Babypflegetücher Test

Unterwegs sind sie nicht nur für Babys Po praktisch, sie säubern auch vieles mehr. Die gute Nachricht: Alle Tücher sind „sehr gut“ verträglich für die Haut.

Manchmal wird selbst ein kleines Tuch zu einem großen Thema – wenn es um das Wohl der Jüngsten geht. Das weiß auch Sonja Volkmann-Schluck, Mutter des einjährigen Ole. Eine Freundin sprach sie auf ihre Babypflegetücher an: Der Hersteller, so hätte sie gelesen, verarbeite aus Erdöl gewonnene Paraffine, die für Babyhaut schädlich seien. Beunruhigt wechselte die Berlinerin die Marke.

Das wäre aber nicht nötig gewesen, wie jetzt unser Test von neun Babypflegetüchern der Variante Sensitiv ergab. Alle geprüften Tücher sind „sehr gut“ hautverträglich, enthalten keine Öle und keine allergenen Duftstoffe – auch die Tücher der Marke, die Oles Mama dann nicht mehr benutzte. Parfümierte Babypflegemittel bedeuten dagegen ein höheres Allergierisiko. Deshalb haben wir von vornherein die Sensitiv-Tücher ohne Parfüm für den Test ausgewählt.

In unserem Auftrag wischten Eltern die Pos ihrer Kinder: An je 21 Babypos haben wir jedes Produkt und zum Vergleich auch Einmal-Waschlappen mit Wasser prüfen lassen. Die Eltern benutzten Tücher und Lappen je fünf Tage lang, mehrmals täglich. Vor- und nachher untersuchte eine Hautärztin den Windelbe­reich. Sie konnte keine Veränderungen feststellen. Leichte Rötungen oder leichte Pickelchen sind bei Babys abhängig vom Essen normal. Damit war kein Tuch schlechter verträglich als der von Hebammen oft empfohlene Waschlappen.

Mit einer Lotion getränkt

Auch Sonja Volkmann-Schluck benutzte anfangs Wasser und Lappen zuhause, die Pflegetücher nur unterwegs. Doch seit Ole krabbelt und das Windeln schnell gehen muss, liegt immer eine Packung auf dem Wickeltisch. Die Tücher sind einfach praktisch. Und sie reinigen „gut“, wie auch die Mütter im Test fanden. Mit den Einmal-Waschlappen, die es in Drogerien gibt, waren sie übrigens genauso zufrieden.

Im Unterschied dazu werden die Pflegetücher aus Mischfa­ser-Vlies nicht mit Wasser angefeuchtet, sondern sind mit einer Lotion getränkt. Die enthält Wasser, reinigende Tenside, pflegende Stoffe wie Aloe vera, Kamille, Panthenol (Form des B-­Vitamins Pantothensäure) oder Allantoin (Produkt des Eiweißstoffwechsels).

Vier sind nur ausreichend konserviert

Babypflegetücher Test

Das Tuch-an-Tuch-Prinzip soll es leichter machen, ein zweites Tuch aus der Packung zu nehmen. Doch oft ragt nicht nur die Spitze des Folgetuchs heraus. Bei manchen Marken zieht man gleich viel zu viele aneinandergelegte Tücher aus der Packung – bei Penaten teilweise bis zu sechs Stück.

Konservierungsstoffe sorgen dafür, dass Keime keine Chance haben. Sie können beim Öffnen und Entnehmen in die Packung gelangen. Vier Produkte sind jedoch nur „ausreichend“ konserviert: Vibelle von Aldi (Nord), Mamia von Aldi (Süd), Babylove von dm und Babydream von Rossmann. Bei ihnen hat sich ein im Labor eingebrachter Schimmelpilz zwar nicht vermehrt, aber auch nicht genügend reduziert.

Damit die Tücher nicht austrocknen oder schimmeln, sollten die Packungen immer luftdicht verschlossen werden. Dafür gibt es bei acht getesteten Nachfüllpacks eine Klebefolie, die aber oft schwer abgeht oder, wie bei den Aldi-Produkten, auch mal abreißen kann. Außerdem ist die Lasche zum Aufziehen der Folie oft schlecht sichtbar. Nur Bübchen hat einen Klappdeckel, der zwar in der Handhabung überzeugt, aber nicht ganz luftdicht ist.

Nur nicht überpflegen

Wenn Ole frische Windeln bekommt, putzen die Eltern seinen Po mit bis zu zwei Babypflegetüchern. Am Tag landen bei ihnen bis zu sechs Tücher im Windeleimer. Die Mütter im Test benutzten durchschnittlich fünfmal täglich je ein bis sechs Pflegetücher. Die am Test beteiligte Dermatologin warnt jedoch vor zu viel Pflege. Das kann den Säure-Base-Mantel der Haut und damit die natürliche Schutzfunktion stören.

Tipp: Bei Urin reicht zum Säubern Wasser. Stuhl mit Toilettenpapier oder Windel entfernen, den Po mit Wasser waschen oder mit einem Pflegetuch abwischen.

Wenn mal keine Zeit zum Duschen ist

Auch mit Blick auf den Geldbeutel und die Umwelt empfiehlt es sich, die Tücher sparsam zu verwenden. Seit ihrer Einführung vor 30 Jahren produzieren sie jede Menge zusätzlichen Müll. Heute mag kaum noch eine Mutter darauf verzichten. Nur jede dritte Testerin kann sich vorstellen, meistens den Waschlappen zu nehmen.

Und nur für 18 Prozent ist es realistisch, ganz ohne Pflegetücher auszukommen – denn dank der guten Hautverträglichkeit lassen sich damit unterwegs auch Kinderhände und -münder saubermachen oder Make-up entfernen. Sie eignen sich sogar zum Schuheputzen oder Tastaturreinigen. Und der Schauspieler Brad Pitt empfahl sie kürzlich sogar gegen Schweißgeruch, wenn mal keine Zeit für eine Dusche ist.

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