Bambusbecher im Test

Ökobilanz von Einweg- und Mehr­wegbechern: „Häufig wieder­verwenden“

23.07.2019
Bambusbecher im Test - Die meisten setzen hohe Mengen an Schad­stoffen frei
Benedikt Kauertz empfiehlt, Kaffee mit Ruhe im Café zu genießen, für unterwegs aber im Mehr­wegbecher. © ifeu-Institut / Jonas Harth

Der eigene Mehr­wegbecher ist derzeit die umwelt­freundlichste Variante für heiße Getränke unterwegs. Benedikt Kauertz vom ifeu-Institut hat die Ökobilanzen verschiedener Becher­systeme verglichen.

Bambusbecher im Test Testergebnisse für 12 Bambusbecher 08/2019

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Inhalt

Einwegbecher landen oft auf der Straße

Kaffee für unterwegs ist beliebt. Sind Coffee-to-go-Einwegbecher ein ökologisches Problem?

Etwa 2,8 Milliarden Heiß­getränkebecher werden pro Jahr in Deutsch­land verbraucht, etwa die Hälfte davon „to go“, also auf der Straße. Ist der Becher leer, möchten ihn Konsumenten entsorgen. Oft ist aber kein Müll­eimer in der Nähe. So werden diese Einwegbecher oft in der Umwelt entsorgt. Das ist ein deutliches Problem.

Sind Einwegbecher grund­sätzlich schlecht?

Ja und nein. Gemessen an anderen umwelt­intensiven Aktivitäten wie Kohle zu verstromen, kurze Stre­cken mit dem Auto zu fahren oder häufige Fernreisen mit dem Flugzeug zu unternehmen, ist der umwelt­belastende Beitrag eines Einwegbechers nicht so relevant. Wer allerdings jeden Tag mehrere Heiß­getränke aus Einwegbechern konsumiert, sollte aus Umwelt­sicht über Alternativen nach­denken.

Kunst­stoff­deckel weglassen

Können Nutzer guten Gewissens aus Einwegbechern trinken, wenn sie den Deckel weglassen und den Becher im Papiermüll entsorgen?

Schon. Der Einwegdeckel aus Kunststoff bringt tatsäch­lich größere Umwelt­lasten mit sich als der Papp­becher selbst. Wer auf den Deckel verzichten kann, sollte es unbe­dingt tun. Ob Papiertonne, Wert­stoff­samm­lung oder Restmüll ist fast egal: Die Recycling­wahr­scheinlich­keit der Becher ist gering. Wichtig ist, ihn über­haupt in einem Abfall­behälter zu entsorgen. Damit ist schon viel gewonnen.

Ab wann lohnt es sich für die Umwelt, Mehr­wegbecher zu nutzen?

Wer täglich unterwegs Kaffee konsumiert, sollte einen eigenen Mehr­wegbecher nutzen. Ab einer Wieder­verwendungs­häufig­keit von über 50 fallen die Aufwendungen für Herstellung und Entsorgung des Bechers kaum ins Gewicht. In der Umwelt­bilanz sehen wir dann nur noch die Reinigung. Und die ist sehr abhängig vom Energiebedarf der Spül­maschine. Generell reinigen Spül­maschinen energieeffizienter, als wir das von Hand können.

Mehr­wegbecheranbietern fehlt es an durch­dachten Konzepten

Sind Mehr­wegbecher mit Pfand umwelt­freundlicher als selbst mitgebrachte?

Mehr­wegbecher mit Pfand sollten deutlich häufiger als zehn Mal wiederbefüllt werden. Doch nicht wiedergebrachte Becher und optische Mängel senken die Umlaufzahl erheblich. Die Mehr­wegbecheranbieter brauchen durch­dachte Konzepte, um eine hygie­nisch einwand­freie und für den Verbraucher akzeptable Rück­nahme- und Reinigungs­logistik zu erreichen. Da ist der vom Konsumenten mitgebrachte Becher für die Anbieter gegebenenfalls einfacher zu bedienen.

Welche Becher empfehlen Sie für den Kaffee unterwegs?

Genießen Sie Kaffee mit genügend Zeit, also am besten in einem Café. Guter Kaffee hat das verdient. Ansonsten empfehle ich einen persönlichen Mehr­wegbecher.

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