Interview: „Schlafen lernen ist ein Entwick­lungs­schritt“

Baby­schlaf Special

Prof. Dr. Thomas Erler

Auch wenn kleine Kinder nachts nicht durch­schlafen – eine echte Störung haben die wenigsten. Das ist Thomas Erler wichtig zu betonen. Der Kinder­arzt und Schlafmediziner macht Mama und Papa Hoff­nung: Auch wenn es anfangs unerträglich scheint – es wird besser. Lesen Sie hier, welche Tipps der ärzt­liche Direktor der Kinder- und Jugend­klinik West­brandenburg für über­nächtigte Eltern hat.

Nur jedes zehnte Kind hat ein echtes Schlaf­problem

Wie viele Kinder haben Schlafstörungen?

Die wenigsten. Von den Kindern, die in unsere Schlaf­ambulanz kommen, hat nur etwa jedes zehnte ein echtes Schlaf­problem, wie etwa eine Atem­störung oder Schlaflosig­keit. Alle anderen sind gesund.

Aber viele Eltern klagen über durch­wachte Nächte und sorgen sich um ihr Kind.

Das stimmt. Doch die Sorge ist meist unbe­gründet, das Kind steckt einfach in einem natürlichen Entwick­lungs­prozess: Es ist normal, dass Kinder in den ersten Monaten nach der Geburt nachts nicht durch­schlafen. Sie können das noch nicht.

Wach sein wird durch den Hunger reguliert

Weshalb ist das so?

Neugeborene kennen den Unterschied zwischen Tag und Nacht noch nicht. Ihr Schlafen und Wachsein wird zunächst durch den Hunger reguliert – und der kommt nicht nur tags­über. Die Kinder wachen dann auch nachts mehr­fach auf. Das kollidiert mit dem Rhythmus der Eltern, die oft Schlaf­mangel erleiden.

Und die fragen sich: Wann hört das auf?

Das ist die gute Nach­richt: Es wird besser. Nach sechs Monaten beginnt der Körper der Kleinen sich mehr an Tag und Nacht zu orientieren, also an hell und dunkel. Bei manchen Kindern klappt das früher, andere brauchen länger. Mit einem Jahr schlafen viele Kinder bereits nachts durch.

Dann können Eltern also auf eine echte Nacht­ruhe hoffen?

Naja, durch­schlafen heißt nicht wie bei uns 22 Uhr bis 6 Uhr morgens. Vielmehr sind es anfangs oft nur vier bis sechs Stunden am Stück. Vor allem wenn Kinder von Milch auf Brei umsteigen, dann werden auch die Nächte zunehmend länger.

Ungüns­tige Schlafge­wohn­heiten

Und wenn nicht?

Oftmals sind dann ungüns­tige Schlafge­wohn­heiten der Grund dafür. Dazu zählt: das Einschlafen auf dem Arm oder an der Brust, bei nächt­lichen Spaziergängen oder Auto­fahrten. Die Kinder gewöhnen sich an diese Schlafhelfer. Und fordern sie nachts laut­stark ein.

Wann sollten Eltern sich Hilfe suchen?

Sobald die ganze Familie unter der Schlaflosig­keit eines Kindes leidet. Aber auch wenn Eltern sich erschöpft, unsicher oder über­fordert fühlen, wenn Part­nerkonflikte sich verschärfen oder die Beziehung zum Kind leidet, dann sollten sie sich Rat und Unterstüt­zung holen. Kinder­ärzte sind dann die ersten Ansprech­partner.

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