Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat den Geschäftsbetrieb der Phoenix Kapitaldienst GmbH gestoppt und Insolvenz beantragt. Nach unbelegten Berichten im Internet sollen rund 30 000 Geldanleger bei dem Unternehmen insgesamt rund 800 Millionen Euro investiert haben. Davon fehlen jetzt offenbar 600 Millionen Euro. Berichte, wonach der Geschäftsführer des Unternehmens in Untersuchungshaft genommen worden sei, dementierte die Staatsanwaltschaft in Frankfurt. Finanztest hat mehrfach vor dem Phoenix Kapitaldienst gewarnt.

Verluste mit Termingeschäften

Per Telefon suchten Vermittler im Auftrag der Phoenix Kapitaldienst nach Investoren. Sie versprachen hohe Renditen. Vor allem riskante Termingeschäfte sollten Gewinn bringen. Doch hohe Kosten und Risiken machen Verluste wahrscheinlich. In einer Broschüre über Optionen informiert das Unternehmen selbst wünschenswert deutlich: „Die Transaktionskosten des Phoenix Kapitaldienst liegen bei 33 Prozent vom Gesamtaufwand. Das entspricht einem Aufschlag von 50 Prozent auf den Nettobörseneinsatz. (...) Sie sollten vor Beginn der Spekulation ihren Einsatz als Totalverlust abschreiben“, ist dort zu lesen. Bei der Beratung per Telefon jedoch klang das ganz anders, und den Prospekt lasen viele Anleger nicht.

Zweifel an Erfolgsmeldungen

Außer direkten Options- und Termingeschäften bot der Phoenix Kapitaldienst die Beteiligung am so genannten „Managed Account“ an. Bei diesem Anlagemodell stellen Kunden dem Unternehmen Geld zur Verfügung. Mit dem Geld spekulierte der Phoenix Kapitaldienst. Vor allem in Optionen sollte das Geld der Anleger fließen. Phoenix Kapitaldienst kassierte dafür bis zu sieben Prozent der Anlagesumme als einmaliges Agio, 0,5 Prozent Verwaltungsgebühren pro Monat und eine Gewinnbeteiligung von 30 Prozent. Außerdem fielen Transaktionskosten in Höhe von 40 US-Dollar für jeden einzelnen Handel im Dienste der Kunden an. Trotz der horrenden Gebühren meldete der Managed Account viele Jahre lang Renditen zwischen elf und 18 Prozent.

Rätsel um Konto in London

Ob die Erfolgsmeldungen korrekt waren, erscheint nun zweifelhaft. Grund für die Bafin-Intervention sind Manipulationen rund um ein Konto bei einem Londoner Broker. Phoenix-Unterlagen weisen ein Guthaben von 600 Millionen Euro aus. Tatsächlich scheint es dieses Guthaben gar nicht zu geben. Die Unterlagen sind offenbar frisiert. Möglicherweise war der Managed Account ein Schneeballsystem, das früher oder später platzen musste. Gut für Kunden: Sie können auf bis zu 20 000 Euro von der „Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen“ hoffen. Die Bafin hat angekündigt, so schnell wie möglich den Entschädigungsfall festzustellen und so den Weg zu Zahlungen an geschädigte Anleger frei zu machen.

Strafanzeige gegen Verantwortliche

Nach Angaben von Bafin-Sprecherin Dr. Sabine Reimer ordnete die Behörde nach Gesprächen mit der Phoenix-Geschäftsführung das Ruhen des Geschäftsbetriebs an. Inzwischen hat die Behörde beim Amtsgericht Frankfurt auch die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das Unternehmen darf jetzt weder Geld an Kunden auszahlen noch Zahlungen entgegennehmen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt liegt bei der Kriminalpolizei eine Strafanzeige vor. Über die Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens sei noch nicht entschieden.

Finanztest hat gewarnt

Finanztest hat wiederholt vor dem Phoenix Kapitaldienst gewarnt. Zuletzt war ein Ex-Geschäftsführer des Unternehmens persönlich verurteilt worden, 70 000 Euro Schadenersatz an einen Kunden zu zahlen. Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Frankfurt hatte der Manager seine geschäftliche Überlegenheit sittenwidrig ausgenutzt, um seine Kunden zu riskanten Termingeschäften zu überreden.

Anwalt einschalten

Betroffene Geldanleger sollten sofort einen in Geldanlagefällen versierten Rechtsanwalt einschalten. Anleger, die wegen Falschberatung klagen wollen, sollten wissen, dass die von den Kanzleien Tilp sowie Nieding + Barth gegründete Arge Phoenix mit sechs Finanzdienstleistern zusammenarbeitet und gegen deren Vermittler nicht vorgeht. Darauf weisen die Kanzleien ausdrücklich hin. Die Verbraucherzentrale Thüringen empfiehlt, von Vermittlern unabhängige Anwälte einzuschalten.

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