Es gibt sie, die preiswerten Reisen mit der Bahn. Wer sich auskennt, findet die Billigtickets schneller. Hier die Tipps und Tricks.

Schönes Wetter für den morgigen Tag, lautet die Prognose. „Prima“, denkt sich Sabine aus Hannover, „dann mache ich einen Ausflug zum Hamburger Hafen“. Unter www.bahn.de sucht sie nach Zügen. Und findet auf Anhieb nur Verbindungen zu stolzen Preisen: 72 Euro im ICE oder 62 Euro im IC. Das ist Sabine viel zu teuer. Sie sucht nach Alternativen und findet sie, als sie die Voreinstellung „Standardsuche“ ändert und Fernzüge von der Suche ausschließt. Jetzt zeigt der Computer auch andere Verbindungen – mit längerer Fahrzeit – für 51,20 Euro. Die Reiseauskunft verschweigt hier jedoch die wichtigste Botschaft: Der Tagesausflug ist in diesen Zügen auch mit einem Niedersachsen-Ticket für nur 17 Euro möglich.

Sabines Schwierigkeiten sind kein Einzelfall. Dass die Bahnkunden von den preisgünstigsten Reisemöglichkeiten auf Anhieb oft nichts erfahren, sondern allenfalls auf Nachfrage oder beim Nachlesen, stellten wir schon bei unserem letzten Test von Bahnpreisen fest.

„Normalpreis“ ist oft teuer

Einige Reisebeispiele haben wir jetzt bei der DB-Zugauskunft im Internet erneut ausprobiert (siehe Tabelle „Suchen lohnt...“) und hohe Rabattmöglichkeiten gefunden. Das ist erfreulich, zeigt bei genauem Hinsehen aber auch mehrere Probleme:

  • Reisen im Fernverkehr zum „Normalpreis“, wie die Bahn es nennt, ist häufig recht teuer – nicht zuletzt wegen der jüngsten Preiserhöhungen.
  • Die Informationen über billige Alternativen sind oft unzureichend.
  • Günstige Sparpreise sind nur begrenzt verfügbar und bei spontanem Reisen gar nicht.
  • Wollen mehrere Personen gemeinsam ICE oder IC fahren, ist es für sie besonders schwierig, billige Fahrkarten zu finden.

Wer günstig im Fernzug reisen möchte, hat normalerweise nur eine Chance: Er muss ein Sparpreis-Ticket mit Frühbucherrabatt ergattern. Damit lassen sich bei Hin- und Rückfahrt 25 Prozent des Normalpreises sparen. Liegt zwischen Hin- und Rückfahrt eine Nacht von Sonnabend auf Sonntag oder ist ein Tagesausflug am Wochenende geplant, kann der Rabatt sogar auf 50 Prozent steigen.

Tipp: In Kombination mit dem Sparpreis gibt es nach wie vor zusätzlich den Mitfahrerrabatt: Begleitpersonen fahren zum halben Preis. Nutzen Sie diese Chance.

Ärgerlich ist, dass die DB-Reiseauskunft im Internet bei der Sparpreissuche mitunter unzureichende Hilfestellung leistet. Die voreingestellte Standard-Suchfunktion verschweigt manche Zugverbindungen, die als Alternative infrage kämen. Sind für den ersten Reisewunsch keine Sparpreise mehr verfügbar, informiert das System nicht immer vollständig dar­über, für welche Reisealternativen es noch Billigtickets gibt.

Tipp: Wenn Sparpreise angeblich „nicht verfügbar“ sind, nicht gleich resignieren. Versuchen Sie es mit anderen Zeiten, anderen Reisewegen und mit anderen Zügen. Entfernen Sie zum Beispiel den Haken bei „schnelle Verbindungen bevorzugen“. Mitunter hilft es auch, für eine Teilstrecke „nur Nahverkehr“ zu wählen.

Sind die Sparpreistickets in der zweiten Klasse tatsächlich ausgebucht, gibt es eine Alternative in der ersten Klasse.

Tipp: Vor allem fürs Wochenende sind Sparpreise dort oft relativ leicht erhältlich. Die erste Klasse ist zwar teurer, aber der Sparpreis-Rabatt und der damit verknüpfte Mitfahrerrabatt drücken die Preise so stark, dass sich im günstigsten Fall bis zu 53 Prozent sparen lassen.

Dieser Spareffekt gilt bei Ausverkauf aller Zweite-Klasse-Sparpreise. Doch selbst wenn Sparpreis-25-Tickets (25 Prozent Rabatt) erhältlich sind, kann ein Sparpreis 50 in der ersten Klasse eine gute Alternative sein: Für einen geringen Aufpreis gibt es immerhin erstklassigen Komfort.

Kurioserweise können Kleingruppen sogar Geld sparen, indem sie eine Fahrkarte verfallen lassen – und zwar dann, wenn sie nur ein Ticket für die einfache Fahrt brauchen und deshalb keine Chance auf den Mitfahrerrabatt haben:

Tipp: Statt einfachem One-Way-Ticket eine Rückfahrkarte mit Sparpreis-50-Rabatt kaufen. Dadurch retten Sie auch den Mitfahrerrabatt und sparen unterm Strich 25 bis 40 Prozent, selbst wenn Sie die Rückfahrt verfallen lassen (siehe Tabelle „Suchen lohnt...“).

Unfair behandeln die Bahnmanager ihre Stammkunden mit Bahncard 50. Deren Mitfahrerrabatt wurde gestrichen. Im Gegensatz zur Bahncard 25 ist hier die Kombination mit den Sparpreisen nicht erlaubt. Ärgerliche Konsequenz: Immer öfter erleben Inhaber einer teuren Bahncard 50, dass sie mit einer billigen Bahncard 25 und mit anderen Fahrkarten viel preiswerter reisen könnten.

Diese Ungerechtigkeit ließe sich leicht beseitigen: Die Deutsche-Bahn-Manager müssten nur zulassen, dass die Bahncard 50 in Kombination mit Sparpreisen wie eine Bahncard 25 funktioniert.

Andere gravierende Preisprobleme sind grundsätzlicher Art: Während die Bahnen mit Mineralöl- und Ökosteuer belastet werden, zahlen die konkurrierenden Billigflieger bislang keine Kerosinsteuer. Außerdem entfällt bei Auslandsflügen die Mehrwertsteuer, die Bahnkunden beim Kauf von Fahrkarten – bis zur Grenze – bezahlen müssen.

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