Bahnpreise Test

Die Bahn will neue Kunden gewinnen: Ab und zu verkauft sie dafür billige Tickets bei Discountern wie Lidl, McDonalds oder Tchibo. Doch wer einmal Geschmack gefunden hat an umweltfreundlichen Zugfahrten, wird oft wieder durch teure Preise vergrault: Sparmöglichkeiten verschweigen die Berater am Schalter gern. test.de gibt Tipps, wie Sie trotzdem günstig ans Ziel kommen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Bahnpreise

Nachfragen lohnt

125 Mal hatten Bahnmitarbeiter im diesjährigen Test die Chance, ihre Fähigkeiten als Berater zu beweisen - am Schalter in großen und mittelgroßen Städten sowie am Telefon. Erschreckendes Ergebnis: In den meisten Beratungsgesprächen boten die Verkäufer nicht auf Anhieb den günstigsten Tarif für die Teststrecke an. In manchen Fällen besserten sie auf beharrliche Nachfrage nach. Doch unterm Strich wären die meisten Reisenden mit dieser Beratung teurer als nötig gefahren. Darum ist die Preisberatung der Bahn insgesamt nur „ausreichend“.

IC statt ICE

Hintergrund: Wo es geht, versucht die Bahn Tickets für ihren teuren ICE zu verkaufen. Im Internet ist die Verbindungssuche standardmäßig auf „schnelle Verbindungen bevorzugen“ eingestellt. Und auch am Schalter geben die Berater oft zu allererst Schnellzüge an. Beispiel die Strecke Berlin - Paderborn: Hier empfahlen fast alle Verkäufer zunächst nur den teuren ICE bis Hannover. Dass auch ein IC für 10 Euro weniger fährt, verschwiegen sie. Der Hochgeschwindigkeitszug ist zwar schneller in Hannover, doch die anschließende S-Bahn nach Paderborn wartet dort auf den IC. Am Ende sitzen Reisende aus ICE und IC zusammen in der gleichen S-Bahn. Unterm Strich sparen ICE-Reisende bei der rund vierstündigen Fahrt nur fünf Minuten.

Günstige Ländertickets

Noch deutlicher ist der Unterschied, wenn Regionalzüge den ICE ersetzen. Auf mittleren Strecken sind sie dank der Ländertickets oft nur halb so teuer wie Schnellzüge. Beispiel Tagesausflug von Potsdam nach Bad Sulza in Thüringen und zurück: Mit dem ICE zahlen zwei Personen den Normalpreis von 164 Euro. Kombinieren sie jedoch geschickt die Ländertickets für Brandenburg und Sachsen-Anhalt - dieses gilt auch in Sachsen und Thüringen - kostet die Fahrt in Regionalzügen nur 52 Euro. 112 Euro Ersparnis bei rund 20 Minuten längerer Fahrzeit je Strecke. Auf derartige Spartipps kamen spontan aber nur 7 von 25 Reiseberatern. Motto: Warum billig, wenns auch teuer geht?

Preiswert in die Schweiz

Auch auf Reisen über deutsche Landesgrenzen hinaus kennen sich Bahn-Berater nicht optimal aus. Dabei sind Bahnfahrten in die Schweiz besonders beliebt. Und obendrein wirbt die Bahn auch noch für preiswerte Angebote. Auf die Kombination aus Bahncard und günstigem Swiss-Pass, bei dem Kinder bis 16 Jahre kostenlos mitfahren, verwies jedoch nur jeder fünfte Verkäufer. Die meisten wollten für den eigentlich gratis mitreisenden Sohn abkassieren. Auch unter www.bahn.de sowie am Automaten sollte der Jugendliche bezahlen. Hier verhinderte offensichtlich ein Fehler in der Software die Gratisfahrt.

Maschine statt Mensch

An vielen Bahnhöfen hat die Bahn menschliche Berater mittlerweile durch Fahrkartenautomaten ersetzt. Die sind zwar unpersönlich. Doch in der Beratungsqualität nicht immer schlechter als der Mensch. Zumindest zeigen sie wenn möglich IC-Verbindungen als Alternative zum teuren ICE an. Für die Wartezeit bekamen die Automaten sogar das einzige „Sehr gut“ im ganzen Test. Wollten die Reisenden allerdings Fahrräder im Fernzug mitnehmen, versagten die stählernen Helfer - genauso wie die Internetseite der Deutschen Bahn.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2612 Nutzer finden das hilfreich.