Bafög-Rückzahlung Meldung

15 000 Euro Bafög-Schulden. Im Jahr 2008 muss Jens Glatzer anfangen abzustottern. Zahlt er bereits vorher alles, bekommt er 5 550 Euro erlassen.

Fünf Jahre nach Abschluss des Studiums müssen Bafög-Empfänger anfangen, ihr zinsloses Darlehen in kleinen Raten abzustottern. Wer stattdessen ­vorzeitig zurückzahlt, spart viel Geld.

Jens Glatzer macht Karriere an der Uni. Der studierte Philosoph promoviert an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Als Assistent am Philosophischen Institut verdient er sein eigenes Geld. Während des Studiums war er noch auf das Bafög-Darlehen angewiesen.

Bis zum Wechsel von der Studentenbank ans Dozentenpult hat Glatzer sechs Jahre lang den vollen Bafög-Satz bekommen. Im September 2003 hat er sein Studium abgeschlossen. Auf dem Bafög-Konto des 29-Jährigen haben sich zirka 15 000 Euro Schulden angehäuft.

Das ist nur die Hälfte der Summe, die er insgesamt bekommen hat. Denn ein Student, der Bafög empfängt, muss nur die Hälfte zurückzahlen.

Noch verlangt der Staat das Geld von Glatzer nicht zurück. Doch im April 2008, also viereinhalb Jahre nach der Förderungshöchstdauer, wird ihm das Bundesverwaltungsamt einen Feststellungs- und Rückzahlungsbescheid schicken.

Ein halbes Jahr nach dem Bescheid geht es dann mit der Tilgung los. Unabhängig von der Höhe der Schulden müssen ­ehemalige Bafög-Empfänger mindestens vierteljährlich 315 Euro – also 105 Euro monatlich – abstottern.

Vorzeitig tilgen

Der Kredit ist zinslos. Jens Glatzer könnte sich also Zeit lassen mit der Tilgung. Doch wenn er vorzeitig zurückzahlt, spart er viel Geld. Tilgt er alles auf einen Schlag, bevor die Rückzahlung offiziell beginnt, bekommt er 5 550 Euro erlassen.

Zurzeit lohnt es sich immer, die Bafög-Schulden vorab zu tilgen, hat Finanztest ausgerechnet. Das gilt sogar unabhängig davon, ob Exstudenten auf Gespartes zurückgreifen können oder einen Kredit aufnehmen müssen.

Im Bafög-Gesetz Paragraf 18, Absatz 5b, steht: „Das Darlehen kann ganz oder ­teilweise vorzeitig zurückgezahlt werden. Wird ein Darlehen vorzeitig getilgt, so ist auf Antrag ein Nachlass von der Darlehens(rest)schuld zu gewähren.“

Der Absatz hats in sich: Exstudenten können jederzeit beliebige Beträge zwischen der Mindestrate und der vollen ­Darlehenssumme tilgen. Der Staat erlässt ihnen dann einen Teil ihrer Schulden. Das kann bei 22 000 Euro Schulden mehr als 10 000 Euro Ersparnis bringen.

Wie viel Nachlass das Bafög-Amt genau gewährt, hängt von der Höhe des Ablösungsbetrags ab. Maximal erlässt der Staat 50,5 Prozent, mindestens 8 Prozent der Schulden. Je höher der Ablösungsbetrag, desto höher die erlassene Summe.

Das Bafög-Amt gewährt allerdings nur dann einen Nachlass bei vorzeitiger Tilgung, wenn die Exstudenten vorher einen Antrag – am einfachsten per Telefon – ­stellen. Daraufhin schickt das Bundes­verwaltungsamt ihnen ein unverbindliches Angebot mit dem genauen Nachlass.

Kredit oder Eigenkapital

Jens Glatzer muss einen Betrag von 15 000 Euro zurückzahlen. Der Staat erlässt ihm auf Antrag 37 Prozent, wenn er die Schulden tilgt, bevor die erste Rate fällig wird. Er muss also nur noch 9 450 Euro aufbringen – und hat damit 5 550 Euro gespart. Bleibt die Frage: Macht es einen Unterschied, ob Glatzer das Geld zur Verfügung hat oder einen Kredit aufnehmen muss?

Fall 1: Nehmen wir an, Jens Glatzer ­hätte keine 9 450 Euro Eigenkapital. Er müsste also einen Kredit über diese Summe aufnehmen. Das lohnt sich für ihn dann, wenn die Zinsen für den Kredit die erlassene Summe nicht überschreiten.

In unsererTabelle ist zu jeder Ablösungssumme der Nachlass und der Grenzzins angegeben. Wer einen Kredit aufnehmen will, um die Schulden zu tilgen, kann in der letzten Spalte der Tabelle direkt ­ablesen, bei welchem Kreditzins sich die Vorabtilgung lohnt. Liegt der Kreditzins unterhalb des Grenzzinses, bringt die vorzeitige Rückzahlung eine Ersparnis.

Im Fall von Jens Glatzer beträgt der Grenzzins 8,76 Prozent. Da zurzeit Kredite mit einem Zins zwischen 6 und 7 ­Prozent zu bekommen sind, lohnt es sich für ihn, einen Kredit aufzunehmen (siehe Ratenkredite auf Seite 81).

Fall 2: Jens Glatzer hat 9  450 Euro Eigenkapital. Damit kann er die Schulden sofort tilgen und bekommt 5 550 Euro ­geschenkt. Oder er legt das Geld verzinst an und zahlt seine 15 000 Euro in vierteljährlichen Raten von 315 Euro zurück.

Auch in diesem Fall zeigt die Tabelle, dass es günstiger ist, vorab zu tilgen. Denn der Grenzzins der Kreditaufnahme entspricht der Rendite der Rückzahlung. Wer beim Anlegen der 9 450 Euro nicht über die 8,76 Prozent Zins kommt, nimmt das Geld besser, um die Bafög-Schulden vorab zu tilgen. Ein so hoher Zinssatz lässt sich derzeit am Kapitalmarkt nicht erzielen – jedenfalls nicht mit risikolosen Anlagen.

Gute Zeiten

Zurzeit lohnt es sich also auf jeden Fall, die Bafög-Schulden auf einen Schlag zurückzuzahlen. Denn die Kreditzinsen sind momentan sehr günstig. Und eine verzinste Anlage ist nicht besonders attraktiv.

Jens Glatzer kann sich bis zum Jahr 2008 noch überlegen, ob und in welcher Höhe er einen Kredit aufnehmen soll. Eines sollte ihm allerdings klar sein: Sein Bafög-Darlehen ist zinslos. Wenn er arbeitslos werden sollte, kann er sich von der Rückzahlung der Bafög-Schulden freistellen lassen und es später abstottern. Eine Bank setzt den Kredit nicht zinslos aus.

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