Badegewässerqualität Meldung

Endlich ist der Sommer da. Die Badesaison beginnt. Der Sprung ins kühle Nass verspricht Erfrischung. Doch wie siehts mit der Wasserqualität aus an Deutschlands Seen, Flüssen oder Küsten? Die Badegewässerkarte von test.de gibt Antwort. Mehr als 400 Badestellen sind darin bewertet. Der Download ist kostenlos.

Umweltkarte: Positiver Trend gestoppt

Badegewässerqualität Meldung

Über 400 Badestellen auf einen Blick: die Karte (Ausschnitt) der Stiftung Warentest. Der Download ist kostenlos.

Der Sommer 2003 war heiß - eigentlich zu heiß. Nicht nur vielen Menschen, auch den Seen, in denen diese Erfrischung suchten: Massenhaft auftretende giftige Algen und gefährliche Bakterien machten vielen deutschen Badeseen und Küstenbereichen zu schaffen. Der Supersommer 2003 bremste so auch den langjährig positiven Trend auf der Badegewässerkarte der Stiftung Warentest: Die Zahl roter und gelber Punkte hat nicht abgenommen, sondern ist etwa gleich geblieben. Sie stehen für Richtwertüberschreitungen bis hin zu Badever­boten wegen zu vieler Keime oder Algen. Gundlage der Bewertung sind die Messdaten des Jahres 2003, die in der Badesaison von den Gesundheitsämtern vor Ort ermittelt wurden.

Algenparadies: Hitze, Sonne, Nährstoffe

Sonnenschein und Hitze - unter diesen Bedingungen fühlen sich Algen besonders wohl. Kommen dazu noch reichlich Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor, vermehren sie sich massenhaft. Viele deutsche Badegewässer leiden darunter, dass Landwirte im Einzugsgebiet noch immer übermäßig viele Düngemittel ausbringen, die dann zum Teil ins Wasser gelangen. Hinzu kommen unzureichend gereinigte Abwässer aus manchen Kläranlagen.

Baden verboten

Wie anfällig die Gewässer für intensive Algenblüten sind, zeigt die Auswertung der Messdaten: An einigen Badestellen gabs in der vergangenen Saison so heftige Algenprobleme, dass das Baden verboten oder nur sehr eingeschränkt möglich war. Selbst wenn die Situation nicht so dramatisch ausfiel: Viele weitere Gewässer verfärbten sich grünlich, die Sichttiefe sank. Auch das trübt den Badespaß.

Giftige Blüte

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Algenblüte: Lädt nicht zum Baden ein und ist dazu auch noch gefährlich.

Blühen die Algen, verdirbt das nicht nur die Lust am Planschen. Es ist auch gefährlich: Mit der Zeit verbrauchen die Mikroorganismen den Sauerstoff im Wasser. Fische können dann sterben. Problematisch sind vor allem Blaualgen. Sie produzieren Gifte, so genannte Cy­anotoxine. Bei empfindlichen Menschen können sie durch Hautkontakt und Verschlucken Magen-Darm-Beschwerden, Ausschläge oder allergische Reaktionen auslösen. Gleichzeitig erschwert die Trübung durch Algen die Rettung Ertrinkender: Der Blick in die Tiefe ist behindert. Auch das kann ein Grund für Badeverbote sein.

Blaue Punkte: Badespaß pur

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Klares unbelastetes Wasser bringt ungetrübten Badespaß.

Ist die Wasserqualität einer Badestelle gut, erhält sie einen blauen Punkt. Erfreulich: Die Anzahl der blauen Markierungen ist deutlich höher als die der roten und gelben. Dabei zahlt sich konsequenter Gewässerschutz aus: Einige Badestellen schaffen den blauen Punkt regelmäßig. Hier können Erholungssuchende ihr Bad auch in dieser Saison unbeschwert genießen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass in einem über Jahre hinweg beanstandungsfreien Gewässer plötzlich massenhaft Algen oder Keime auftreten. Blaue Punkte verheißen also Badespaß pur.

Rote Punkte: Niedersachsen Schlusslicht

Je stärker ein Gewässer belastet ist, desto wichtiger sind häufige Kontrollen der Gesundheitsämter. Nur sie bieten die Gewähr, dass Missstände aufgedeckt und notfalls Badeverbote erlassen werden. Wichtig ist aber auch, dass anschließend Sanierungsmaßnahmen erfolgen. Niedersachsen bekommt in diesem Jahr die meisten roten Punkte, häufig wegen zu vieler Algen. Überschrittene Grenz- und Richtwerte sollen hier Konsequenzen haben. Laut Sozialministerium sind die örtlichen Behörden angewiesen, mehr zu kontrollieren. Manchmal sind mehrere Ursachen für das Rot verantworlich. Beispiel Kennelbad. Nach Aussagen des Gesundheitsamts Braunschweig reicherten sich in diesem kleinen und flachen Gewässer Nährstoffe an, speziell Phosphate. Außerdem verschlammte das Bad zunehmend. In der letzten Saison vermehrten sich auch Bakterien in unzulässigem Maße. Der seit kurzem fürs Kennelbad zuständige Verein will den See nun sanieren.

Seesanierung: Noch viel zu tun

Manch Badestelle muss nun schon seit Jahren mit dem Makel Rot leben. Der Eichbaumsee in Hamburg etwa. Um künftige Algenblüten zu vermeiden, wurde der See im vergangenen Herbst saniert. Ziel ist eine Senkung des Phosphorgehalts. Ob die Sanierung erfolgreich war, wird sich zeigen. Schwieriger ist die Situation für die Nied im Saarland: Sie wird Jahr für Jahr mit Badeverboten wegen zu vieler Bakterien belegt. Doch hier sind die Behörden auf deutscher Seite machtlos. Denn die Keime kommen mit unzureichend aufbereitetem Wasser aus einer französischen Kläranlage. „Jedes Jahr Probleme“ gibt es nach Auskunft des Sächsischen Sozialministeriums vor allem an einigen Talsperren. Sanierungen sind auch hier nötig. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie drängt die zuständigen Behörden zum Handeln. Gewässer sollen danach bis 2015 in einen „guten ökologischen Zustand“ gebracht werden.

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