Bafög Special

Entspannter studieren, nicht nur an der Humboldt-Uni Berlin. Der Bafög-Höchst­satz steigt um 7 Prozent.

Seit Kurzem gibt es für Studierende mehr und einfacher Geld vom Staat. Wer es zu Studien­beginn haben will, muss sich sputen. test.de gibt konkrete Hilfe­stellung rund ums Antrags­verfahren und beant­wortet die wichtigsten Fragen zur Reform des Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetzes (Bafög).

Bafög-Antrag kann jetzt online gestellt werden

Diesen Sommer dürfen sich viele Studenten über mehr Geld freuen. Denn die Bundes­regierung hat das Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz (Bafög) reformiert. Zum 1. August hat sie die elterlichen Einkommens­grenzen, bis zu denen Kinder Bafög beantragen können, ange­hoben. Damit erweitert sich der Kreis der Förderberechtigten um zirka 110 000 Schüler, Studenten und Auszubildende. Zugleich sind die Fördersätze um 7 Prozent gestiegen. Und mit dem neuen Studien­semester soll es einfacher werden, einen Antrag zu stellen. Die Formulare können die Studenten jetzt online ausfüllen.

Welche Voraus­setzungen muss ich für einen Bafög-Antrag erfüllen?

Sie müssen deutscher Staats­bürger oder Ausländer mit Bleibe­perspektive sein und Sie dürfen nicht so viel Einkommen oder Vermögen haben, dass Sie Ihre Erst­ausbildung aus eigenen Mitteln finanzieren könnten. Zu Studien­beginn dürfen Sie noch nicht 30 Jahre alt sein, bei Master­studiengängen 35 Jahre. Den höchsten Fördersatz (Voll­förderung) bekommen Sie, wenn Ihr Vermögen, Ihr Einkommen und das Einkommen Ihrer Eltern unter­halb der gesetzlichen Frei­grenzen liegen.

Die neue Frei­grenze für Ihr Vermögen liegt seit dem 1. August bei 7 500 Euro. Wenn Sie nebenbei noch arbeiten, dürfen Sie bis zu 290 Euro im Monat dazu­verdienen. Ihre Eltern dürfen zusammen bis zu 1 715 Euro netto monatlich verdienen. Sind die Eltern geschieden, liegt die Frei­grenze für jeden der beiden bei 1 145 Euro netto im Monat.

Verdienen die Eltern mehr, können Sie immer noch eine Teil­förderung bekommen. Laut Deutschem Studenten­werk ist das bis zu einem gemein­samen Einkommen von zirka 40 000 Euro brutto im Jahr realistisch.

Wie viel Geld bekomme ich? Muss ich alles zurück­zahlen?

Das Studenten-Bafög besteht zur Hälfte aus einem Zuschuss und zur anderen Hälfte aus einem unver­zinsten staatlichen Darlehen. Nach Ende der Regel­studien­zeit gibt es nur noch die Darlehens­förderung.

Die Höhe der Förderung hängt vom Einkommen der Eltern sowie dem eigenen Vermögen ab. Maximal gibt es 735 Euro monatlich. Wie hoch der Förderbetrag in Ihrem Fall ist, können Sie mit dem Bafög-Rechner ermitteln.

Bei welcher Behörde kann ich den Antrag stellen?

Zuständig für die Bafög-Anträge sind die Ämter für Ausbildungs­förderung. Sie sind angegliedert an das Studenten­werk der Hoch­schule, an der Sie studieren wollen. In Zukunft soll dort ein Online­antrag möglich sein. Für das eBafög benötigen Sie den neuen Personal­ausweis mit Online-Ausweis­funk­tion (eID) und einen Computer mit Kartenlesegerät. Das System funk­tioniert bislang nur in Hessen.

Für alle anderen Länder können Sie die Formulare zwar online (unter Bafög.de oder auf der Seite des jeweiligen Studenten­werks) ausfüllen, müssen sie dann aber ausdrucken, unter­schreiben und mit den geforderten Nach­weisen per Post an das zuständige Amt schi­cken.

Beim Ausfüllen auf der Internetseite werden die Formulare auf Voll­ständig­keit über­prüft. Umständliches Nach­blättern in den Erläuterungen fällt weg. Fährt man mit der Maus über die Zeilenzahl, werden die Erläuterungen ange­zeigt.

Gibt es spezielle Formulare für den Bafög-Antrag?

Zehn Form­blätter gibt es, aber Sie müssen nicht jedes ausfüllen. Auf der Bafög-Website finden Sie einen Antragsassistenten. Er ermittelt mithilfe eines Fragebogens für Sie die benötigten Formulare.

Sie müssen alle Fragen in den Formularen beant­worten, damit das Amt für Ausbildungs­förderung Ihren Anspruch fest­stellen kann. Trifft eine Frage nicht zu, schreiben Sie „entfällt“. Tun Sie das nicht, kann die Förderung unter Umständen versagt oder entzogen werden. Welche zusätzlichen Belege Sie einreichen müssen, zeigen die Erläuterungen zu den Formularen.

Tabelle Bafög-Formulare

Wie heißt es?

Wer füllt es aus?

Antrag auf Ausbildungs­förderung (Form­blatt 1)

Alle Studierenden, die Bafög wollen. Dies ist der Grund­antrag.

