Bahncards gelten als Trümpfe fürs preisgünstige Reisen. Doch nicht immer stechen sie optimal. Wir zeigen, wie Sie mit und ohne Bahncard an die besten Karten kommen.

Ende 2002 blickte die Deutsche Bahn optimistisch in die Zukunft: Fünf Millionen Bahncard-Kunden wollte sie nach Ablauf eines Jahres haben. Damals besaßen bereits rund drei Millionen Fahrgäste eine solche Karte. Ein Jahr später, nach der gescheiterten Tarifreform, die Ernüchterung: Die Zahl der Bahncard-Kunden war auf knapp 2,7 Millionen gesunken. Inzwischen sind es wieder 2,9 Millionen – ein bescheidener Erfolg.

Obwohl die Deutsche Bahn mittlerweile drei verschiedene Bahncards anbietet, hält sich das Interesse der Kunden in Grenzen. Ein Grund: Immer öfter stellen Bahncard-Inhaber fest, dass sie mit anderen Angeboten der Bahn billiger fahren. Viele Kunden verzichten daher auf die zum Teil recht teuren Bahncards.

Ab Oktober hätten sie fast noch mehr an Wert verloren: Die Deutsche Bahn (DB) plante, die Kombinierbarkeit der Bahncard 25 mit anderen Rabatten abzuschaffen. Kunden hätten dann nicht mehr gleichzeitig von drei Rabatten profitieren können – Bahncard-, Sparpreis- und Mitfahrerermäßigung. Für sie wäre ein Verlust dieser Kombinationsmöglichkeiten schmerzlich gewesen. Erfreulich: Die Bahn hat eingelenkt und will dieses Rabattsystem nun doch nicht ändern.

Sparpreise nutzen

Auch die Bahn profitiert davon, wenn Bahncard-Inhaber Sparpreise nutzen: Diese Tickets sind kontingentiert. Das heißt, in wenig ausgelasteten Zügen stellt sie viele Plätze zur Verfügung, in beliebten Verbindungen wenige oder gar keine. Flexible Kunden will sie so in verkehrsschwache Zeiten umlenken. Die Abschaffung der Kombinationsmöglichkeiten hätte den Kunden mit Bahncard 25 den Anreiz genommen, ihre Reisen so zu planen.

Und aufs Planen kommt es bei den Sparpreisen an. So muss der Reisende sein Ticket wegen des beschränkten Kontingents möglichst schon lange im Voraus kaufen; kurzfristig (weniger als drei Tage vor Abfahrt) ist es gar nicht mehr erhältlich. Und er muss sich verbindlich auf ganz bestimmte Züge festlegen (mindestens ein Fernzug). Spätere Änderungen kosten ab 15 Euro aufwärts. Zudem gibts Sparpreise nur für Hin- und Rückfahrt.

Sparpreis 25 Am Ende lassen sich so 25 Prozent vom Normalpreis sparen.

Sparpreis 50 Liegt die Nacht von Sonnabend auf Sonntag zwischen Hin- und Rückfahrt, sind es 50 Prozent. Der Sparpreis 50 gilt aber auch für einen Tagesausflug am Wochenende.

Bahncard 25 plus Sparpreis plus eventuell noch Mitfahrerrabatt ergeben zusammen eine satte Ersparnis: Bis zu 81 Prozent sind möglich.

Andere Schnäppchen

Doch auch ohne Bahncard lässt sich mit anderen Offerten oft viel (mehr) sparen:

Surf&Rail: Per Mausklick Mit diesen Niedrigpreisen will die DB Kunden in leere Züge locken. Jeden Montag ab 17 Uhr bietet sie zehn deutschlandweite Verbindungen an, allerdings nur im Internet. Gebucht werden kann bis zum darauf folgenden Montag, aber nur solange der Vorrat reicht. Mit Surf&Rail kommt man oft billiger ans Ziel als mit der Bahncard. Hin- und Rückfahrt kosten insge­samt nur 50 Euro. Mitfahrer zahlen die Hälfte. Tipp: Kurzentschlossene sind hier richtig. Wenn das Angebot nicht ganz der persönlichen Reiseroute entspricht, lässt sich tricksen: Früheres Aus- oder späteres Zusteigen sind erlaubt.

Sparnight: Billig durch die Nacht Auch für ihre Nachtzüge bietet die DB kontingentierte Fahrkarten an. Bei der Sparnight kostet eine einfache Fahrt im Sitz- oder Ruhesessel 29 Euro. Liegewagenplätze gibt es ab 39 Euro, Schlafwagenplätze ab 59 Euro. Mitfahrer bekommen hier keinen Rabatt. Tipp: Auf vielen Strecken (auch ins Ausland) hat sich das Angebot an Nachtzügen verbessert. Mit der Sparnight gibts eine echte Alternative zum Billigflug. Frühzeitige Buchungen (bis sechs Monate im Voraus) sind hier möglich.

