Mitte Dezember will die Deutsche Bahn erneut viele Fahrpreise erhöhen.

Einerseits profitiert die Deutsche Bahn (DB) von steigenden Energiepreisen: Je teurer das Benzin für die Autos und je höher die Treibstoffzu­schläge vieler Fluggesellschaften, desto mehr Menschen steigen in die Züge. Andererseits leidet die DB unter teurem Strom und Diesel. Die gestiegenen Energiekosten ihrer Züge schlagen in der Bilanz zwangsläufig zu Buche.

Was tun die Bahnmanager? Trotz gestiegener Auslastung wollen sie die Fahrpreise mit Hinweis auf Öl und Strom ab 11. Dezember erhöhen. Zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren. Diesmal durchschnittlich um 2,9 Prozent:
Vieles teurer: Geplant sind Erhöhungen im Fern- und Nahverkehr, bei vielen Zeitkarten und bei den Bahncards. Besonders deutlich verteuern sich 1.-Klasse-Tickets.

Auf Langstrecken mehr: Überproportional sollen die Preise in Fernverkehrszügen steigen. Wer nur eine ganz kurze Strecke mit ICE oder IC zurücklegt, zahlt künftig dafür mitunter etwas weniger.

Maximalpreis: Die Obergrenze für 2.-­Klasse-Tickets steigt von 111 auf 115 Euro (plus 3,6 Prozent). Dies gilt zum Beispiel für die Strecke Hamburg–München.

Kein Mitfahrerrabatt: Bislang profitieren Bahncardinhaber vom Mitfahrerrabatt. Jeder Begleiter reist zum halben Preis. Diese Ermäßigung will die DB ab 11. Dezember für normale Tickets streichen.

Einschränkungen beim Mitfahrerrabatt

Die – seit einem Jahr geplanten – Einschränkungen beim Mitfahrerrabatt treffen auch Familien. Kinder bis 14 Jahre dürfen zwar weiterhin kostenlos mitreisen (sofern sie auf der Fahrkarte eingetragen sind), doch bei Erwachsenen sowie den älteren Jugendlichen will die DB stärker abkassieren. Im Extremfall zahlt eine Kleingruppe von fünf Personen (siehe Tabelle) mit Bahncard 25 stolze 75 Prozent mehr und mit Bahncard 50 sogar fast 90 Prozent mehr. Für die ICE-Reise Hamburg–Berlin–Hamburg wären dann 435 oder 522 Euro zu zahlen. Zum Vergleich: In einem Auto von DB-Carsharing kostet die Fahrt zu einem 48-stündigen Berlinausflug nur etwa 180 Euro!

Chance Sparticket

Paare, Familien und Kleingruppen haben künftig oft nur eine Chance für günstiges Bahnfahren: mit dem Sparpreis-Ticket. Hier sind Rabatte für Bahncard 25 (25 Prozent), Mitfahrer (50 Prozent) und Frühbuchung (25 oder 50 Prozent) auch künftig optimal mitein­ander kombinierbar. Der Preis für den Berlinausflug der Fünfergruppe lässt sich so auf 130,50 Euro senken. Nachteile: Sparpreis-Tickets gibts nur für Hin- und Rückfahrt. Den optimalen Rabatt von 50 Prozent erhält man nur bei Tagesausflügen am Wochenende oder wenn zwischen Hin- und Rückfahrt die Nacht von Samstag auf Sonntag liegt. Außerdem ist für die Reise zumindest abschnittsweise ein Fernzug zu nutzen.

Das größte Problem ist die Kontingentierung der Sparpreis-Tickets. Während der Hauptreisezeit sind sie in beliebten Zügen Mangelware oder gar nicht erhältlich. Pech für Familien, die aufs Reisen am Freitag- oder Sonntagnachmittag oder zu Beginn der Schulferien angewiesen sind.

Die Chancen, solche Fahrkarten zu ergattern, werden in Zukunft noch sinken. Mangels attraktiver Alternativen dürfte die Nachfrage kräftig steigen. Mit ihrem chaotischen Preissystem provo­ziert die Bahn sogar, dass Kunden für einfa­che Fahrten ein Sparpreis-Ticket für hin und zurück kaufen und die nicht benötigte Rückfahrt einfach verfallen lassen. Auf der Strecke Hamburg–Berlin steht dem Sparpreis von 130,50 Euro (hin und zurück) in unserem Beispiel der Preis für ein normales One-Way-Ticket für 217,50 Euro gegenüber. Falls die Sparpreise für die 2. Klasse ausge­bucht sind, kann sich da sogar der Umstieg in die 1. Klasse lohnen. Ärgerlich: Das DB-Computersystem hilft oft völlig unzureichend bei der Schnäppchenjagd. Viele billige Reisemöglichkeiten lassen sich nur mit Mühe entdecken.

Tipp: Wenn Sparpreise im ICE ausgebucht sind, kann die Suche nach Verbindungen ohne ICE erfolgreich sein. Forschen Sie auch nach freien Kontingenten zu verkehrsschwachen Zeiten. Fragen Sie nach Angeboten in der 1. Klasse.

Fernzüge meiden

Auf vielen Strecken kommen Reisende am billigsten ans Ziel, wenn sie Fernzüge meiden und stattdessen in Regionalbahnen steigen. Oft bieten diese Züge guten Komfort und kurze Fahrzeiten. Sparen lässt sich vor allem mit den Schönes-Wochenende- und Ländertickets. Die Bahn verteuert zwar auch einige dieser Fahrkarten, aber zum Teil verbessert sie das Angebot: Alle Ländertickets gelten künftig auch am Sonnabend oder Sonntag. Eine Fahrkarte (bis zu fünf Personen) lässt sich für Hin- und Rückfahrt nutzen. Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg und NRW bieten außerdem preiswerte Versionen für Alleinreisende an.

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