Banken­verband zur Einlagensicherung Special

Michael Kemmer

Ab Januar sinkt die Sicherungs­höhe für Spar­guthaben bei privaten Banken von 30 auf 20 Prozent des haftenden Eigen­kapitals der Bank. Bis 2025* soll der Wert sogar bis auf 8,75 Prozent abge­senkt werden. Michael Kemmer vom Bundes­verband deutscher Banken erklärt, warum.

Geld von Privat­anlegern über das gesetzliche Minimum hinaus geschützt

Was ändert sich für Kunden von Privatbanken wie Deutsche Bank, Post­bank oder Commerz­bank, wenn die Sicherungs­grenze am 1. Januar 2015 gesenkt wird?

Kemmer: Für Privatkunden ändert sich nichts – ihr Spargeld bleibt sicher. Ihre Einlagen sind auch in Zukunft weit über die gesetzlich gesicherten 100 000 Euro pro Kunde und Bank hinaus sehr gut geschützt. Selbst nach der Absenkung zum 1. Januar 2015 liegt der Mindest­schutz bei unserer kleinsten Mitglieds­bank noch bei 1 Million Euro pro Kunde. Mehr als drei Viertel unserer Banken bieten weiterhin einen Schutz von mindestens 5 Millionen Euro pro Kunde. Damit genießen Kunden deutscher Privatbanken im welt­weiten Vergleich einen heraus­ragend guten Schutz ihrer Einlagen.

Warum senkt Ihr Verband die Sicherungs­grenze von 30 auf 20 Prozent des haftenden Eigen­kapitals?

Kemmer: Seit Gründung des freiwil­ligen Einlagensicherungs­fonds im Jahr 1976 sind Spar­guthaben von Kunden privater Banken sicher und effektiv geschützt. Seitdem gilt die Sicherungs­grenze von 30 Prozent des haftenden Eigen­kapitals der Bank als Höchst­grenze für jeden Kunden. In der Zwischen­zeit hat sich einiges getan. Bei vielen Banken liegt das Eigen­kapital heute im drei­stel­ligen Millionen- oder gar im Milliarden­bereich. Damit liegt der maximale Einlagen­schutz bei einigen Banken deutlich über einer Milliarde Euro pro Kunde.

Das war unser Anknüpfungs­punkt, die Sicherungs­grenzen schritt­weise bis 2025* auf 8,75 Prozent des haftenden Eigen­kapitals abzu­senken. Wir wollen den Sicherungsfonds für die Zukunft anpassen und das Risiko für den Fonds begrenzen. Der erste Schritt, die Senkung der Sicherungs­grenze auf 20 Prozent, erfolgt zum 1. Januar 2015.

Privatbanken versus Sparkassen und Genossen­schafts­banken

Geraten die Privatbanken nicht ins Hintertreffen gegen­über Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken sowie Genossen­schafts­banken, die Spar­guthaben in unbe­grenzter Höhe absichern?

Kemmer: Ganz klar nein. Gerade für Privatkunden werden die privaten Banken auch zukünftig einen sehr groß­zügigen Schutz ihrer Einlagen bieten.

Wie viel Geld ist im Topf des freiwil­ligen Sicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB)?

Kemmer: Es kommt nicht drauf an, wie viel Geld im Topf ist, sondern dass der Fonds im Ernst­fall zahlungs­fähig ist – und das hat er immer wieder bewiesen. Zahlen dazu nennen wir – ebenso wie andere Sicherungs­einrichtungen – prinzipiell nicht, um Spekulationen zu vermeiden. Ich kann aber sagen, dass der Fonds seit seiner Gründung in mehr als 30 Fällen gezeigt hat, dass er alle anspruchs­berechtigten Kunden entschä­digt. Darunter waren auch große Brocken, wie die Entschädigung der Kunden der Lehman Brothers Deutsch­land in Höhe von insgesamt mehr als 6 Milliarden Euro.

Fonds finanziert sich über jähr­liche Umlage

Wie wird der Sicherungs­fonds gefüllt?

Kemmer: Die am Fonds teilnehmenden Banken finanzieren den Fonds über eine jähr­liche Umlage, deren Höhe sich vor allem an der Höhe der Kunden­einlagen der jeweiligen Bank orientiert.

Was passiert, wenn im Sicherungs­topf nicht genug Geld ist, um alle Sparer einer insolventen Bank zu entschädigen?

Kemmer: Bisher hat der Fonds immer gezeigt, dass er leistungs­stark ist und in allen Fällen die anspruchs­berechtigten Sparer entschädigt. Alle am Fonds teilnehmenden Banken sind verpflichtet, im Bedarfs­fall weitere Beiträge an den Fonds zu entrichten. Sollte auch das nicht reichen, kann der Fonds fremde Mittel zur Deckung seines Leistungs­versprechens aufnehmen.

Deutsche Einlagensicherung haftet nicht für Spargelder in anderen EU-Ländern

Laut Beschluss der EU-Kommis­sion sollen bis 2024 alle nationalen Sicherungs­töpfe der EU-Mitglied­staaten mit Beträgen in Höhe von 0,8 Prozent der geschützten Einlagen als Sicherungs­vermögen gefüllt werden. Hat Deutsch­land diese Quote schon erreicht?

Kemmer: Wir arbeiten in Deutsch­land daran, wie in fast allen anderen EU-Ländern auch, die Quote zu erreichen. Dazu haben wir noch zehn Jahre Zeit.

Müssen deutsche Sicherungs­einrichtungen auch für die Spar­einlagen bei Banken anderer EU-Staaten aufkommen, wenn diese pleite­gehen und die nationale Sicherungs­einrichtung nicht zahlen kann?

Kemmer: Nein, nach derzeit geltendem Recht und auf absehbare Zeit müssen deutsche Sicherungs­einrichtungen nicht für Sicherungs­töpfe anderer Länder aufkommen. Das kann auch nicht Sinn der Sache sein.

* Angabe der Jahres­zahl am 14.10.2014 korrigiert.

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