal erheben“, fordert Markus Straub, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Zumal, so Straub, viele Banken im Zuge der Euro-Einführung ihre Mindestgebühren drastisch erhöht hätten. So habe zum Beispiel die Hypovereinsbank die Mindestprovision von 25 Mark auf 30 Euro angehoben.

Rechtlich in Ordnung

Formal verhalten sich die Banken korrekt. Sie schreiben die Möglichkeit, Teil­ausführungen zu berechnen, in aller Regel in ihren Geschäftsbedingungen fest und sind aus dem Schneider.

Den Anlegern bleibt nur, Teilausführungen auszuschließen. Die Software er­möglicht es, mit Zusatzorders Teilausführungen von vornherein zu verhindern. Doch nicht alle Banken bieten diese Möglichkeit in ihrem eigenen Ordersystem an. Wer in Xetra handeln will, sollte sich deshalb eine Bank suchen, die die Mindestprovision nur einmal erhebt oder nur einen Prozentsatz des Handelsvolumens als Provision berechnet – zum Beispiel die BHF-Bank oder die Volks- und Raiffeisenbanken.

Eine Alternative zu Xetra ist der Parketthandel – trotz der dann anfallenden Maklergebühren. Anleger können dort über ihren Broker handeln. Statt Xetra bringt dann ein Kursmakler – natürlich auch per Computer – Kauf- und Verkaufsaufträge zusammen.

Da die Makler die eingehenden Aufträge möglichst so ausführen sollen, wie sie erteilt werden, ist die Gefahr von Teilausführungen nicht so groß. Zudem können sie kreativ in den Handel eingreifen: Wenn ein Anleger zum Beispiel 1 000 Aktien verkaufen will, sucht er ­einen Kaufinteressenten für exakt diese Menge. Um die Kauf- und Verkaufsorders aufeinander abzustimmen, können die Broker auch als Zwischenhändler auftreten – was ebenfalls die Zahl der Teilausführungen drückt.

Zudem können Anleger nach Börsenschluss Wertpapiere per Telefon oder Internet über die Kursmakler der Banken handeln. Beim außerbörslichen Handel wird ein fester Preis garantiert, der innerhalb weniger Sekunden akzeptiert werden muss. Der Handel der Wertpapiere findet dann garantiert ohne Teilausführungen statt.

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