Bald in Rente Der Renten­bescheid kommt – was Sie jetzt tun müssen

16.09.2021
Bald in Rente - Der Renten­bescheid kommt – was Sie jetzt tun müssen
Der Ruhe­stand beginnt - Rente gut, alles gut. © Getty Images / Mehmet Selim Aksan

Bei der Rente geht es um viel Geld. Wichtig ist, den Renten­bescheid zu prüfen. Stimmt etwas nicht, lohnt ein Wider­spruch. Die Stiftung Warentest erklärt, wie es geht.

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Renten­bescheid legt Rentenhöhe fest

Wenn der Renten­bescheid im Brief­kasten liegt, ist der Ruhe­stand nicht mehr weit. Der Bescheid ist die Antwort der Deutschen Renten­versicherung (DRV) auf den Renten­antrag der Versicherten. In dem Schreiben steht,

  • wie hoch die gesetzliche Monats­rente sein wird,
  • welche Zeiten berück­sichtigt wurden
  • und wann die Zahlungen beginnen.

1,71 Millionen Renten­bescheide hat die DRV 2020 verschickt, 148 000 Empfängerinnen und Empfänger legten Wider­spruch gegen sie ein. Von den Wider­sprüchen konnten knapp 40 000 zugunsten der Antrag­steller geklärt werden.

Schnell kann es zu Fehlern im Renten­bescheid kommen

Die Berechnung der gesetzlichen Rente ist kompliziert und beruht auf unzäh­ligen Angaben. Schnell kann dabei etwas schief laufen. Versicherte sollten über­prüfen, ob

  • Fach­schul- oder Berufs­ausbildungs­zeiten sowie Neben­jobs während des Studiums nicht oder nicht voll­ständig erfasst wurden,
  • Zeiten von Arbeits­losig­keit oder Krankheit fehlen,
  • freiwil­lige Beiträge bei selbst­ständigen Tätig­keiten nicht berück­sichtigt sind,
  • es bei Einkommens- und Beitrags­zahlungen zu Zahlendrehern kam,
  • die Daten zu einem Versorgungs­ausgleich nach einer Scheidung eventuell nicht richtig berück­sichtigt wurden.

Wenn Versicherte mehr­mals zwischen den alten und neuen Bundes­ländern umge­zogen sind, sollten sie prüfen, ob der Renten­versicherer für die Zeiten in den neuen Ländern den korrekten Umrechnungs­faktor für die Rente berück­sichtigt hat.

Renten­bescheid – Ihre Erfahrungen sind gefragt

Haben Sie Hinweise oder Fragen zum Thema? Schreiben Sie bitte eine E-Mail an rente@stiftung-warentest.de

Den Versicherungs­verlauf prüfen

Am besten Versicherte über­prüfen ihren Versicherungs­verlauf, in dem alle rentenrelevanten Zeiten gespeichert werden, bereits einige Monate bevor sie den Rentenantrag stellen. Die Renten­versicherungs­träger schi­cken allen Versicherten ab 55 ihren Versicherungs­verlauf alle drei Jahre auto­matisch zu. Gibt es dort eine Lücke, kann sie sich bis zum Renten­bescheid „durch­ziehen“. Deshalb sollten fehlende Versicherungs­zeiten so früh wie möglich mit Nach­weisen gemeldet werden. Dies geht einfach per Kontenklärung.

Tipp. Einen Antrag auf Kontenklärung können Sie kostenlos telefo­nisch anfordern (0 800/10 00 48 00) oder bei der gesetzlichen Renten­versicherung im Internet herunter­laden. Das Formular heißt V0100 Kontenklärung).

Alle Berechnungs­grund­lagen anfordern

Die DRV hat vor drei Jahren die Bescheide vereinfacht, um sie für Laien besser lesbar zu machen. Bestimmte Berechnungs­grund­lagen, die früher als Anlage beigefügt waren, lässt sie nun weg. Ein Beispiel dafür ist die „Berechnung der Entgelt­punkte aus beitrags­freien und beitrags­geminderten Zeiten“. Entgelt­punkte sind aber entscheidend für die Rentenhöhe. Der Versicherte kann vom Renten­versicherer verlangen, dass sämtliche Anlagen dem Bescheid beigefügt werden. Der freiberufliche Rentenberater Markus Vogts rät dazu. „Ohne die Anlagen ist er nicht voll­ständig nach­prüf­bar“, meint er. „Einfachheit darf nicht auf Kosten der Trans­parenz gehen.“

So legen Renten­versicherte Wider­spruch ein

Gibt es begründete Zweifel am Renten­bescheid, etwa weil Zeiten nicht mit ange­rechnet wurden, sollten Versicherte wider­sprechen. Ein Antrag ist kostenlos und kann formlos beim zuständigen Renten­versicherungs­träger gestellt werden. Welcher das ist finden Versicherte auf ihrem Renten­bescheid. Wichtig ist es, das Aktenzeichen des Bescheids zu nennen. Die Begründung für den Wider­spruch können sie noch später nach­reichen. Versicherte sollten dies aber in ihrem ersten Schreiben gleich ankündigen. Die übliche Frist beträgt einen Monat. Versicherte, die im Ausland leben, haben bis zu drei Monaten Zeit.

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Gesetzliche Renten­versicherung prüft den Wider­spruch

Die zuständige Abteilung des Renten­versicherers prüft den Wider­spruch. Bleibt sie bei ihrer Entscheidung, über­gibt sie den Fall an den Wider­spruchs­ausschuss. Er besteht aus je einem Vertreter oder einer Vertreterin der DRV-Geschäfts­führung, der Versicherten und der Arbeit­geber. Dieser Ausschuss kann dem Wider­spruch ganz oder zum Teil statt­geben oder ihn zurück­weisen. Wird der Wider­spruch abge­lehnt, bleibt Versicherten eine Klage vor dem Sozialge­richt.

So sehen die Erfolgs­chancen aus

Von 148 000 im Jahr 2020 einge­reichten Wider­sprüchen wurden 38 000 ohne förmliches Wider­spruchs­verfahren geklärt. „In der Regel war das möglich, weil Unterlagen nachgereicht wurden“, so Dirk von der Heide, Sprecher der DRV Bund. In rund 1 100 Fällen hatten die Versicherten im förmlichen Verfahren Erfolg. Rund 79 000 Wider­sprüche wurden zurück­gewiesen. Der Rest war noch in Bearbeitung.

Problemfall Erwerbs­minderungs­rente

Gerade Erwerbsminderungsrenten werden häufig abge­lehnt. Auch hier kann ein Wider­spruch helfen. Die Renten­versicherung wird in diesem Fall eigene medizi­nische Gutachter zurate ziehen. Ist der Wider­spruch erfolg­los, bleibt eine Klage. Das Gericht bestellt in der Regel eigene Gutachter. Entscheiden diese zugunsten des Versicherten, bewil­ligt der Renten­versicherer häufig die Rente, noch bevor es zu einem Urteil kommt.

Korrektur auch wenn Wider­spruchs­frist abge­laufen ist

Wenn nach Jahren noch Fakten auftauchen, die eine Neube­rechnung der Rente lohnens­wert machen, können Versicherte dies verlangen – mit einem Über­prüfungs­antrag beim Renten­versicherer (SGB X § 44). Im Erfolgs­fall gibt es künftig – sowie maximal vier Jahre rück­wirkend – eine höhere Rente.

16.09.2021
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