Entspannt studieren, nicht nur an der Humboldt-Uni Berlin. Studierende erhalten bis zu 853 Euro Bafög im Monat.

Viele Studien­anfänger setzen bei der Finanzierung auf die staatliche Unterstüt­zung nach dem Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz (Bafög). Wer zu Studien­beginn das erste Geld haben will, muss die Regeln kennen. Die Stiftung Warentest gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Bafög-Höhe, Antrag und Rück­zahlung des Bildungs­kredits.

Voraus­setzungen und Förderdauer

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Welche Voraus­setzungen muss ich erfüllen, um Bafög beantragen zu können?

Sie müssen deutscher Staats­bürger oder Ausländer mit Bleibe­perspektive sein und Sie dürfen nicht so viel Einkommen oder Vermögen haben, dass Sie Ihre Erst­ausbildung aus eigenen Mitteln finanzieren könnten. Zu Studien­beginn dürfen Sie noch nicht 30 Jahre alt sein, für Master­studiengänge gilt eine Alters­grenze von 35 Jahren.

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Bekomme ich Bafög auch für ein Studium im Ausland?

Ja, wenn Sie den Antrag recht­zeitig stellen. Es empfiehlt sich, dies sechs Monate vor Beginn des Auslands­auf­enthaltes zu tun, da die Bearbeitung in der Regel lange dauert. Auch wenn Sie nur einen Teil der Ausbildung oder ein Praktikum im Ausland absol­vieren, müssen Sie einen gesonderten Antrag stellen. Welches Amt zuständig ist, hängt vom Ziel­land ab und ist auf Bafög.de recherchier­bar (Text­ansicht nutzen, Region auswählen und dann auf das gesuchte Land klicken).

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Ich bekomme kein Bafög und möchte nicht jobben. Wie kann ich mein Studium sonst noch finanzieren?

Wenn Sie kein Bafög bekommen, aber Geld benötigen, prüfen Sie, ob für Sie ein Studien­kredit, der Bildungs­kredit der Kredit­anstalt für Wieder­aufbau (KfW) oder ein Stipendium infrage kommt.

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Wie lange bekomme ich Bafög?

Bafög erhalten Studierende nur für die Dauer der Regel­studien­zeit ihres Studien­gangs. Ein Master­studiengang verlängert die Förderdauer entsprechend. Nach dem vierten Semester müssen Geförderte zudem einen Leistungs­nach­weis ihrer Hoch­schule (Form­blatt 5) einreichen. Welche Leistungen erbracht sein müssen, damit diese den Nach­weis ausgibt, ist von Studien­gang zu Studien­gang unterschiedlich. Meist muss eine bestimmte Zahl an Creditpoints erreicht sein. Diese Punkte erhalten Hoch­schüler für jede bestandene Prüfung.

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Kann ich als Schüler oder Azubi auch Bafög bekommen?

Ja, auch Schüler und Auszubildende können Bafög bekommen. Wie viel und welche Voraus­setzungen dafür nötig sind, erfahren Sie unter bafög.de.

Bafög-Höhe

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Wie viel Geld bekomme ich?

Der Förderhöchst­satz liegt seit August 2019 bei 853 Euro und steigt ab Herbst 2020 auf 861 Euro. Der Höchst­satz setzt sich aus dem monatlichen Grund­bedarf von 419 Euro (2020: 427 Euro), dem Wohn­kosten­zuschusse von nunmehr 325 Euro für Studenten, die nicht mehr bei den Eltern wohnen und auf Nach­weis dem Zuschlag für Kranken- und Pflege­versicherung von 109 Euro (bisher 86 Euro) zusammen.

Die genaue Höhe hängt davon ab, welche Einkünfte der Studierende, seine Eltern und gegebenenfalls sein Ehepartner haben. Auch das Vermögen des Studierenden ist entscheidend. Die eine Hälfte des Bafögs ist geschenkt, die andere ein zins­loses Darlehen, das zurück­gezahlt werden muss – höchs­tens aber bis zu einem Betrag von 10 000 Euro.

Studierende, die im Studium ein Kind unter 14 Jahren erziehen, erhalten einen Betreuungs­zuschlag von 140 Euro pro Monat, der nicht zurück­gezahlt werden muss. Ab Winter­semester 2021/22 steigt der Betrag auf 150 Euro pro Monat und Kind.

