Kraft- gegen Badreiniger. Lidls W5-Spray macht gründlich und schonend sauber. Edekas schwarzes Power­produkt tilgt hartnä­ckige Kalk­flecken besser.

Es sind güns­tige Reiniger, die hartnä­ckigen Schmutz und Kalk am besten entfernen. Sie siegen im Putzwett­streit. Am schwächsten präsentiert sich Meister Proper.

Der Name flößt Vertrauen ein. Mit verschränkten Armen steht er da – ein Bild von einem starken Kerl. Hausputz – mit Meister Proper kein Problem, signalisiert dieser Badreiniger. Doch denkste. Ausgerechnet Seifenreste bereiten ihm große Schwierig­keiten – mehr noch als Kalk. Er scheitert im Test an einer mit Ruß einge­färbten Seifen­lauge. Meister Proper hat nach einer halben Stunde Einwirk­zeit noch nicht mal den gröbsten Schmutz entfernt. Die besten Kraft­reiniger schaffen das in fünf Minuten, Lidls Badreiniger in sieben­einhalb. Die Marke mit dem gut gebauten Glatz­kopf ist das Schluss­licht im Test.

Discounter schaffen es nach vorn

Kraft­meier oder milder Klassiker – im Test zeigt sich, welches Mittel das Bad am besten von Schmutz und Kalk befreit. Unzäh­lige bunte Sprühflaschen stehen in den Drogeriemärkten. Sie lassen sich in zwei Gruppen unter­teilen: herkömm­liche Badreiniger und kraft­volle Mittel, deren Namen wie Power Reiniger oder Maxx Power Stärke vermitteln. Die klassischen Badreiniger kommen oft dezenter daher und tragen Beinamen wie Classic, Citrus oder Atlantik­frisch. Vor allem sie offen­baren große Unterschiede im Test. Jeder zweite der zehn geprüften Badreiniger schneidet gut ab, der Rest nur ausreichend. Sie schwächeln vor allem bei der Putz­leistung. Dafür sind sie meist sanft zu Mensch und Natur. Bei den neun Kraft­reinigern ist es umge­kehrt: Sie reinigen gründlich, belasten Gewässer und Schleimhäute aber oft mehr.

In beiden Gruppen landen güns­tige Marken vorn: Lidl für 12 Cent und Aldi Süd für 10 Cent pro 100 Milliliter bei den Badreinigern. Lidl siegt auch bei den Kraft­reinigern, zusammen mit den Produkten von Edeka und Netto Marken-Discount. Meister Proper reinigt am schlechtesten.

Seifen­prüfung. Die Tester träufelten je fünf Tropfen der Reiniger auf weiße Fliesen, auf die sie zuvor eine mit Ruß einge­färbte Seifenlösung aufgetragen hatten. Der Reiniger Antikal (links) entfernt in zwei­einhalb Minuten acht­mal so viel Schmutz wie Meister Proper (rechts). Haus­halts­mittel. Mit Zitronensaft oder Essig strahlt das Bad ohne teure Chemie. Mit einem Abzieher oder weichen Tuch gibt es keine Kalk­flecken.

Kalk in seiner edelsten Form

Das Bad zu putzen gehört zu den nervigsten Aufgaben im Haushalt. „Am meisten ärgere ich mich über Kalk­flecken“, sagt Steffi Kreft. Sie und ihr Mann sind berufs­tätig und haben zwei Kinder. „Das Wasser ist bei uns extrem hart. Vor allem wenn sich die Kinder die Hände waschen, sieht der Hahn schnell furcht­bar aus. Auch die Dusche verkalkt, wenn wir sie nicht sofort trocken wischen.“ Schon nach kurzer Zeit lässt sich der Belag nur noch mühsam entfernen.

Bäder zu schrubben, bleibt den Testern erspart. Sie prüfen die Reiniger nicht in verschiedenen privaten Haushalten. Der Schmutz wäre zu unterschiedlich, die Wirkung der Reiniger nicht vergleich­bar. Sie arbeiten im Labor und nutzen Kalk in seiner edelsten Form: Marmor.

Marmor im Säurebad

Um zu prüfen, wie gut die Reiniger an Wänden wirken, wiegen die Prüfer kleine Marmorplatten aufs hundertstel Gramm genau. Dann tauchen sie die Plätt­chen senkrecht in die Reinigerflüssig­keit. Schäumend fressen sich die Säuren zehn Sekunden lang in den Marmor. Dann stellen die Mitarbeiter die Platten für zehn Minuten auf ein Abtropfgitter. So lange arbeiten die sauren Reiniger weiter. Nach dem Abspülen und Trocknen gehen die Marmorplatten wieder auf die Waage. Je leichter sie geworden sind, desto mehr Kalziumkarbonat – Kalk – hat der Reiniger beseitigt.

