Bahnpreise Meldung

Lust auf eine Sommerreise oder einen Ausflug mit der Bahn? Dann Vorsicht vor den Tücken des Tarifsystems. Wir zeigen, wie Sie preiswert zum Zuge kommen.

Manchmal belohnt die Deutsche Bahn sogar die Zuspätgekommenen. Für Christine J., die am Freitagnachmittag vor dem langen Pfingstwochenende von Berlin nach Hannover reisen wollte, hieß es schon elf Tage vorher „Pech gehabt“: Statt der gesuchten Billigtickets bot der Buchungs-computer nur noch Fahrkarten zu Preisen von 50 oder sogar 61 Euro an. Das war ihr zu teuer. Doch dann das Wunder vor Pfingsten: Drei Tage vor Reisebeginn fand sie für einen einzelnen IC-Zug doch noch einen „Dauer-Spezial-Preis“ für 39 Euro.

Diese Fahrkarten sind der Werbehit der Deutschen Bahn (DB): „Das DauerSpezial ab 29 Euro“ soll Reisen „dauerhaft günstig durch ganz Deutschland“ ermöglichen. „Für alle, die nichts zu verschenken haben“, präsentiert Dieter Bohlen die Tickets in Fernsehspots. Die Werbung ist vollmundig und der Frust bei manchem Kunden programmiert. Erstens gelten die Preise nur für eine Tour, und die Rückfahrt kostet extra. Zweitens ist das Angebot günstiger „Dauer“-Spezial-Tickets zu den Hauptreisezeiten knapp. Und drittens werden die Fahrkarten am Reisetag und an beiden Tagen vorher gar nicht mehr verkauft. Obendrein muss man sich bei der Buchung auf bestimmte Züge festlegen (Zugbindung).

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Stichprobenartig haben wir für fünf Bahnstrecken (Berlin – Hannover, München – Hamburg, Frankfurt/Main – Freiburg, Köln – Hamburg, Berlin – Siegen) recherchiert, wie das Ticketangebot für Reisen an Freitagen (29. Mai bis 19. Juni 2009) aussieht – an Hauptreisetagen also, an denen sich Dienstreisende, Pendler, Wochenendurlauber und viele andere die Plätze streitig machen. Ergebnis: Die Sparmöglichkeiten waren begrenzt. Schon jeweils 60 Tage vorher be­kamen wir nur noch für jede siebte von 400 Verbindungen (Abreise zwischen 8 und 18 Uhr) ein Angebot für den erhofften 29-Euro-Spezialpreis; auf den langen Strecken München – Hamburg und Berlin – Siegen war er dann gar nicht mehr verfügbar.

Aus gutem Grund wirbt die Bahn deshalb damit, dass ihre Spezialtickets „ab“ 29 Euro erhältlich seien. Die Preisspanne reicht von den beworbenen 29 Euro stufenweise bis 69 Euro, in der 1. Klasse von 49 bis 109 Euro .

Für die Werbebotschaft „Dauerhaft günstig“ gilt im Kleingedruckten die Einschränkung: „solange der Vorrat reicht“. In Spitzenzeiten sind selbst die relativ teuren Spezialpreistickets nicht selten ausverkauft. Beispiel: Am Freitag vor Pfingsten gab es auf der Rennstrecke München – Hamburg tagsüber für viele Züge nur noch 109-Euro-Tickets – und selbst diese letztendlich nur noch für 4 von 17 Verbindungen.

Zu anderen Zeiten und auf anderen Strecken ist die Situation entspannter. So waren zum Beispiel für Fahrten von Frankfurt/Main nach Freiburg sogar an Freitagen in vier von fünf Zügen Spezialpreise bis zuletzt im Angebot, die billigeres Reisen als zum 2.-Klasse-Normalpreis ermöglichten.

Durch Kauf der jeweils billigsten Dauer-Spezial-Tickets ließen sich im Vergleich zum Normalpreis in der 2. Klasse gelegentlich mehr als 50 Prozent sparen, meistens lagen die Rabatte aber zwischen 10 und 40 Prozent. Das zeigte sich bei unseren Bu­chungsversu­chen mit 3 bis 60 Tagen Vorlauf im Hinblick auf alle 20 ausgewählten One-Way-Reisen (fünf Strecken an vier Freitagen, Start zwischen 8 und 18 Uhr).

Billigtickets gegen überfüllte Züge

Klar ist, dass die DB die Spezialpreistickets nicht anbietet, um Kunden wie Dieter Bohlen auf Dauer zum Billigpreis quer durch Deutschland zu chauffieren. Tatsächlich erfüllen diese Fahrkarten eine wichtigere Aufgabe: Sie sollen ein Chaos zu den Hauptreisezeiten verhindern. Die Kunden sollen dann nicht alle in dieselben vollen Züge drängen. Denn in überfüllten Bahnen macht das Reisen keinen Spaß. Schlimmstenfalls kann das Gedränge an den Türen sogar den Betriebsablauf gefährden.

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Die Bahnmanager wollen dem Problem marktwirtschaftlich vorbeugen: Billige Fahr­preise sollen möglichst viele Kunden gezielt in weniger stark nachgefragte Züge locken, um die anderen zu entlasten. Unsere Recherche zeigt, wie diese Strategie funktioniert: Stichprobenhaft haben wir die Sparmöglichkeiten am Vormittag und am Nachmittag verglichen (siehe Grafik). Freitags zwischen 13 und 18 Uhr, wenn sehr viele Kunden losfahren möchten, sind die Sparchancen eher schlecht. Oft ließen sich die Rabatte um 10 bis 25 Prozentpunkte erhöhen, wenn man den Starttermin auf die Zeit zwischen 8 und 13 Uhr vorverlegte .

