Backöfen Test

Beim Kauf der Küchenmöbel verausgabt, beim Backofen dann geizen? Lieber nicht. Gerade billige Einbaumodelle backen eher schlecht und bieten wenig Komfort. Auch teure Geräte von AEG, Bauknecht, Bosch und Siemens schwächeln.

Eigener Herd ist Goldes wert, sagt der Volksmund. Schön, wenn Kuchen und Kekse goldbraun und herrlich duftend aus der Röhre kommen. Sind Bäcker und Ofen ein eingespieltes Team, muss nur noch das Rezept stimmen. Doch ist der Backofen neu, passiert es selbst der erfahrenen Hausfrau oder dem ambitionierten Hobbykoch: Statt Gold landet Kohle auf dem Teller. Womöglich verteilt der neue die Hitze anders als der alte. Oder seine Temperaturregler sind anders eingestellt. Gewohnte Rezepte funktionieren nicht mehr wie vorher. Das ist nicht ungewöhnlich.

Backöfen Test

Gelungen. Wenn Napf- und Kastenkuchen schön aufgehen und nicht verbrennen, war die Hitze in der Backröhre genau richtig.

Auch die Prüfer in unserer Testküche kennen das. Sie haben die Back- und Grillkünste von 16 Einbaubacköfen auf die Probe gestellt: So manchen Kuchen mussten sie mehr als einmal backen. Biskuittorte, muffinartige kleine Kuchen aus Rührteig und Toastbrotscheiben zum Rösten standen auf ihrem Speisezettel. Temperaturen und Zeiten wählten sie aus der Gebrauchsanleitung. Waren Spannen angegeben, zum Beispiel 150 bis 170 Grad Celsius Ober-/Unterhitze oder 20 bis 35 Minuten, nahmen sie zunächst die niedrigste Einstellung. Gab es für die Gerichte keine Vorgaben, richteten sie sich nach der Backofennorm.

Die Testergebnisse reichen von gut bis ausreichend. Knapp vorn liegt ein teures Miele-Gerät. Schlusslichter sind die preisgünstigen Backöfen von Amica und Teka.

Drei verteilen die Wärme schlecht

Backöfen Test

Aufgeschnittene Biskuittorte. Dieser Kuchen ist missglückt: Oben viel zu braun, auf der Unterseite viel zu blass, nur in der Mitte schön locker, wie es sein soll.

Aufgeschnittene Biskuittorte. Dieser Kuchen ist missglückt: Oben viel zu braun, auf der Unterseite viel zu blass, nur in der Mitte schön locker, wie es sein soll.

Fast verkohlt statt goldbraun: So kamen kleine Kuchen ab und zu aus der Röhre. Oder die Biskuittorte war nicht ganz durchgebacken. Also hieß es nachjustieren. Meist genügte es, die Backzeit um wenige Minuten zu verkürzen oder zu verlängern, wie zuhause. Manchmal reichte das nicht. Je nach Beheizungsart misslang bei Gorenje und Teka etwa jeder dritte kleine Kuchen. Die Wärmeverteilung der Backöfen ist nicht optimal. Auch nicht bei Amica, mit knapp 270 Euro der billigste. Hier gelang sogar nur jeder zweite – Grund für das Ausreichend. Aber meist ist es egal, ob Ober-/Unterhitze oder Umluft für die Gargrade sorgt. Wir haben bei unseren Backproben jedenfalls kaum Unterschiede festgestellt.

Zanussi regelt die Hitzegrade schlecht

Unliebsame Überraschungen wie verbrannte Kruste oder klitschige Torte können auch vorkommen, wenn die Hitze im Backofen stark von der eingestellten Temperatur abweicht. Nicht immer sind tatsächlich 250 Grad in der Röhre, wenn die Hausfrau die Marke auf 250 stellt. Der Braten bekommt dann schon mal rund 20 Grad mehr oder weniger ab. Bis zu 15 Grad Differenz nach oben oder unten sind aus unserer Sicht gerade noch akzeptabel. Das können Koch und Köchin im Alltag ausbalancieren, Stichwort Eingewöhnung. Was darüber hinausgeht, lässt schnell Frust aufkommen. Aus diesem Grund haben wir den Punkt „Temperatur halten“ beim 450 Euro teuren Zanussi ZOB463X nur mit ausreichend bewertet. Übrigens: Elektronische Regler sind kein Garant für genaue Gradzahlen. Sie lassen sich nur einfacher einstellen als mechanische Drehregler.

Grillen können alle prima

Im Unterschied zum Backen funktioniert das Grillen in allen Geräten mindestens gut, bei Bauknecht, Miele und Whirlpool sogar sehr gut. Im Amica EB 13223 E sollte der Grillrost allerdings nicht auf dem obersten Einschub liegen. Dort verbrennen Würstchen und Steaks schnell. Auf der zweithöchsten Ebene grillen sie besser.

