Ausgewählt, geprüft, bewertet

Im Test

Wir haben die Qualität der Anla­geberatung von 21 Kredit­instituten untersucht. Dazu haben wir Test­personen anonym in Banken geschickt, damit sie sich beraten lassen. Unsere Stich­probe umfasste sechs Privatbanken, neun Institute des Sparkassensektors und sechs Genossen­schafts­banken.

Der Test fand im Zeitraum von März bis April 2010 statt. Die Tester – geschulte Laien – führten bundes­weit 146 Beratungs­gespräche, sieben Gespräche pro Institut mit Ausnahme der BW-Bank.

Abwertungen

In der Prüfgruppe „Nicht ausgehändigte Beratungs­protokolle“ haben wir Gesetzes­verstöße ­gegen Paragraf 34 Absatz 2a des Wert­papier­handels­gesetzes erfasst und das Finanztest-Qualitäts­urteil stufen­weise abge­wertet: Hatte eine Bank in bis zu einem Viertel der Gespräche, in ­denen ein Beratungs­protokoll erforderlich war, keines ausgehändigt, gab es eine halbe Note ­Abzug. Waren es bis zur Hälfte der Gespräche, haben wir eine ganze Note abge­zogen, bis zu drei Viertel der Gespräche eineinhalb Noten. Wenn­ eine Bank noch öfter ihre Pflicht verletzte, haben wir das Finanztest-Qualitäts­urteil um zwei Noten herunter­gestuft.

Das Finanztest-Qualitäts­urteil

Dem Finanztest-Qualitäts­urteil liegen fünf Prüf­gruppen zugrunde. Für vier der fünf Prüf­gruppen haben wir Gruppen­urteile ermittelt. Die fünfte Prüfgruppe „Nicht ausgehändigte Beratungs­protokolle“ dient zur Ermitt­lung des Abwertungs­effekts.

Lösen des Anla­gepro­blems (65 Prozent)

Das Gruppen­urteil „Lösen des Anla­gepro­blems“ basiert auf drei Prüfungen:

Anlage­wunsch: Hier haben wir unter anderem geprüft, ob die Berater den Anlage­wunsch der Test­kunden realistisch fanden. Die Tester wollten 35 000 Euro für zehn Jahre anlegen. Sie waren bereit, Risiken einzugehen, wollten aber zum Laufzeit­ende mindestens das einge­setzte Geld zu-
rück­bekommen. Außerdem haben wir bewertet, ob der Berater aufbauend auf der Einschät­zung einen Vorschlag für die Geld­anlage erarbeitete, ihn erläuterte, verschiedene Anlage­möglich­keiten aufzeigte und den Test­kunden fragte, was ihm am ehesten zusagte.

Anla­geempfehlung: Wir prüften vor allem, inwieweit die empfohlenen Anla­gepro­dukte zum Anlage­wunsch des Kunden passten. Dazu haben wir für jedes Produkt die Risikoklasse ermittelt und anschließend für die gesamte Anla­geempfehlung den Durch­schnitt. Bei der Berechnung des Durch­schnitts haben wir berück­sichtigt, wie viel Geld in jedes Produkt fließen sollte. Außerdem haben wir bewertet, ob der Berater einen Anlagemix vorgeschlagen hat, ob die Empfehlung zum Anla­gezweck passte und wie gut sich die Anlagen im Notfall verkaufen ließen.

Dokumentation: Hier haben wir wesentliche ­Inhalte des Beratungs­protokolls geprüft. Des Weiteren haben wir geprüft, ob der Berater eine Analyse des Kunden­status ausgehändigt hat. ­Außerdem sollte er dem Kunden das Preis-Leistungs-Verzeichnis geben.

Ermitteln des Kunden­status (15 Prozent)

Das Gruppen­urteil „Ermitteln des Kunden­status“ ergibt sich aus folgenden drei Prüfungen, die sich an Paragraf 31 Absatz 4 des Wert­papier­handels­gesetzes orientieren:

Anlageziele: Wir prüften, ob der Berater wesentliche Fragen zu den Anlagezielen stellte, etwa nach dem Zweck der Geld­anlage, der Risiko­bereitschaft und der Verfügbarkeit der Anlage.

Kennt­nisse und Erfahrungen: Wir haben geprüft, ob der Berater nach den Kennt­nissen und Erfahrungen des Kunden im Umgang mit Geld­anlagen fragte.

Finanzielle und persönliche Verhält­nisse: Wir prüften, ob der Berater die persönlichen und finanziellen Verhält­nisse des Kunden ermittelte und insbesondere nach Vermögen, Schulden und Einkommen fragte.

Produkt- und Kosten­information (15 Prozent)

Geprüft wurde hier, ob der Berater wesentliche Eigenschaften des von ihm vorgestellten Produkts erläuterte, dazu gehören Lauf­zeit, Risiken und Rendi­teerwartung sowie die Möglich­keit, die Anlage vorzeitig zu verkaufen. Des Weiteren haben wir geprüft, inwieweit der Berater über Kosten und Neben­kosten des Produkts aufklärte. Wir prüften auch, ob der Berater Unterlagen über die Produkte aushändigte, etwa Informations­blätter.

Gesprächs­ablauf (5 Prozent)

In diesem Urteil bewerten wir unter anderem, ob die Bank zur Termin­ver­einbarung telefo­nisch gut erreich­bar war, ob der Kunde vor dem Beratungs­gespräch trotz Termin lange warten musste, wie diskret er beraten wurde und ob der Berater sich vorstellte und dem Kunden eine Visitenkarte über­reichte.

Nicht ausgehändigte Beratungs­protokolle (0 Prozent)

Die Bank ist gesetzlich verpflichtet, bei jeder Anla­geberatung über Wert­papiere ein schriftliches Protokoll anzu­fertigen und dem Kunden unver­züglich nach Abschluss der Anla­geberatung zur Verfügung zu stellen. Daher haben wir geprüft, wie oft die Bank das hätte tun müssen und wie oft sie gegen das Gesetz verstoßen hat. Bewertet haben wir die relative Anzahl der Verstöße (siehe „Abwertungen“).

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