Bahn-Passagiere Meldung

Die Bahn kommt nicht ins Schleudern. Aber sie hat bei Eis und Schnee oft genug reichlich Verspätung und mancher Zug fällt völlig aus. Immerhin: Fahrgäste haben Anspruch auf Entschädigung. test.de erklärt die Regeln und wie Bahnfahrer zu ihrem Recht kommen.

Neues Gesetz

Die Regelung ist noch ganz frisch: Seit vergangenem Sommer gilt das Fahrgastrechtegesetz. Jetzt bei den Eis- und Schnee-Verspätungen hat es seine erste große Bewährungsprobe. Grundregel: Die Bahn muss für alle „normalen“ Betriebsstörungen einstehen. Dazu gehören auch Zugausfälle und Verspätungen wegen des Wetters. Nur bei Verzögerung aufgrund von besonderen Umständen außerhalb des Eisenbahnbetriebs muss die Bahn nicht zahlen. Beispiel: Ein defekter Lastwagen blockiert das Gleis. Weitere Einschränkung: Auf Erstattung von Beträgen bis 4 Euro gibts keinen Anspruch. Erst bei Beträgen jenseits dieser Bagatellgrenze ist die Bahn in der Pflicht.

Die Regeln

  • Verspätete Abfahrt. Ab Ansage von mindestens 20 Minuten Verzögerung dürfen Reisende einen anderen Zug wählen, auch wenn sie Tickets haben, die eigentlich nur für einen Zug gelten und die Fahrt im Alternativzug teurer ist. Ausnahme: Reservierungspflichtige Angebote der Bahn wie Nachtzüge bleiben tabu. Ab 60 Minuten Verzögerung können Bahnkunden zusätzlich auf die Fahrt verzichten und sich den Fahrpreis vollständig erstatten lassen. Liegt die fahrplanmäßige Ankunft zwischen 24 und 5 Uhr dürfen Zugfahrer aufs Taxi umsteigen, wenn es keine preisgünstigere Möglichkeit mehr gibt, ans Ziel zu kommen. Die Bahn zahlt bis zu 80 Euro.
  • Übernachtung. Wer wegen 60 oder mehr Minuten Verspätung nicht starten kann oder keinen Anschluss mehr bekommt und so über Nacht auf der Strecke bleibt, hat Anspruch auf kostenlose Unterbringung im Hotel.
  • Verspätete Ankunft. Ab 60 Minuten Verzögerung hat die Bahn 25 und ab 120 Minuten 50 Prozent des Fahrpreises zu erstatten. Für Inhaber von Zeitfahrkarten wie der Bahncard 100 gelten besondere Regeln. Betroffene Fahrgäste haben bei wiederholter Verspätung einen Anspruch auf eine angemessene Entschädigung.

Das Verfahren

  • Bestätigung. Verspätungen, die Sie zur Entschädigung oder zum Umsteigen berechtigen, sollten Sie sich wenn möglich gleich bestätigen lassen.
  • Formular. Für Anträge auf Entschädigung halten die Bahnunternehmen Formulare in den Zügen und auf den Bahnhöfen Formulare bereit, die Sie meist sofort ausfüllen und abgeben können. Die Deutsche Bahn AG bietet es auch als interaktives Online-Formular an. Zuständig für Entschädigungsanträge, die nicht gleich vor Ort abgegeben werden, ist:
         Deutsche Bahn AG
         Servicecenter Fahrgastrechte
         60647 Frankfurt am Main
         Telefon 0 180 5 20 21 78 (14 ct/Min. aus dem deutschen Festnetz)
  • Dauer. Spätestens nach einem Monat müssen Bahnunternehmen Ihnen auf einen berechtigten Antrag hin die Entschädigung zahlen.
  • Streit. Wenn Bahnunternehmen Ihnen eine Entschädigung verweigern, können Sie sich an die zum 1. Dezember 2009 eingerichtete neue Schlichtungsstelle wenden. Die Adresse:
         söp Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e. V.
         Fasanenstraße 81
         10623 Berlin
         www.soep-online.de
    Fahrgäste können das zuständige Bahnunternehmen auch auf Zahlung der jeweils fälligen Entschädigung verklagen.

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