Bahntickets aus dem Internet Meldung

Anstehen am Bahnschalter? Das muss nicht mehr sein. Jetzt gibts eine Alternative: Mit Surf & Rail-Tickets aus dem Internet spart der Bahnreisende nicht nur Zeit, sondern auch Geld.

Selbstbedienung auf die gemütliche Art: Wer mit der Bahn reisen will, über Computer, Internetanschluss und Drucker verfügt, ist nur ein paar Mausklicks von seiner Fahrkarte entfernt. Der Onlinekunde muss nur die Adresse www.bahn.de eingeben und der recht einfachen Benutzerführung folgen. Nach sechs Schritten auf den Internetseiten der Deutschen Bahn (DB) kann er Fahrkarte und Sitzplatzreservierung zu Hause selbst ausdrucken.

Billiger als am Schalter

Was das neue Surf&Rail-Angebot vom bisherigen Ticketverkauf (auch via Internet) unterscheidet, sind vor allem die günstigeren Preise, mit denen die DB neue Kunden in weniger ausgelastete Züge locken will. Ausprobieren lohnt: Bereits in der Testphase stehen über 100 Direktverbindungen zwischen 25 deutschen Großstädten zur Auswahl. Die speziellen Internetpreise sind je nach Entfernung in vier Preisstufen zwischen 70 und 195 Mark für die Hin- und Rückfahrt aufgeteilt. Sie liegen meist deutlich unter den normalen Tarifen. Zum Beipiel kostet die Hin- und Rückfahrkarte im ICE von Berlin nach Köln per Onlinebuchung 145 Mark. Am Bahnhof gekauft, wären 380 Mark (mit ICE-Sparpreis: 299; mit Bahncard: 190 Mark) fällig gewesen. Positiv: Im Gegensatz zu Lockangeboten anderer Reiseanbieter nennt die DB hier echte Endpreise -­ inklusive Reservierung und Zuschlägen.

Die Schwächen

Also ein tolles Angebot? Im Prinzip ja. Aber der Service hat auch Schwächen:

• Die Buchung ­- ausschließlich für die 2. Klasse ­- ist mindestens drei Tage vor der geplanten Abfahrt erforderlich (maximal 40 Tage vorher). Die Rückfahrt ist frühestens am Sonntag nach der Hinfahrt erlaubt. Einige Angebote sind aber so günstig, dass es sich lohnen kann, die Rückfahrt notfalls verfallen zu lassen und separat zu kaufen.

• Einmal gekauft, ist keine Rückgabe, kein Umtausch, keine Erstattung und keine Übertragung auf andere möglich.

• Familien mit Kindern erhalten im Internet bislang keinerlei Ermäßigung. Andere Angebote wie das Wochenendticket sind oft günstiger.

• Das Nachsehen haben auch Bahncard-Inhaber: Ihr angeblicher Halbpreispass reduziert den Preis für die Fahrkarte aus dem Internet nur um fünf Mark.

• Buchen darf nur, wer eine Kreditkarte besitzt. Der verwendete Sicherheitsstandard entsprach bei unserer Überprüfung nur dann dem Stand der Technik, wenn ein zusätzliches Plug-in im Browser installiert wurde ( erhältlich zum Beispiel unter www.hisolutions.com/hisecure/ ). Im Zug muss sich der Reisende ausweisen können, da die Tickets personengebunden sind.

Die derzeit wählbaren 25 Start- und Zielbahnhöfe sind in Deutschland höchst ungleich verteilt. Während sich das Angebot im Westen mit Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Dortmund, Bochum und Wuppertal regelrecht ballt, ist im Nordosten kein einziger Bahnhof dabei. Bahnhöfe in Brandenburg oder in Sachsen-Anhalt? Ebenfalls Fehlanzeige.

Ein breites Onlineangebot bietet die Bahn vor allem den Berlinern und ihren Gästen. Die Hauptstädter können immerhin zwischen zwölf Zielbahnhöfen wählen. Die wenigsten Wahlmöglichkeiten haben die Bochumer: Sie können im Internet nur Tickets nach Berlin buchen.

Für die Internet-Sonderpreise gibt es Kontingente. Für die Züge stehen jeweils zwischen 10 und 200 Plätze zur Verfügung. Und die sind unter Umständen schnell weg. Bei unserem Versuch, neun Tage vor Abfahrt eine Fahrkarte für einen Zug von Berlin nach Bonn zu bekommen, waren bereits vier der möglichen zwölf Termine ausgebucht. Für die Rückfahrt hatten nur noch vier von elf möglichen Zügen freie Plätze. In Zügen, die regelmäßig stark ausgelastet sind, stellt die Bahn gar keine Tickets zu Internetkonditionen bereit.

Wer früh bucht, kann auch günstige Internettickets für schnelle ICE-Züge ergattern. Unzureichend nutzt die Bahn die Chance, ihre Interregio-Züge attraktiver zu machen. Im Extremfall kann man hier sogar eine Enttäuschung erleben: Wer sich online für das Interregio-Zugpaar IR 2162/2163 Berlin­München und zurück entscheidet, zahlt 190 Mark. Regulär am Schalter kostet die Reise mit der Bahncard aber nur 183 Mark.

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