Beim Verkauf von Fahrkarten verfährt die Deutsche Bahn oft nach dem Motto „Warum billig, wenns auch teuer geht“.

Das Preissystem der Deutschen Bahn kennt bei Spontanreisenden kaum Erbarmen. Keine Bahncard? Dann wirds teuer: Für kurzfristig geplante Fahrten mit dem ICE und anderen Fernzügen kassiert die Bahn in den allermeisten Fällen ab – zum „Normalpreis“. Das Normale daran: Er ist teuer.

Auf diese Problematik stießen auch unsere Tester, als sie sich an Bahnschaltern und bei der telefonischen DB-Reiseauskunft nach Fahrkarten für unser erstes Testbeispiel (siehe Fall 1) erkundigten. Sie wollten jeweils zu zweit von Potsdam und 17 weiteren Städten zu Tagesausflügen starten. Die Zielorte lagen im Durchschnitt knapp 200 Kilometer Luftlinie entfernt. Tickets zum teuren Normalpreis, die mindestens abschnittsweise auch die Fahrt in Fernzügen erlaubten, kosteten im Mittel 195 Euro. Für nur etwa 55 Euro waren hingegen Hin- und Rückfahrt mit zwei Ländertickets in Regiozügen möglich. Mit den Fernzügen ließ sich die Reisezeit zwar durchschnittlich um ein Fünftel reduzieren, aber in Anbetracht von Ersparnissen in der Größenordnung von 140 Euro (ca. 70 Prozent) hätten die Kunden von den Alternativen erfahren müssen – und zwar auf Anhieb. Doch spontan gaben nur 7 von 25 Verkäufern diese Spartipps.

Falsche Weichenstellungen

Auch bei unseren anderen Testbeispielen stießen wir auf Defizite, die Fahrgäste teuer zu stehen kommen:

IC statt ICE: Im Beispiel der Reise Berlin–Paderborn verschwieg die Bahn vielfach die Chance, durch fünf Minuten längere Reisezeit 10 Euro sparen zu können.

Ohne Umweg: Von der Möglichkeit, zwischen Köln und Kassel auf direkterem Wege zu reisen und dadurch bis zu 53 Euro zu sparen, erfuhren die Testkunden oft erst auf eigene Nachfrage oder gar nicht.

Mit Sparpreis: Optimale Ermäßigungen – bis hin zum Mitfahrerrabatt – wären für unsere Radler (siehe Fall 3) möglich gewesen. Doch hier erwies sich die Preisberatung der Bahn mehrfach als „suboptimal“.

Mit Bahncard 25: Auch für Fahrgäste, die nur relativ selten mit dem Zug fahren, kann sich die Bahncard 25 lohnen. Deren Rabatt ist im Gegensatz zur teureren Bahncard 50 sogar mit den Ermäßigungen für Sparpreise und Mitfahrer kombinierbar. Aber: Viel zu selten wies die Bahn auf diese Chancen hin. Obwohl sich die Bahncard 25 für unsere Radlerfamilie schon bei einer einzigen Reise größtenteils bezahlt gemacht hätte, war dieser Spartipp Mangelware.

Mit Swiss-Pass: Bahnreisen in die Schweiz sind beliebt. Die Deutsche Bahn wirbt dafür („Die Schweiz ist das Land der Bahnfahrer“). Zum Beispiel bietet sie günstige Swiss-Pässe an. Das Beste für Familien: Kinder bis zu 16 Jahren fahren mit ihren Eltern und/oder Großeltern umsonst mit. Doch viele Verkäufer scheinen davon wenig gehört zu haben. So besteht die Gefahr, dass Kunden unnötig draufzahlen.

Besser ins Reisebüro?

An einem Schalter war die Bahnmitarbeiterin mit unserer Anfrage so überfordert, dass sie den Kunden ins Reisebüro schickte. Kein wirklich guter Rat: Die 15 exemplarisch besuchten Reisebüros schnitten im Test nicht besser ab als die Bahn. Aber immerhin: Die Mitarbeiter erkundigten sich mitunter am Anfang der Beratung, ob die Kunden besonders preisgünstig reisen wollen. Dieses gezielte Erfragen der Kundenwünsche, das von Reisebürocomputern unterstützt wird, ist in jedem Fall sehr positiv.

Oder zum Automaten?

Internet und Automaten werden beim Fahrkartenkauf immer wichtiger. Ein Grund dafür sind vielerorts geschlossene Bahnschalter. Ein anderer: Die Bahn hat den Service ihrer elektronischen Medien im Laufe der Zeit verbessert. So waren zum Beispiel die Wartezeiten an den Fahrkartenautomaten im Test so kurz, dass wir dafür die Note „sehr gut“ vergeben konnten. Bei den Reisebeispielen Berlin–Paderborn und Köln–Kassel schnitten die stählernen Helfer sogar besser ab als mancher Berater.

Andererseits versagten die Automaten ihre Dienste beim Buchen der Tickets für die Fahrradreisen. Auch im Internet gelang das nicht. Unsere Radler erhielten unter www.bahn.de zwar gute Informationen, aber sie scheiterten beim Versuch, die speziellen Fahrradkarten zu kaufen.

Ein Ärgernis sind die von der DB gewählten Voreinstellungen im Internet: „Standardsuche“ und „schnelle Verbindungen bevorzugen“. Diese Einstellungen klingen harmlos, verschweigen aber oft preisgünstige Verbindungen mit dem IC oder Regionalzug, die nur etwas länger dauern. Um von Sparmöglichkeiten zu erfahren, sollte man deshalb auch Verbindungen „ohne ICE“ suchen oder sogar „nur Nahverkehr“ wählen.

Software mit Fehler

Auf eine böse Falle stießen wir beim Test der Reise in die Schweiz. Obwohl ein 15-Jähriger hier laut Werbung gratis mitfahren dürfte, wurde für ihn nicht nur von vielen Verkäufern, sondern auch im Internet und am Automaten kräftig abkassiert. Ursache ist offensichtlich die Software, die diese Gratisfahrt trotz korrekter Dateneingabe automatisch verhinderte.

Fazit: Die DB-Preisberatung ist seit unserem Test vor zwei Jahren nicht besser geworden. Damals wie heute lautet das test-Qualitätsurteil „ausreichend (3,7)“. Gründe für das bescheidene Ergebnis: ein kompliziertes, teilweise wenig kundenfreundliches Preissystem, unzureichende Technik, eine Verkaufsstrategie, die im Zweifel oft lieber abkassiert als fair über Alternativen zu informieren. Und ein Management, das diese Missstände seit Jahren nicht beseitigt und sich lieber dem Börsengang widmet.

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