Backofen ist nicht gleich Herd

Für Handel und Industrie sind Einbauherd und Einbaubackofen zwei verschiedene Gerätearten, für Kunden häufig nicht. Die Backöfen im Test kosten etwa 270 bis 945 Euro. Sie werden meist in einen Hochschrank der Küchenzeile eingebaut und haben nur Schalter für die Backröhre, keine für die Kochstellen. Wer den Ofen unter die Arbeitsplatte setzen will, braucht darüber ein Kochfeld mit eigenen Bedienelementen. Das ist wichtig, wenn der Neue eine alte Backröhre ablösen soll.

Gab es bislang eine gemeinsame Bedienblende fürs Kochen und Backen, muss auch ein neues, sogenanntes autarkes Kochfeld her. Oder der Kunde braucht keinen elektrischen Backofen, sondern einen Einbauherd (siehe Glossar). Bei ihm sind die Schalter für die Kochstellen integriert. Damit die Anschlüsse von Herd und Kochfeld zusammenpassen, muss beides in der Regel vom gleichen Anbieter stammen.

Tipp: Fragen Sie nach. Hersteller ändern die Anschlüsse manchmal im Laufe der Zeit.

Im Extremfall wirds außen sehr heiß

Backöfen Test

Fingerschutz. Ein Topflappen muss sein. Rost, Bleche, Backformen und auch die Tür können richtig heiß werden.

Sind kleine Kinder im Haus, empfiehlt es sich, den Backofen auf Augenhöhe der Erwachsenen einzubauen. Das verringert das Risiko, dass sich neugierige kleine Hände an der Tür verbrennen. Wir haben die Temperaturen an Türen, Griffen und Bedienelementen überprüft. Heizt der Backofen eine Stunde lang bei 200 Grad Ober-/Unterhitze, bleiben die Gradzahlen allseits erträglich. Diesen Normfall haben wir bewertet. Bollert der Ofen aber im Ausnahmefall lange Zeit auf 250 Grad, können die Temperaturen in der Mitte der Glasscheibe auch schon einmal auf mehr als 90 Grad steigen, manchmal sogar auf über 100 Grad. Das tut richtig weh. Doch es geht auch kühler. Bosch HBG73B550 und die Siemens-Baugleichheit begnügen sich zum Beispiel mit handwarmen 32 Grad.

Heiße Metallflächen hinter dem Griff und am Rahmen stellten wir bei Amica fest. Der Ofen von Teka hat zudem als einziger Backofen im Test ein elektrisches Sicherheitsproblem, wenn das Gerät nicht ordnungsgemäß und fachmännisch an den Schutzleiter angeschlossen ist. Kommt der Benutzer beim Drehen des Schalters an die Bedienblende, kann er unter unglücklichen Umständen einen leichten Stromschlag bekommen. Das ist nicht gefährlich, kann aber zwiebeln. Deshalb hieß es für Teka in der Sicherheit nur ausreichend.

Miele lässt sich am besten säubern

Leckerer Kuchen und Braten bringen Freude, das Putzen des Backraums dagegen kaum. Wir haben Marmelade – sie ähnelt dem zuckerhaltigen Saft vom Pflaumenkuchen –, Kuchenteig und Bratensaft einbrennen lassen. Zuckerhaltiges lässt sich am schwierigsten entfernen. Nur bei Miele klappt das mühelos, allein mit Lappen und Spülmittel. Dafür sorgt die spezielle Emailbeschichtung, perfectclean genannt.

Die Öfen von Amica, Gorenje und Neff bieten Reinigungshilfen, die mit Dampf arbeiten. Sie verbrauchen Strom für 2 bis 8 Cent pro Einsatz, bringen aber kaum Vorteile. Hingegen ist die Pyrolyse bei Bosch, Siemens und Whirlpool sehr effektiv. Dabei handelt es sich um ein spezielles Reinigungsprogramm: Bei Temperaturen um die 500 Grad Celsius verbrennt alles zu Asche. Die lässt sich mühelos auswischen.

Strom für 14 bis 21 Euro im Jahr

Die Pyrolyse braucht jedoch viel Strom, rund 4,5 bis 5 Kilowattstunden. Das macht 1,15 bis 1,25 Euro bei einem Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde. Das Programm belastet die Rechnung mehr als alle sechs Probegerichte zusammen. Die fünf Kuchen und ein Rost mit Toastscheiben brauchten Energie nur für 60 bis 85 Cent. Mal angenommen, das alles käme zweimal im Monat auf den Tisch, beliefe sich die Stromrechnung im Jahr auf etwa 14 bis 21 Euro. Das ist nicht viel. Selbst in einem ganzen Backofen-Leben nicht. Das kann locker 15 Jahre dauern. Da bleibt finanzieller Spielraum, um nicht den erstbesten, billigsten Backofen kaufen zu müssen.

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