Auch die übrigen Bafög-Sätze steigen. Für ­Berufs­fach­schüler, die nicht im Haus der ­Eltern leben, erhöht sich der Zuschuss bis 2020 um 81 Euro auf 585 Euro im Monat.

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Wie viel darf ich als Bafög-Empfänger dazu­verdienen?

Der monatliche Frei­betrag für Studierende liegt bei 290 Euro netto. Bei Verheirateten mit gering­verdienenden Part­nern beträgt er 610 Euro. Hat der Bafög-Empfänger Kinder ohne eigenes Einkommen, erhöht sich der Frei­betrag um bis zu 555 Euro pro Kind. Da bei den Frei­beträgen immer das Netto­einkommen angesetzt wird, also abzüglich Steuern, Sozial­abgaben oder Werbungs­kosten, dürfen allein­stehende Jobber ohne Kinder neben dem Studium folg­lich bis zu 451 Euro brutto monatlich dazu­verdienen. Jeder Euro, den der Studierende darüber hinaus verdient, wird vom Bafög abge­zogen.

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Wie wirkt sich mein Vermögen und das meiner Eltern auf die Bafög-Höhe aus?

Während das Vermögen der Eltern keine Rolle bei der Bafög-Berechnung spielt, dürfen Studierende nicht mehr als 7 500 Euro besitzen – alles was darüber hinaus­geht, wird entsprechend vom Bafög abge­zogen. Zum Vermögen zählen auch Sach­gegen­stände wie das eigene Auto. Etwaige Schulden werden mit dem Vermögen verrechnet. Ab Winter­semester 2020/21 beträgt der Frei­betrag 8 200 Euro.

Ebenfalls ange­hoben werden die Frei­beträge für das Einkommen der Eltern. Sie steigen in drei Schritten bis 2021.

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Welche Auswirkungen hat das Einkommen meiner Eltern auf die Höhe meines Bafögs?

Verheiratete Eltern haben seit August 2019 noch einen gemein­samen Einkommens­frei­betrag von monatlich 1 835 Euro; sind die Eltern nicht miteinander verheiratet, liegt der Frei­betrag bei 1 225 Euro pro Eltern­teil. Diese Werte steigen bis Winter­semester 2021/22 auf 2 000 Euro für Verheiratete und 1 330 Euro bei einem Eltern­teil. Jedes Kind erhöht den Betrag um 555 Euro (Anstieg bis Winter­semester 2021/22 auf 605 Euro). Für Stief­eltern gilt: Haben sie ein geringes Einkommen, steigt der Frei­betrag des Part­ners um bis zu 610 Euro, ab Winter­semester 2021/22 ist die höchste Stufe des Frei­betrags von 665 Euro erreicht. Bei den Frei­beträgen ist immer das Netto­einkommen gemeint, also abzüglich Steuern, Sozial­abgaben oder Werbungs­kosten. Anders als beim Studierenden wird das den Frei­betrag über­steigende elterliche Einkommen nur zu 50 Prozent ange­rechnet. Je Kind verringert sich der Prozent­satz um 5 Prozent.

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Wann ist die Höhe meines Bafögs unabhängig vom Einkommen meiner Eltern?

Für ältere Studierende gibt es in Ausnahme­fällen das eltern­unabhängige Bafög. In diesem Fall wird das Einkommen der Eltern nicht zur Bemessung der Förderung heran­gezogen. Dafür muss mindestens eine der folgenden Voraus­setzungen erfüllt sein: Der Antrags­steller ist zu Beginn des Studiums älter als 29 Jahre. Oder er hat nach seinem 18. Lebens­jahr mindestens fünf Jahre gearbeitet – nach einer berufs­qualifizierenden Ausbildung oder einem Studium reichen drei Jahre. In den letzten beiden Fällen muss der Studierende während der Arbeits­phasen selbst für seinen Lebens­unterhalt gesorgt haben.

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Welche Auswirkungen hat das Einkommen meines Ehepart­ners auf die Höhe meines Bafögs?

Für den Ehepartner des Studierenden liegt der Einkommens­frei­betrag bei monatlich 1 225 Euro. Bringt er ein Kind mit in die Ehe, erhöht sich der Frei­betrag um 555 Euro. Diese Frei­beträge steigen bis Winter­semester 2021/22 auf 1 330 Euro beziehungs­weise 605 Euro. Frei­beträge beziehen sich immer auf das Netto­einkommen, also abzüglich Steuern, Sozial­abgaben oder Werbungs­kosten. Anders als beim Studierenden wird das den Frei­betrag über­steigende Einkommen des Ehepart­ners nur zu 50 Prozent ange­rechnet. Je Kind verringert sich der Prozent­satz um 5 Prozent.