Tipp: Versuchen Sie bei Ihrer Reiseplanung, die Hauptverkehrszeiten zu umgehen. Wenn Sie die Fahrt nur wenige Stunden früher oder später antreten, ermöglicht das oft eine deutliche Ersparnis.

Doch selbst denjenigen, die partout am Freitagnachmittag reisen müssen, bieten sich durchaus Chancen auf etwas günstigere Fahrkarten. Man muss sie nur finden.

Tipp: Unter www.bahn.de können Sie die Billigtickets mit wenigen Klicks aufspüren. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass die Bahn Ihnen tatsächlich alle Varianten nennt, sollten Sie zusätzlich noch eine Suche mit Verkehrsmittelwahl „Alle außer ICE“ und „Nur Nahverkehr“ starten. Manche attraktive IC- und Regio-Verbindung wird erst dann sichtbar.

Die Aussicht auf echte Schnäppchen verbessert sich, wenn man die Hauptreisetage konsequent meidet und obendrein besonders früh oder spät fährt. Dann steigen zum Beispiel die Chancen auf 29-Euro-Spezialpreise. Laut Auskunft der Bahn wurde im vergangenen Jahr von den insgesamt rund 8 Millionen Dauer-Spezial-Tickets fast die Hälfte zum Niedrigstpreis verkauft.

Tipp: Mit einem verlängerten Wochenen­de können Sie nicht nur den Erholungseffekt verbessern, sondern auch die Reisekasse entlasten. Wer schon am Donnerstagabend startet oder erst am Montag zurückkommt, spart häufig erheblich.

Beim Buchen von Hin- und Rückfahrt bietet oft nicht das vielbeworbene DauerSpezial die besten Sparmöglichkeiten, sondern der Sparpreis 50. Er war bei unserer Recherche auf der Strecke Berlin – Hannover das günstigste Angebot. Eine Voraussetzung für die 50-prozentige Ermäßigung ist, dass zwischen Hin- und Rückreise die Nacht von Sonnabend auf Sonntag liegt. Ausnahme: Samstags und sonntags darf man am selben Tag hin- und zurückfahren.

Tipp: Kombinieren Sie Sparpreise mit Bahncard- und Mitfahrerrabatten (siehe Tipps).

Separate Buchung kann auch sparen

Im Ausnahmefall ist es allerdings geschickter, Hin- und Rückfahrt getrennt zu buchen. Zum Beispiel wenn die dreitägige Frühbucherfrist für die Hinfahrt schon abgelaufen ist, für die Rückfahrt aber noch nicht. Der Spezialpreis für diese Rückfahrt lässt sich dann bei separater Buchung ergattern. Ansonsten kassiert der Bahncomputer automatisch auch hier den teuren Normalpreis. Eine separate Buchung kann auch helfen, wenn es für die Hinfahrt nur noch Sparangebote in der 1. Klasse gibt, aber die Rückfahrt alternativ auch mit 2.-Klasse-Spezialticket möglich wäre.

Bei unseren Recherchen hat uns der DB-Computer übrigens relativ häufig auf die 1.  Klasse verwiesen. Auf der Strecke München – Hamburg waren diese Angebote zeitweise sogar vorherrschend. Vor allem wenn üblicherweise nur wenige Geschäftsreisende unterwegs sind, versucht die DB gern, die freien Plätze dort mithilfe von Spezial- oder Sparpreisen zu bevölkern.

Kontingente für Schnäppchenjäger

Die Billigpreiskontingente ermitteln die Bahner für jeden Zug separat für die 1. und die 2. Klasse – und zwar abschnittsweise über den gesamten Laufweg des Zuges. Dabei wird jeweils vorab eine Prognose erstellt, wie viele Plätze von Normalzahlern und Kunden mit Bahncard, Netzkarte oder Ähnlichem besetzt werden. Alle übrigen Plätze bilden dann nach DB-Angaben das Kontingent für Billigtickets. Allerdings kommen dabei zunächst größere Gruppen zum Zuge, die ihre Reisewünsche schon viele Monate im Voraus anmelden dürfen.

Tipp: Das Kontingent für Spar- und Dauer-Spezial-Tickets ist 91 Tage vor dem Reisebeginn buchbar – und zwar normalerweise ab Mitternacht. Deshalb: Suchen Sie nach Schnäppchen, sobald Ihre Reisewünsche feststehen. Je früher, desto besser.

Die Bahn aktualisiert ihre Prognosen

Dennoch kann denjenigen Enttäuschung drohen, die sich für null Uhr am ersten Buchungstag den Wecker stellen. Denn nicht immer führen die Buchungsversu­che am Computer zu den niedrigsten Preisen. Mögliche Gründe sind vorsichtige Prognosen der Bahner, die abschnittsweise mit zu vielen „normalen“ Kunden rechnen. Auch früher gebuchte Großgruppen können Billigangebote weggeschnappt haben.

In den Wochen vor dem Start aktualisiert die Deutsche Bahn ihre Prognosen und gibt stornierte Tickets, auch von Gruppen, wieder für den Verkauf frei. So kann es kommen, dass die Bahn auch wieder einmal Nachzügler wie Christine J. belohnt.

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