Bankgebühren belasten die Rendite von Fonds, Aktien und Anleihen. Doch bei Order- und Depotkosten lässt sich kräftig sparen. Finanztest erklärt, welche Anleger mit dem Wechsel zu ­einer günstigeren Bank nicht länger zögern sollten.

Wertpapiere sollen das Vermögen mehren und nicht an ihm zehren. Die Praxis sieht anders aus. Depot- und Ordergebühren können sich bei Filialbanken schnell auf mehrere hundert Euro jährlich summieren. Bei etlichen Direktbanken zahlen Kunden dagegen gar keine Depotgebühren und können auch viel billiger Wertpapiere kaufen oder verkaufen.

Finanztest hat die Orderspesen und Depotgebühren von 17 Filial- und Direktbanken untersucht. Unser Test zeigt, für wen sich ein Bankwechsel lohnt.

Im ersten Teil wenden wir uns an Normalanleger, die selten etwas kaufen und langfristig vor allem in Fonds und Anleihen investieren. Für sie sind die Depotkosten entscheidend. Die Orderspesen, die im Mittelpunkt des zweiten Teils (siehe „Am besten onlne“) stehen, sind dagegen zweitrangig.

Wie Finanztest aus Leserzuschriften und Telefonaten weiß, sind selbst viele gut informierte Anleger seit Jahrzehnten Kunden bei nicht gerade billigen Banken oder Sparkassen. Dabei haben Anleger dieses Typs kaum Beratungsbedarf und die unaufgeforderten Anlagetipps ihrer Hausbank sind ihnen sogar lästig.

Teure Depots bei Filialbanken

Viele könnten durch einen Depotwechsel erheblich sparen, ohne etwas zu entbehren. Bei Filialbanken sind jährliche Gebühren von 0,1 bis 0,2 Prozent des Depotvermögens üblich. Gerade für vermögende Kunden wird das zum teuren Vergnügen.

So kosten 250 000 Euro im „PrivatDepot“ der Deutschen Bank mindestens 280 Euro, bei der Commerzbank 372,50 Euro und bei der SEB sogar 435 Euro pro Jahr. Die Tatsache, dass die SEB ab einem Jahresumsatz von 1 Million Euro die Depotkosten erlässt, ist nur ein schwacher Trost. Denn Anleger, die sehr viel kaufen und verkaufen, sind bei einem Discountbroker allemal besser aufgehoben.

Einige Institute bitten auch Kleinanleger ordentlich zur Kasse. So kann bei der Deutschen Bank jeder Depotposten mindestens 5 Euro pro Jahr kosten. Gerade für Neue-Markt-Geschädigte, deren Aktien kaum noch etwas wert sind, ist das bitter.

Hürdenlauf bei Sparplänen

In unserer Untersuchung haben wir besonderes Augenmerk auf Investmentfonds gelegt, denn Anleger können schon allein mit ihnen bequem ein vernünftiges Depot aufbauen, ohne zu Aktien, Anleihen oder anderen Finanzprodukten greifen zu müssen.

Unsere Forderungen: Eine gute Bank sollte möglichst viele Fonds im Angebot ­haben, Rabatte auf den Ausgabeaufschlag gewähren, Fondssparpläne anbieten und Einmalanlagen und Sparpläne zusammen mit anderen Wertpapieren in einem möglichst kostengünstigen gemeinsamen Depot verwahren.

Zu viel verlangt? Von vielen Filialbanken offenbar schon. Rabatte auf den Ausgabeaufschlag gewähren sie meist nicht oder nur auf ausdrückliches Nachhaken des Kunden. Und bei den meisten Filialbanken landen die Sparpläne in einem anderen Depot als die anderen Anlagen.

Meist überlassen sie der Fondsgesellschaft die Sparplanverwaltung. Das kostet oft extra. Außerdem hat der Anleger mitunter Anteile ein- und desselben Fonds in verschiedenen Depots liegen.

Wenn man bedenkt, dass sich Fondssparpläne gut für die Altersvorsorge eignen, sollten Anleger darauf achten, was ­eine Bank auf diesem Gebiet zu bieten hat. Viele Direktbanken haben eine ansehnliche Auswahl rabattierter Sparplanfonds.

Die Netbank mit ihren 2 600 sparplanfähigen Fonds, die sie alle mit 35 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag verkauft, ist aber nicht so attraktiv, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Erstens muss der Anleger pro Fonds regelmäßig mindestens 100 Euro sparen. Das ist für manch einen zu viel. Zweitens landen die Fonds in ­einem Extradepot der Union Service Bank, das 28 Euro pro Jahr kostet.

Kostenloses Depot

Zahlreiche Sparplanfonds mit Rabatt und außerdem ein kostenloses Wertpapierdepot ohne Wenn und Aber bieten die DAB Bank und ING-Diba. Die Citibank verzichtet auf eine Jahresgebühr, bietet das Depot aber nur in Verbindung mit einem Girokonto an. Gratis ist es, wenn dauerhaft mindestens 2 500 Euro angelegt sind.

Auch bei anderen Banken ist ein kostenloses Depot an Bedingungen geknüpft, die von Durchschnittsanlegern leicht zu erfüllen sind. Bei Cortal Consors reicht der ­Abschluss eines Fondssparplans oder eine Wertpapierorder pro Quartal oder ein Durchschnittsguthaben ab 2 500 Euro.

Anleger, die nun eine bessere Adresse für ihr Wertpapierdepot im Blick haben, ­können ruhig wechseln. Die Übertragung ihres Depots ist kostenlos.

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