Sechs lösen Kalk sehr gut

Die Tester wieder­holen die Prozedur für waagerechte Flächen wie etwa Wasch­becken. Dieses Mal muss der Marmor zehn Minuten im Säurebad ausharren – schließ­lich laufen Putz­mittel auf geraden Flächen nicht gleich ab und wirken oft länger ein.

Die Marmorplatten offen­baren den Vorteil der Kraft­reiniger: Bis auf Bref Power Kalk & Schmutz schneiden alle gut oder sogar sehr gut ab. Die Besten holen fünf­mal so viel Kalk von den Wänden wie die Badreiniger von Biff, Mr. Muscle und Meister Proper. Auf waagerechten Flächen sind die Unterschiede teil­weise noch größer. Aber auch die klassischen Reiniger können kraft­voll sein. Das beweisen die Produkte von Lidl, Aldi und Sagrotan. Sie können als Einzige mit den Kraft­reinigern mithalten.

Manche versiegeln Oberflächen

Dass Kalk gar nicht erst entsteht, ist der Traum jedes Putzmuffels. Sieben Produkte versprechen, ihn zu erfüllen und eine wasser­abweisende Schicht aufs Material aufzutragen. Bei Bref merken die Tester davon fast gar nichts. Antikal, Aldi Süd und Meister Proper versiegeln vergleichs­weise gut. Viel mehr Frei­zeit verschaffen sie aber auch nicht. „Lange hält der Effekt nicht an“, sagt Konrad Giers­dorf, Projektleiter des Tests. „Einige Male duschen, dann bleibt das Wasser wieder an den Fliesen hängen.“ Und es bildet sich erneut ein Kalk­schleier.

Die Familie von Steffi Kreft hat eine andere Methode entwickelt, weniger putzen zu müssen – ganz ohne Chemie. „Wir vier duschen möglichst direkt hinter­einander, dann muss zum Schluss nur einer die Kabine trocken wischen – meistens mein Mann.“ Auch wenn es etwas lästig ist: Nasse Wände lassen sich einfach mit einem Tuch oder einem Abzieher von Tropfen befreien.

Sechs lösen auch Rost­flecken

Erstaunlicher­weise bereiten Seifenreste mehreren Mitteln größere Probleme als Kalk. Zwei Kraft- und sechs Badreiniger befreien die Fliesen nur ausreichend von der mit Ruß einge­färbten Seifen­lauge, Meister Proper mangelhaft. Sechs der acht Power­reiniger lösen dagegen nicht nur Kalk und Seifenreste, sondern auch Rost­flecken. Cillit Bang und dem Kraft­reiniger von dm gelingt das sogar sehr gut.

Test mit 13 verschiedenen Materialien

Lange galt für Haus­halts­reiniger: Je besser sie wirken, desto größer ihre Neben­wirkungen. Unter säurehaltigen Kraft­protzen können Oberflächen leiden. In welchem Maße? Das haben wir geprüft. Wir ließen die Reiniger 24 Stunden auf 13 verschiedenenMaterialien einwirken, darunter Emaille, Keramik, Acryl, Gummi, Alu, verchromte Armaturen und diverse Kunststoffe.

Ätzend zum Kalk, sanft zum Bad

Das Ergebnis über­raschte selbst die Tester: „Die Rezepturen vieler Produkte sind erstaunlich ausgeglichen“, sagt Chemiker Konrad Giers­dorf. „Einige Mittel reinigen nicht nur sehr gut, sie sind auch schonend zum Material.“ Das war in früheren Tests anders. Trotzdem sind scharfe Kalkkiller nach wie vor nichts für empfindliche Materialien wie einen Marmorfuß­boden.

Tipp: Beachten Sie die Warnhin­weise auf der Flasche. Prüfen Sie an einer unauffäl­ligen Stelle – zum Beispiel an der Unterseite der Armatur –, ob von Ihrem Reinigungs­mittel Schäden drohen.

Mr. Muscle reizt die Schleimhäute

Für klassische Badreiniger verwenden die Hersteller in der Regel mildere Säuren als für die kraft­vollen Mittel. Das ist nicht nur vorteilhaft für sensible Oberflächen, sondern auch für Mensch und Umwelt. Die einzige Ausnahme bildet Mr. Muscle: Er greift die Schleimhäute zum Beispiel der Augen oder der Atemwege stärker an als jeder andere Prüf­ling – den Kalk lässt er dennoch an der Wand.

In ähnlichem Ausmaß reizen die Kraft­reiniger von Edeka, Netto Marken-Discount, Lidl, Ross­mann, Cillit Bang und Penny. Verbraucher sollten sie nur spar­sam, mit Hand­schuhen und bei offenem Fenster versprühen. In fens­terlosen Bädern empfiehlt sich sogar ein Atem­schutz.

Tipp: In schonenden Putz­mitteln wirken Zitronen-, Milch- oder Ameisensäure. Auch Essig und Zitronensaft lässt Kalk­flecken verschwinden (Von Abzieher bis Zitrone).

Dieser Artikel ist hilfreich. 143 Nutzer finden das hilfreich.