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Muss ich Veränderungen meiner Lebens­verhält­nisse mitteilen?

Bafög-Empfänger sind dazu verpflichtet, sämtliche Veränderungen ihrer Lebens­verhält­nisse sofort dem Bafög-Amt mitzuteilen. Hat die Änderung Auswirkungen auf die Bafög-Höhe, wird der Betrag ab dem Zeit­punkt der Änderung neu berechnet. Das kann natürlich auch positive Auswirkungen haben. Zieht ein Studierender von zu Hause aus, bekommt er beispiels­weise ab dem Tag des Umzugs mehr Bafög.

Antrag stellen

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Wo und wie kann ich den Bafög-Antrag stellen?

Für die Bearbeitung der Anträge sind die Bafög-Ämter der Studierenden­werke zuständig. Den unter­schriebenen Antrag und die Belege geben Studierende entweder persönlich dort ab oder senden sie per Post. Mitt­lerweile ist die Über­mitt­lung des Antrags auch online möglich. Antrag­steller brauchen dafür einen elektronischen Personal­ausweis und ein Kartenlesegerät. Statt des Lesegeräts kann auch ein Smartphone verwendet werden, das mit einen sogenannten NFC-Chip ausgestattet ist. Für die Über­mitt­lung hat jedes Bundes­land ein eigenes Portal. Eine Über­sicht steht unter bafög.de.

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Gibt es spezielle Formulare für den Bafög-Antrag?

Insgesamt acht Form­blätter gibt es für den Bafög-Antrag, zu finden unter bafög.de. Studierende und ihre Eltern müssen nicht immer alle Blätter einreichen. Der Antrag kann hand­schriftlich oder am Computer ausgefüllt werden. Zu allen Angaben, die auf dem Formular mit einem schwarzen „B“ markiert sind, müssen die Antrag­steller zudem Belege wie Konto­auszüge oder Arbeits­vertrag einreichen. Welcher Beleg im Einzelnen erforderlich ist, steht in den Erläuterungen des Antrags.

Macht der Studierende oder seine Eltern im Antrag vorsätzlich unvoll­ständige oder falsche Angaben, ist er dem Amt für Ausbildungs­förderung zu Schaden­ersatz verpflichtet. Er muss die Differenz zwischen dem korrekten und dem zu hohen Förderbetrag erstatten, entschied das Bundes­verwaltungs­gericht (Az. 5 C 55.15).

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Welche Form­blätter muss ich selbst ausfüllen?

Diese Form­blätter müssen vom Studierenden ausgefüllt werden:

Form­blatt 1. Das ist der Grund­antrag. Wird das erste Mal Bafög beantragt, muss zudem die Anlage 1 mit den Angaben zum schu­lischen und beruflichen Werdegang ausgefüllt werden. Haben Studierende ein Kind, ist zudem die Anlage 2 nötig.

Form­blatt 2. Hierbei handelt es sich um die „Bescheinigung nach §9 Bafög“. Diese lassen Studierende von der Hoch­schule ausfüllen. Oft bietet die Uni die Bescheinigung online in elektronischer Form an. Hoch­schüler müssen sie nur noch ausdrucken.

Form­blatt 5. Diese Leistungs­bescheinigung ist erst ab dem fünften Fach­semester nötig. Studierende lassen sie von der Hoch­schule ausfüllen.

Form­blatt 6. Hier machen Studierende Angaben, wenn sie eine Förderung für ein Auslands­studium beantragen.

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Welche Form­blätter müssen meine Eltern ausfüllen?

Eltern füllen die folgenden Form­blätter aus:

Form­blatt 3. Auf ihm machen Eltern Angaben zu ihrem Einkommen. Jedes Eltern­teil muss ein eigenes Exemplar ausfüllen.

Form­blatt 4. Eltern von ausländischen Studierenden geben darauf Informationen zu ihren Aufenthalten in Deutsch­land.

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Für welchen Zeitraum müssen meine Eltern und ich das Einkommen angeben?

