Bahnfahrkarten Special

Viele Zugreisen sind seit der jüngsten Preiserhöhung noch teurer. test hilft bei der Suche nach den Schnäppchen.

Ein Musical erleben, mit Verwandten feiern, eine Messe besuchen, einen Ausflug machen – es gibt viele Gründe zu reisen. Etwa 300 000 Mal am Tag nutzen Reisende in Deutschland die Bahn im Fernverkehr. Für den Umwelt- und Klimaschutz könnte es mehr sein. Energieverbrauch und Schadstoffemissionen sind beim Bahnfahren oft um mehr als zwei Drittel geringer als beim Fliegen oder Autofahren.

Nicht zum teuren Normalpreis kaufen

Bahnfahrkarten Special

Kompliziert: Die Bahncard 25 senkt Normal- und Spar-preise um ein Viertel. Die teurere Bahncard 50 halbiert zwar die Normalpreise, bringt aber bei Sparpreisen keine Ermäßigung.

Ob neue Kunden zum Zuge kommen, hängt für viele vom Preis ab. Die „Normalpreise“ der Deutschen Bahn (DB) schrecken oft ab. Mitte Dezember sind sie im Fernverkehr erneut um fast 4 Prozent gestiegen. So muss jetzt ein Hamburger für die ICE-Fahrt nach Frankfurt am Main 114 Euro zahlen. Inklusive Rückreise kostet die Reise mit 228 Euro das Doppelte; Ermäßigung für die Rücktour gibt es nicht. Ist ein Begleiter mit von der Partie, verdoppelt sich der Preis erneut – auf 456 Euro.

Tipp: Kaufen Sie keine Fahrkarte zum teuren Normalpreis. Planen Sie Ihre Reise möglichst frühzeitig und nutzen Sie Schnäppchenangebote oder Bahncards.

Preisbewusste lockt die DB vor allem mit Sparpreisen. Das Prinzip: Tickets für die Züge, die voraussichtlich wenig ausgelastet sind, bietet sie billiger an. Im Gegenzug gilt für die Kunden „Zugbindung“. Jahrelang hat die DB vor allem mit ihrem Sparpeis 50 geworben. Diese Tickets haben die DB-Manager jetzt gestrichen. Sie boten 50 Prozent Ermäßigung für Hin- und Rückfahrt, plus 50 Prozent Ermäßigung für Mitfahrer plus Bahncardrabatt. Auch den Sparpreis 25 gibt es nicht mehr, andere „Sparpreise“ schon.

Die Sparpreise suchen und buchen

Die einfache Fahrt ist mit Sparpreis in der 2. Klasse auf der Kurzstrecke (bis 250 Kilometer) ab 19 Euro möglich, sonst ab 29 Euro. Je nach Zugauslastung steigen die Preisestufenweise: zum Beispiel auf 34, 39 oder 44 Euro. Mitfahrer zahlen je 9 Euro weniger. Die DB hat erklärt, bei der letzten Preisrunde im Dezember auf eine Verteuerung der Sparpreise verzichtet zu haben. Spannende Preisfrage: Wie viele Fahrscheine zu 19 oder 29 Euro wird sie tatsächlich verkaufen?

Den „Sparpreis-Finder“ aufrufen

Bei der Beantwortung der Frage ist die Bahn immerhin behilflich: mit dem „Sparpreis-Finder“. Im Internet (www.bahn.de) findet man ihn links oben auf der Homepageoder unter „Angebotsberatung“. Der „Sparpreis-Finder“ ähnelt der normalen Reiseauskunft. Wichtiger Unterschied: Die Reiseverbindungen werden nicht nach Abfahrtzeit sortiert, sondern nach dem Preis. Die besten verfügbaren Schnäppchen stehen ganz oben.

Tipp: Der „Sparpreis-Finder“ lohnt sich besonders, wenn Sie bei der Abfahrtszeit flexibel sind. Je größer Sie das Zeitfenster für die Suche wählen, desto umfangreicher ist das Angebot und desto größer die Chance bei der Schnäppchenjagd.

Wenig ausgelastete Züge nutzen

Bahnfahrer, die sogar bei den Reisetagen flexibel sind, sollten am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag oder Sonnabend suchen. Rund ums Wochenende sowie zum Ferienanfang und -ende sind die Züge meist voller und die Tickets oft entsprechend teurer.

Wer wenig ausgelastete Züge nutzt, profitiert doppelt: bei Fahrkarte und Reservierung. Reservieren ist hier nicht erforderlich. Der Verzicht lohnt sich. Nach der jüngsten Preiserhöhung kassiert die DB meist 4 Euro pro Person und Strecke.

Zwei weitere Klicks machen

Pluspunkt des „Sparpreis-Finders“: Nur zwei Klicks genügen, um sich auch die besten Sparpreise einen Tag früher oder später anzeigen zu lassen. Die für Hin- und Rückfahrt erhältlichen Sparpreise lassen sich übersichtlich nebeneinander darstellen.