Schu­lischer und beruflicher Werdegang

(Anlage 1 zu Form­blatt 1)

Studierende, die zum ersten Mal oder nach Unter­brechung der Ausbildung Bafög beantragen, sowie jene, die planen, im Ausland zu studieren.

Kinder­betreuungs­zuschlag

(Anlage 2 zu Form­blatt 1)

Studierende mit Kindern unter zehn Jahren.

Bescheinigung nach § 9 Bafög

(Form­blatt 2)

Die Hoch­schule; alternativ kann die Immatrikulations­bescheinigung mit Verweis auf § 9 Bafög vorgelegt werden.

Einkommens­erklärung

(Form­blatt 3)

Jeder Eltern­teil des Studenten mit Einkommen oder der Ehegatte oder einge­tragene Lebens­partner des Studenten.

Erklärung der Eltern zu § 8 Bafög (Form­blatt 4)

Eltern von Studierenden aus dem Ausland, die dazu ausdrück­lich aufgefordert werden.

Leistungs­bescheinigung (Form­blatt 5)

Studierende ab dem fünften Fach­semester.

Ausbildung im Ausland (Form­blatt 6)

Studierende, die im Ausland studieren möchten.

Antrag auf Aktualisierung

(Form­blatt 7)

Studierende, die bereits Bafög bekommen und das anzu­rechnende Einkommen der Eltern, des Ehegatten oder einge­tragenen Lebens­part­ners neu berechnen lassen möchten.

Antrag auf Voraus­leistungen

(Form­blatt 8 )

Studierende, deren Ausbildung gefährdet ist, weil die Eltern Auskünfte oder Unter­halts­leistungen verweigern.

      Welche Fristen muss ich einhalten, um mein Geld zu bekommen?

      Geld gibt es ab dem Monat, in dem Sie den Antrag stellen. Beginnt Ihr Studium im Oktober, müssen Sie spätestens Ende Oktober den Antrag einreichen. Sonst verlieren Sie das Geld für den Monat. Geben Sie den Antrag erst im Dezember ab, bekommen Sie die Förderung auch erst ab diesem Monat.

      Aufgrund von langen Bearbeitungs­zeiten sollten Sie den Antrag normaler­weise zwei bis drei Monate vor Ausbildungs­beginn stellen. Dann ist das Geld bei Ausbildungs­beginn da. Wer spät dran ist, kann einen formlosen schriftlichen Antrag stellen, der vor Monats­ende beim zuständigen Amt eingehen muss. Geld gibt es allerdings erst, wenn das Amt den voll­ständigen Antrag bearbeiten konnte.

      Bekomme ich Bafög auch für ein Studium im Ausland?

      Ja, wenn Sie den Antrag recht­zeitig stellen. Empfehlens­wert sind sechs Monate vor Beginn des Auslands­auf­enthaltes, da die Bearbeitung lange dauert. Auch wenn Sie nur einen Teil der Ausbildung oder ein Praktikum im Ausland absol­vieren, müssen Sie einen gesonderten Antrag stellen. Welches Amt zuständig ist, hängt vom Ziel­land ab. Eine Such­möglich­keit finden Sie auf Bafög.de (unter „Antrag­stellung – Ausland“).

      Wie lange habe ich Zeit, das Bafög-Darlehen zurück­zuzahlen?

      Die Rück­zahlung des Darlehens beginnt fünf Jahre nach Ablauf der Förderungs­höchst­dauer, also fünf Jahre nach Ende der Regel­studien­zeit. Sie bekommen zuvor den Fest­stellungs- und Rück­zahlungs­bescheid vom Bundes­verwaltungs­amt. Darin steht, wann die Rück­zahlung beginnt. In der Regel müssen Sie vierteljähr­lich 315 Euro zurück­zahlen. Der Bescheid enthält auch einen Tilgungs­plan.

      Es besteht die Möglich­keit, dass Sie nur einen Teil der Schulden zurück­zahlen müssen. Wenn Sie das Darlehen vorzeitig tilgen, werden Ihnen bis zu 50 Prozent der Schulden erlassen. Wie hoch der Nach­lass in Ihrem Fall ist, steht im Bescheid.

      Unser Rat

      Frist. Geld vom Staat fürs Studium gibt es erst ab dem Monat, in dem Sie den Antrag stellen. Wenn Sie ihn mindestens zwei Monate vor Studien­beginn einreichen, bekommen Sie pünkt­lich zum Semester­start Bafög. Sie können die Frist durch einen formlosen Antrag wahren, den Sie vor Monats­ende beim Amt für Ausbildungs­förderung abgeben.

      Antrag. Achten Sie darauf, dass Sie aktuelle Form­blätter verwenden, auf denen „Stand 2016“ vermerkt ist, und füllen Sie die Formulare voll­ständig aus. Sonst wird Ihr Antrag nicht bearbeitet.

      Alternativen. Wenn Sie kein Bafög bekommen, aber Geld benötigen, prüfen Sie, ob für Sie ein Studien­kredit, der Bildungs­kredit der Kredit­anstalt für Wieder­aufbau (KfW) oder ein Stipendium infrage kommt. Nutzen Sie hierzu unser Themenpaket Finanzcheck für Studenten.

      Schüler. Auch Schüler und Auszubildende können Bafög beantragen. Wer wie viel bekommt, erfahren Sie auf der Website Bafög.de.

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