Wer es schafft, seine Bafög-Schulden vorzeitig zu begleichen, bekommt einen ordentlichen Rabatt.

Einige Jahre nach Studien­ende müssen ehemalige Bafög-Empfänger ihr Darlehen zurück­zahlen. Wer seine Schulden vorzeitig begleicht, bekommt einen lohnenden Rabatt. Wir zeigen, wie es geht und sagen, was Sie über die Rück­zahlung der Studien­schulden wissen müssen. Wie die Beantragung der staatlichen Förderung funk­tioniert, erklären die Experten der Stiftung Warentest im Special FAQ Bafög beantragen. Die wichtigsten Tipps zu Alters­vorsorge, Versicherung und Co finden Sie in unserem Finanzplan für Berufsanfänger.

Das Wichtigste in Kürze

Bafög zurück­zahlen

Fünf Jahre. Die Rück­zahlung beginnt fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer. Den Fest­stellungs- und Rück­zahlungs­bescheid verschickt das Bundes­verwaltungs­amt ein halbes Jahr vor Tilgungs­beginn.

Adresse mitteilen. Wenn Sie noch auf Ihren Bafög-Rück­zahlungs­bescheid warten, teilen Sie dem Bundesverwaltungsamt online Ihre aktuelle Adresse mit. Muss das Amt Ihre Adresse selbst ermitteln, kostet Sie das 25 Euro extra.

Rabatt berechnen. Nutzen Sie unseren Rechner und finden Sie heraus, wie viel Nach­lass Sie bei vorzeitiger Rück­zahlung bekommen können und wann die Zahlung fällig wird.

Geld zurück­legen. Wenn sich die vorzeitige Rück­zahlung für Sie lohnt, fangen Sie recht­zeitig an Rück­lagen zu bilden, um die Summe pünkt­lich bezahlen zu können. Auf unserer Über­sicht Zinsen erfahren Sie alles, was Sie über sichere, kurz­fristige Geld­anlagen wissen müssen.

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So funk­tioniert die Bafög-Rück­zahlung

Studierende bekommen die halbe Summe geschenkt

Die Abkür­zung „Bafög“ steht für Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz: Nach seinen Regeln fördert der Staat Studierende und Schüler während ihrer Ausbildung finanziell.

Studierende erhalten Bafög im Regelfall zu 50 Prozent als Zuschuss und zu 50 Prozent als zins­loses Darlehen. Den Darlehens­teil verlangt der Staat zurück, den Zuschuss nicht. Aber egal wie hoch die Darlehens­schuld ist, mehr als 10 000 Euro muss niemand zurück­zahlen.

Auszubildende, die Schüler-Bafög bekommen, erhalten die Förderung hingegen als reinen Zuschuss. Sie müssen nichts zurück­zahlen.

Adress­änderungen mitteilen

Zuständig für die Bafög-Rück­zahlung ist das Bundesverwaltungsamt – und das will ständig auf dem Laufenden gehalten werden. Wer noch auf seinen Rück­zahlungs­bescheid wartet, sollte dem Amt seine aktuelle Adresse mitteilen. Muss das Bundes­verwaltungs­amt erst selbst heraus­finden, wo jemand wohnt, berechnet es dafür 25 Euro extra.

Rück­zahlungs­beginn richtet sich nach Förderungs­höchst­dauer

Die Aufforderung zur Rück­zahlung kommt vier­einhalb Jahre nach Ende der Regel­studien­zeit des ersten Studien­gangs. Bei vielen Bachelor-Studien­gängen ist das vier­einhalb Jahre nach Ende des sechsten Semesters. Bei einer Bachelor-Master-Kombination gilt die Regel­studien­zeit des Bachelor­studiums. Der Fach­begriff dafür heißt „Förderungs­höchst­dauer“.

Die Rück­zahlung an sich, beginnt fünf Jahre nach Ende dieser Förderungs­höchst­dauer. Wie lange jemand tatsäch­lich für das Studium braucht, ist egal.

Wer von der Rück­zahlung nicht über­rascht werden möchte, kann anhand der Förde­rungs­höchst­dauer (zu finden auf den Bafög-Bescheiden aus der Studien­zeit) errechnen, wann etwa die Post kommt (Förderungs­höchst­dauer plus 4 Jahre und 6 Monate).