Tipp: Nutzen Sie alle Möglichkeiten zur Reiseplanung. Früher gab es den Sparpreis 50 nur dann, wenn sich sowohl für die Hin- als auch für die Rückfahrt geeignete, wenig ausgelastete Züge fanden. Dieser Zwang besteht nicht mehr. Da die Bahn ohnehin keinen Rabatt für Rückfahrkarten einräumt, sind Sie bei der Reiseplanung freier: Auch diejenigen, die eine Strecke mit Flugzeug, Bus, Mitfahrgelegenheit im Auto oder mit dem Fahrrad zurücklegen wollen, können für die andere Strecke ein billiges DB-Sparpreisticket ergattern.

Den Haken von Anfang an entfernen

Bahnfahrkarten Special

Der „Sparpreis-Finder“, der den „günstigsten verfügbaren Preis“ anzeigen soll, erfüllt diesen Anspruch nicht immer. Zumindest nicht mit den Voreinstellungen der Bahn. Der Haken an der Sache ist ein Haken: Er steht im Kästchen „schnelle Verbindungen bevorzugen“. Wer diesen Haken nicht entfernt, dem werden schlimmstenfalls die besten Schnäppchen vorenthalten, nur weil die Züge etwas länger unterwegs sind.

Beispiel: Bei der Suche nach Billigtickets für eine Reise von Berlin nach Hannover kann es vorkommen, dass attraktive 29-Euro-Fahrkarten teilweise gar nicht gezeigt werden. Eine neue Suche – mit weggeklicktem Haken – bringt dann plötzlich doch mehr Billigtickets zum Vorschein. Der Grund: Einzelne IC-Züge verkehren hier parallel zu ICE-Zügen und brauchen für die Strecke nur etwa 20 Minuten mehr.

Tipp: Entfernen Sie den Haken bei „schnelle Verbindungen bevorzugen“ schon von Anfang an. Im weiteren Verlauf der Suche ist das umständlicher. Am Ende können Sie den schnelleren Zug trotzdem wählen. Aber Sie haben dann immerhin die Chance, selber Preis- und Zeitvorteile der Alternativen abzuwägen.

So sparen Spontanreisende

Der „Sparpreis-Finder“ erleichtert zwar die Schnäppchensuche, aber Verlass ist darauf nicht. Sind im gewünschten Reisezeitraum keine Sparpreise mehr erhältlich, erweist sich der Finder als wenig findig und zeigt stur die teuren Normalpreise an.

Dabei bietet die DB im Fernverkehr eine Reihe anderer Sparvarianten als Alternative zum teuren Normalpreis. Zum Beispiel das Ostseeticket (hin und zurück ab 41 Euro) oder die Freizeit-Tickets (hin und zurück ab 30 Euro). Diese Angebote gelten auch ohne Zugbindung. Spontanreisende können sie sogar noch am Reisetag kaufen.

Die besten Sparpreis-Tickets gibt es hingegen oft nur, wenn der Reisende bereits Wochen vor dem Reisetermin oder mindestens drei Tage vorher bucht.

Tipp: Sehen Sie für „Last-Minute“-Buchungen im Internet unter www.ltur.de nach. Hier gibt es noch am Tag vor der Reise „Restplätze“ – für 25 oder gar nur 19 Euro. Das Angebot gilt nur für Fernzüge.

Im Nah- und Regionalverkehr sparen

Keine Kenntnis hat der „Sparpreis-Finder“ von den Sparangeboten des Nah- und Regionalverkehrs. Für viele Kunden ist das bedauerlich. Spontane Tagesausflüge von Paaren oder kleinen Gruppen – mit ICE für viele nicht erschwinglich – sind in den roten Regiozügen bezahlbar: Die Regionaltickets (siehe Tabelle) kosten viel weniger als die teuren Normalpreis-Fahrkarten für die Fernverkehrszüge. Auch die Reisen mit Regionalexpress (RE) und Regionalbahn (RB) sind häufig recht schnell.

Im Zehnjahresvergleich sind die Preise für Wochenendticket und andere 5-Personen-Fahrkarten kräftig gestiegen. Doch nun hat die DB auch Tickets für Singles und Paare im Angebot. Zwar kostet die Reise für eine Person dann mitunter das Gleiche wie früher für fünf. Trotzdem sind diese Fahrkarten oft immer noch die beste Wahl.

Tipp: Wer mit Regionalzügen reist, braucht sich um Frühbucherfristen nicht zu kümmern. Mit Wochenend-, Quer-durchs-Land-und Ländertickets können bis zu fünf Personen stundenlang in Regionalzügen reisen. Und zwar beliebig weit innerhalb des Geltungsbereichs – auch hin und zurück. Und oft sogar auch in Stadtbussen, S-, U- und Straßenbahnen.

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