Babymilch im Test

Drei Fragen an Jochen Wettach, Projektleiter

Babymilch im Test - Acht­mal gut, einmal mangelhaft
Dr. Jochen Wettach © Stiftung Warentest

Wenn Muttermilch keine Option (mehr) ist, kommt die sogenannte Anfangs­milch ins Spiel. Doch ist da wirk­lich alles drin, was der Säugling braucht? Wie sieht es mit Schad­stoffen aus? Und wann ist es sinn­voll, auf hypoal­lergene Anfangs­milch zurück­greifen? Antworten gibt Jochen Wettach, der als Projektleiter die aktuellen Babymilch-Unter­suchung der Stiftung Warentest betreut hat.

Babymilch im Test Alle Testergebnisse für Säuglings­anfangs­nahrung 07/2016

Inhalt

Mangel­erscheinungen sind nicht zu befürchten

Bekommt ein Baby über­haupt alle Nähr­stoffe, die es braucht, wenn es mit Babymilch anstatt Muttermilch gefüttert wird?

Wir haben bei allen Produkten im Test die nötigen – und übrigens auch vom Gesetz­geber genau vorgeschriebenen – Nähr­stoffe gefunden, die Babys für ihre Entwick­lung brauchen; Mangel­erscheinungen sind also nicht zu befürchten. Allerdings hatte keines der Produkte die allerneuesten wissenschaftlichen Ernährungs­empfehlungen schon voll­ständig umge­setzt (z.B. im Hinblick auf die lang­kettigen Fett­säuren aus Fisch­ölen). Unabhängig davon ist ohnehin Muttermilch das Aller­beste für ein Baby. Die Vorteile des Stillens gehen aber weit über die Frage der Nähr­stoffe hinaus: So wird z.B. die Entwick­lung des Immun­systems gefördert oder die Mutter-Kind-Bindung gestärkt.

Wie ist die Schad­stoff­bilanz des Tests?

Schad­stoffe haben wir leider in allen Produkten gefunden. Bedenk­lich sind hier insbesondere die bei der Fett­raffination entstehenden krebs­verdächtigen Stoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Ester. Leider sind diese gegen­wärtig noch nicht voll­ständig vermeid­bar; sie lassen sich jedoch immerhin minimieren. Hier hat es in den vergangenen Jahren Fort­schritte gegeben, und die Hersteller sollten hier in ihrem Bemühen nicht nach­lassen. Zur Wahr­heit gehört freilich auch, dass man auch in der Muttermilch Schad­stoffe finden kann, die sich im Körper anreichern können – manche davon bedenk­lich lang­lebig. Die Belastung der Muttermilch ist in den letzten Jahr­zehnten aber deutlich gesunken.

Sie haben neben gewöhnlicher Säuglings­anfangs­nahrung auch hypoal­lergene Babymilch getestet. Wann sollte diese gefüttert werden?

Wenn z.B. ein Eltern­teil unter einer Allergie leidet, kommt hypoal­lergene Säuglings­anfangs­nahrung ins Spiel. Eltern sollten dann den Rat von Heb­ammen und Kinder­ärzten einholen. Aber auch in puncto Allergie­vorbeugung gilt: Stillen ist das Beste für das Baby.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Thavis am 27.09.2021 um 14:06 Uhr
Aktualisierung/ neuer Test

Hallo test.de-Team,
dem Wunsch der anderen auf einen aktuellen Test möchte ich hier noch mal Nachdruck verleihen. Insbesondere weil etwa der hier benannte Testsieger "Milasan PRE Anfangsmilch" in der ÖkoTest 07/21 "durchgefallen" ist, wegen erhöhter MOSH-Belastung. Interessant wäre entsprechend ob sich bei der Beurteilung der Ernährungsphysiologischen Qualität etwas verändert hat, da ja sehr wahrscheinlich die Zusammensetzungen geändert wurden.
Vielen Dank im Voraus und MfG

Profilbild Stiftung_Warentest am 17.03.2021 um 08:39 Uhr
Folgetest

@HamsterD: Vielen Dank für Ihre Anregung. Wir nehmen Ihren Wunsch nach einer Folgeuntersuchung gerne auf, jedoch umfassen unsere Planungs- und Testphasen längere Zeiträume, so dass wir Ihren Wunsch bis zur Geburt Ihres Kindes leider nicht mehr erfüllen können. (bp)

HamsterD am 14.03.2021 um 19:53 Uhr
Neuer Test?

Mittlerweile ist der Test bereits bald 5 Jahre her, die Voraussetzungen für gute Pre-Nahrung haben sch geändert, und die Rezepturen sind auch andere. Vor allem die HA-Pre interessiert uns. Wann kommt ein neuer Test? Wir würden uns freuen, wenn rechtzeitig vor unserer Geburt diesen Juni noch etwas möglich ist...

Sys am 05.07.2020 um 08:30 Uhr
Aktueller Test?

Liebe test,
der Test dieser HA-Produkte ist mittlerweile 4 Jahre alt. Inzwischen wurden die Grenzen für Schadstoffwerte auch heruntergesetzt.
Unsere Kinderärztin hat uns die HA-Nahrung empfohlen.
Bebvita mag unsere Tochter nicht, Beba Pre HA ist mittlerweile auch in einer dieser Weißblechdosen. Gibt es hierzu neue Testergebnisse?
Eine regelmäßige Testung mit Druck auf die Herstellung fände ich extrem wichtig.
Danke,
Sylvie

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.10.2019 um 13:40 Uhr
Nachtest

@juwenze79: Wir haben in Heft 7/2016 andere Produkte bzw. Vorgängerprodukte von Nestlé getestet, nämlich Beba Pro Pre und Beba HA Pre. Auch die von uns getestete Produkt von Hipp ist ein anderes, nämlich Hipp: Bio Combiotik Pre Bio-Anfangsmilch.
Was Mineralölbestandteile in den damals von uns getesteten Produkten betrifft, hier ein Zitat aus unserer Veröffentlichung: „Die Gehalte der Mineralölbestandteile waren bei allen Pulvern unauffällig.“ Speziell zu Moah ein Zitat aus der Rubrik 'So haben wir getestet': "Moah fanden wir keine.“
Was Rückrufe betrifft, gibt es im Special „Rückruf von Lebensmitteln So gehen Unternehmen und Behörden vor“ (www.test.de/Rueckruf-von-Lebensmitteln-So-gehen-Unternehmen-und-Behoerden-vor-5010372-0) ausführliche Infos. Hier ein Zitat, wer für Rückrufe zuständig ist bzw. sie veranlassen muss:
"Die Lebensmittelunternehmer müssen die Rücknahme der gesundheitsgefährdenden Produkte vom Markt selbst veranlassen. Die jeweils zuständigen Behörden in den Bundesländern überwachen die Maßnahmen des Unternehmers. Wenn nicht auszuschließen ist, dass das Produkt bereits beim Kunden im Vorratsschrank steht, müssen mögliche Käufer mittels eines öffentlichen Rückrufs informiert werden – etwa im Radio, in Zeitungen, im Internet oder direkt durch einen Aushang in den Geschäften. Im Sinne des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB) ist die Öffentlichkeit zu warnen oder zu informieren, wenn etwa „der hinreichende Verdacht besteht, dass ein Lebensmittel ein Risiko für die Gesundheit von Menschen mit sich bringen kann“ oder „ein zum Verzehr ungeeignetes, insbesondere ekelerregendes Lebensmittel in nicht unerheblicher Menge oder über einen längeren Zeitraum in den Verkehr gelangt (ist)“. (AK/SL)