Bank­beratung Direkt­banken müssen nicht aufklären

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Kunden einer Direkt­bank haben keinen Anspruch auf Schaden­ersatz, wenn sie nicht über Risiken einer Geld­anlage aufgeklärt wurden. Das geht aus einem Urteil des Ober­landes­gerichts Schleswig-Holstein hervor (Az. 5 U 10/12).

Die Bank hatte bei Konto­eröff­nung darauf hingewiesen, dass sie nur die Kunden­aufträge ausführt und keine Anla­geberatung anbietet. Die Klägerin verlor eine größere Summe durch den Kauf einer strukturierten Anleihe im Zusammen­hang mit der Lehman-Pleite. Sie fühlte sich über die Risiken des komplizierten Finanz­produktes nicht richtig aufgeklärt. Das Gericht wies die Klage ab, weil es zwischen der Direkt­bank und ihrer Kundin keinen Beratungs­vertrag gab.

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Gelöschter Nutzer am 18.01.2013 um 08:56 Uhr
Die Kundin ist volljährig

Hier geht es darum, daß bestimmte banken eben keine Beratung anbieten, sondern lediglich Kundenaufträge ausführen. Ich kenne durchaus die rechtliche Lage. Dennoch ist es geradezu Schwachsinn, wäre der Bank hier eine Mitschuld zugesprochen worden, was ja nicht der Fall war. Die Bank handelt auf Weisung der Kundin. Die Kundin ist volljährig und für ihr Leben selbst verantwortlich. Wenn sie gerne risikoreiche Papiere erwerben Und wer volljährig ist muß dann auch die Konsequenzen für sein handeln tragen. Hier Banken zum Vormund zu machen ist der eigentliche Skandal.

anon am 15.01.2013 um 04:49 Uhr
Gerichtlicher Finanzanalphabetismus

Aus den Gründen: "Bei Depoteröffnung hatte sie sich als gelernte Bankkauffrau in die Kenntnisstufe 'C' von insgesamt 6 Kenntnisstufen ('A' bis 'F') eingeordnet. Zum Zeitpunkt der Anlageentscheidung bestand nur ein theoretisches Ausfallrisiko, weil ausnahmslos international renommierte Bankhäuser als Referenzunternehmen aufgeführt waren." Das ist Unsinn. Schon bei einer einzigen Bank, auch wenn sie international renommiert ist, ist das Ausfallrisiko keineswegs "nur theoretisch". Verfällt die Anleihe dann sogar, wenn nur eine von sechs Banken (Emittent oder eine von fünf weiteren) pleite geht, dann muss der Ausfall als wahrscheinlich eingeschätzt werden. Somit hätte die Bank das Produkt auf keinen Fall an einen Kunden mit Kenntnisstufe 'C' verkaufen dürfen. Auch im beratungsfreien Geschäft muss die Bank nach § 31 Abs. 5 WpHG eine korrekte Angemessenheitsprüfung vornehmen müssen. Das Papier war m.E. wegen der Komplexität nur angemessen für Stufe 'F'. Hier trägt die Bank eine Mitschuld.