Studierende geben ihr zu erwartendes Einkommen im Bewil­ligungs­zeitraum an, meist ein Jahr. Bei Eltern und auch Ehepart­nern entscheidet das Einkommen aus dem vorletzten Kalender­jahr. Dafür liegt meist bereits der Einkommensteuer­bescheid vor. Hat sich ihr Einkommen seit dem vorletzten Jahr stark verändert, etwa durch Jobverlust, kann das zu erwartende Einkommen für den Bewil­ligungs­zeitraum angegeben werden. Hierfür ist das Form­blatt 7 zu verwenden.

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Wann sollte ich den Bafög-Antrag stellen, um recht­zeitig Geld zu erhalten?

Studierende sollten ihren Erst­antrag direkt nach Erhalt der Zulassung stellen. Bernhard Börsel vom Deutschen Studierenden­werk rät: „Fehlt nur noch ein Beleg – etwa die Immatrikulations­bescheinigung – kann der Antrag ruhig schon einge­reicht werden. Das Amt kann dann prüfen, ob es noch mehr Belege benötigt oder ob Angaben unvoll­ständig sind. Die abschließende Bearbeitung erfolgt aber erst, wenn der Antrag voll­ständig ist.“ Einen Weiterförderungs­antrag sollten Studierende noch früher stellen. „Wer eine Lücke zwischen seiner Bafög-Förderung bis zum Winter­semester und der Auszahlung seiner Weiterförderung vermeiden will, stellt seinen Weiterförderungs­antrag am besten noch im auslaufenden Sommer­semester“, empfiehlt Börsel. Die künftigen Erst­semester seien dann noch nicht da und die Bafög-Ämter noch nicht mit deren Anträgen belastet.

Rück­zahlung

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Wann muss ich das Bafög-Darlehen zurück­zahlen?

Die Hälfte des Bafögs für Studierende ist ein zins­loses Darlehen des Staates. Fünf Jahre nach dem Ende der Förderhöchst­dauer – also meist der Regel­studien­zeit – muss es zurück­gezahlt werden. Wurde auch ein Master­studium gefördert, zählt der Zeit­punkt der Förderhöchst­dauer des Bachelors. Für die Rück­zahlung ist das Bundes­verwaltungs­amt zuständig.

Nach Abschluss des Studiums und seiner Förderung ist der Geförderte dazu verpflichtet, Änderungen seines Nach­namens und seiner Anschrift dem Bundes­verwaltungs­amt mitzuteilen. Dies geht ganz einfach unter bafoegonline.de. Die aktuelle Anschrift ist nötig, damit das Amt ein halbes Jahr vor der Rück­zahlung den Fest­stellungs- und Rück­zahlungs­bescheid zustellen kann. Muss das Amt die aktuelle Adresse selbst ermitteln, stellt es dafür 25 Euro in Rechnung.

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Wie kann ich das Bafög-Darlehen zurück­zahlen?

Ein halbes Jahr vor Rück­zahlungs­beginn vers­endet das Bundes­verwaltungs­amt den Fest­stellungs- und Rück­zahlungs­bescheid. Darin steht die Höhe der Darlehens­summe. Sie beträgt die Hälfte des geleisteten Bafögs, höchs­tens jedoch 10 000 Euro, und kann in Raten von monatlich 105 Euro zurück­gezahlt werden. Ab April 2020 werden es 130 Euro pro Monat sein. Die Zahlung erfolgt dann alle drei Monate per Last­schrift­einzug. Wer das Geld auf einmal zurück­zahlen kann, erhält dafür einen Nach­lass – bei einer Summe von 8 000 Euro zum Beispiel knapp 25 Prozent. Auch bei Teilrück­zahlungen von mehr als 500 Euro wird ein Nach­lass gewährt.

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Ich kann mir die Rück­zahlung des Bafög-Darlehens nicht leisten. Kann ich mich frei­stellen lassen?

Wer die Rate aufgrund zu geringer Einkünfte nicht stemmen kann, kann sich von der Rück­zahlung komplett oder zum Teil frei­stellen lassen. Im letzteren Fall zahlt er eine verminderte Rate von mindestens 42 Euro im Monat. Den Antrag auf Frei­stellung können Betroffene über bafoegonline.de stellen. Die Frei­stellung wird jeweils für ein Jahr gewährt und muss dann wieder neu beantragt werden. Die Rück­zahlung verschiebt sich entsprechend. Nach 77 gezahlten Monats­raten wird die Rück­zahlung aber auf jeden Fall beendet, auch wenn noch Teile des Darlehens nicht getilgt sind.

Dieses Special ist erst­mals am 16. August 2016 auf test.de erschienen. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 1. August 2019.

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