Ländertickets: Für Tagesausflüge Für Reisen in der Region bietet die Bahn neun verschiedene Ländertickets für 21 bis 25 Euro an. Bis zu fünf Personen können einen Tag lang die Nahverkehrszüge der Region nutzen. Einige Ländertickets gelten grenzüberschreitend in mehreren Bundesländern, zum Beispiel in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern oder in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Niedersachsen und Bayern bieten das Länderticket auch für Einzelreisende an. Dann kostet es 15 Euro. Tipp: Ländertickets sind von Montag bis Freitag oft die günstigsten Angebote. Die Karten gelten aber erst ab 9 Uhr (an Feiertagen in der Woche schon ab 0 Uhr).

Schönes-Wochenende-Ticket: Klas­si­ker Der Top-Tipp für Ausflüge am Sonnabend oder Sonntag ist das Schöne-Wochenende-Ticket für 30 Euro (am Automaten und im Internet: 28 Euro). Es ist nicht regional begrenzt, gilt aber nur in Nahverkehrszügen und Verkehrsverbünden. Reisende können damit zwischen 0 Uhr und 3 Uhr am Folgetag Bahn fahren. Bei längeren Reisen machen häufiges Umsteigen und lange Wartezeiten das Ticket allerdings unattraktiv. Tipp: Bei der Reiseplanung hilft die Internetseite www.bahn.de. Wer schnell reisen möchte, kann zwischendurch auch Fernzüge nutzen, die allerdings extra kosten.

Mitfahrerrabatt: Gemeinsam sparen Bei kleinen Gruppen von zwei bis fünf Personen zahlt einer den vollen (oder den ermäßigten Bahncard-) Preis und die Mitfahrer kommen fast immer zum halben Preis mit, sogar bei einfachen Fahrten. Wurde ein Sparpreis gebucht, zahlen die Mitfahrer auch davon nur die Hälfte. Zusätzlich ist der Mitfahrerrabatt mit der Bahncard 25 kombinierbar. Tipp: Wer in Gruppen mit mindestens sechs Erwachsenen unterwegs ist, kann das Gruppe&Spar-Angebot nutzen. Bei rechtzeitiger Buchung und Festlegung auf eine bestimmte Verbindung können so 50 bis 70 Prozent gespart werden.

Kinder: Kostenlos Dabei Auch wenn die Eltern oder Großeltern keine Bahncard-Inhaber sind, können ihre Kinder und Enkel bis 14 Jahre fast immer kostenlos mitfahren. Tipp: Kinder immer schon beim Ticketkauf auf der Fahrkarte eintragen lassen.

Flexibel mit Bahncards

Schnäppchen wie das Surf&Rail- oder das Sparnight-Ticket sind zwar recht attraktiv, bei genauem Hinsehen findet man allerdings Haken: Ändert der Reisende seine Pläne oder verpasst er den Zug, bekommt er kein Geld zurück. Wer flexibel, bequem und unkompliziert reisen möchte, sollte über den Kauf einer der drei Bahncards (25, 50 oder 100) nachdenken. Bahncard-Inhaber können unabhängig von begrenzten Kontingenten und der Zug- oder Wochenendbindung immer mit 25, 50 oder 100 Prozent Rabatt kalkulieren. Und während die Sparpreise nur für Hin- und Rückfahrt gelten, bekommen sie die Bahncard-Ermäßigung auch für einfache Fahrten.

Weitere (kleine) Pluspunkte: Die Fahrradmitnahme im Fernzug ist etwas billiger und die Aufnahmegebühr fürs DB-Carsharing lässt sich so reduzieren. Einen netten Zusatznutzen bringt auch das City-Ticket für Bahncard-Inhaber: Damit können Fahrgäste im Anschluss an die Bahnreise in 46 Städten kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiterfahren, bis sie ihr Reiseziel erreicht haben.

Chaotisch sind die Bahncard-Ermäßigungen bei Fahrten innerhalb von Verkehrsverbünden. Hier lockt zwar zum Teil ein Rabatt in Höhe von 25 Prozent, aber nur in 16 von 54 Verbünden.

Bahnchef Hartmut Mehdorn forderte weitere Verkehrsverbünde zum Mitmachen auf – bislang mit bescheidenem Erfolg. Vielleicht sollte er bei seinen eigenen Fahrkarten den Anfang machen: Warum keine Bahncard-Ermäßigung auch für Surf&Rail-, Schönes-Wochenende- oder Sparnight-Ticket? Immerhin: Dass die Sparpreise mit der Bahncard 25 kombinierbar bleiben, ist eine kundenfreundliche Weichenstellung mit Vorbildfunktion.

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