Post vom Amt: Der Fest­stellungs- und Rück­zahlungs­bescheid

Genau genommen besteht der Brief mit der Rück­zahlungs­aufforderung aus zwei ­Bescheiden:

Der Fest­stellungs­bescheid nennt die Förderungs­höchst­dauer und die konkrete Darlehens­schuld. Also die Summe aller geleisteten Zahlungen abzüglich dem Zuschuss.

Der Rück­zahlungs­bescheid enthält den Tilgungs­plan und ein Angebot zur vorzeitigen Rück­zahlung. Für diejenigen, die nicht vorzeitig zurück­zahlen, legt der Bescheid die Fälligkeit der ersten und letzten Rate fest. Mit Tilgungs­beginn sind ab April 2020 alle drei Monate 390 Euro abzu­stottern (bis dahin 315 Euro). Diese Regel ist für alle ehemaligen Bafög-Empfänger gleich.

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So können Sie bei der Rück­zahlung sparen

Bei vorzeitiger Rück­zahlung gibt es ordentlich Rabatt

Alternativ zur Ratenzahlung unterbreitet das Bundes­verwaltungs­amt im Rück­zahlungs­bescheid ein Angebot zur vorzeitigen Rück­zahlung. Wer seine kompletten Schulden bis Tilgungs­beginn bezahlt, kann einen ordentlichen Teil der Summe erlassen bekommen. Für die Höhe jeder Darlehens­summe ist ­genau fest­gelegt, wie viel Prozent an Nach­lass dem Rück­zahler gewährt werden. Wir empfehlen, recht­zeitig Rück­lagen zu bilden, um die Bafög-Schulden vorzeitig begleichen und vom Nach­lass­system profitieren zu können.

Auch bei Deckelung kann vorzeitige Rück­zahlung lohnen

Wenn die Höhe des Darlehens samt Nach­lass das Rück­zahlungs­maximum von 10 000 Euro über­steigt, wird die Schuld auf diese Summe gedeckelt. Seit dem 1. April 2020 wird auch vom gedeckelten Betrag ein Nach­lass berechnet. Dadurch können nun auch ehemals Studierende mit sehr hohen Darlehen vom Nach­lass­system profitieren. Weitere Informationen zu den aktualisierten Rege­lungen gibt es beim Bundesverwaltungsamt.

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Rück­zahlungs­rechner der Stiftung Warentest

Geld sparen

Unser Rechner zeigt Ihnen, wie viel Rabatt Sie bekommen können, wenn Sie Ihre Bafög-Schulden vorzeitig zurück zahlen. Die Rechnung basiert auf der Annahme, dass Sie Bafög zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als Darlehen erhalten haben.

Zahltag erfahren

Der Rechner ermittelt auch, bis wann die vorzeitige Bafög-Rück­zahlung erfolgen muss und wann Sie mit der Post vom Amt rechnen können.

Neue Regeln. Seit dem 1. April 2020 gibt es eine neue Nachlasstabelle. Wir haben den Rechner an die neuen Werte angepasst.

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Wenn das Geld für die Rück­zahlung fehlt

Rück­zahlung kann aufgeschoben werden

Nicht immer folgt auf das Studium ein festes Gehalt. Bei geringen Einkommen kann die Rück­zahlung verschoben werden. Wer im Monat weniger zur Verfügung hat als 1225 Euro, kann die Zahlung per Antrag beim Bundesverwaltungsamt aufschieben. Der Frei­betrag lässt sich beispiels­weise durch familiäre Verhält­nisse auch erhöhen. Mehr Infos dazu finden Rück­zahler auf der Seite des Bundesverwaltungsamts.

Neue Erlass­möglich­keiten

Für künftige Rück­zahler sieht das jüngste Bafög-Gesetz vom September 2019 zudem neue Erlass­möglich­keiten vor. Eine Möglich­keit: Studierende, die den Zuschuss erst­malig ab September 2019 erhalten haben, und später beispiels­weise mit Unter­brechungen zurück­zahlen, können nach 20 Jahren alle Schulden erlassen bekommen.

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Dieses Special ist erst­mals am 18. Februar 2020 auf test.de erschienen. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 15. April 2020. Das PDF haben wir nicht aktualisiert.

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