Babymilch im Test

So haben wir getestet

Babymilch im Test Alle Testergebnisse für Säuglings­anfangs­nahrung 07/2016

Inhalt

Im Test: Elf häufig verkaufte Säuglings­anfangs­nahrungen der Kategorie „Pre“ – darunter drei Bioprodukte – sowie vier als hypoal­lergen bezeichnete Produkte („HA Pre“).

Einge­kauft haben wir sie von Dezember 2015 bis Januar 2016.

Die Preise ermittelten wir durch Befragung der Anbieter im Mai 2016.

Ernährungs­physiologische Qualität: 50 %

Wir begut­achteten die Zusammenset­zung der Säuglings­anfangs­nahrungen, indem wir die gesetzlichen Anforderungen aus der Diät­ver­ordnung zugrunde legten. Soweit die Hersteller die neueren – und in einzelnen Punkten etwas strengeren – Anforderungen der ab 2020 geltenden EU-Verordnung schon umge­setzt hatten, vergaben wir Plus­punkte. Dafür bestimmten wir im Labor die Gehalte der Grund­nähr­stoffe wie Eiweiß, Fett und Zucker, einer Reihe von Vitaminen, Mineralstoffen und sons­tigen Nähr­stoffen. Zur Beur­teilung berechneten wir die jeweilige Nähr­stoff­dichte, also den Nähr­stoff­gehalt je 100 kJ bzw. je 100 kcal. Weiterhin bestimmten wir zum Beispiel das Amino- und Fett­säurespektrum.

Folgende Methoden wurden einge­setzt:

  • Rohprotein­gehalt: gemäß Methode L 01.00–10/1 der Amtlichen Samm­lung von Unter­suchungs­verfahren nach § 64 Lebens­mittel- und Futtermittel­gesetz­buch (ASU)
  • Gesamt­fett­gehalt: gemäß Methode L 48.01–31 der ASU.
  • Fett­säurespektrum: gemäß Methoden C-VI 10a (00) und C-VI 11d (98) der Deutschen Gesell­schaft für Fett­wissenschaft mittels GC-FID nach Über­führung in die jeweiligen Fett­säure­methylester.
  • Zucker­gehalt: Bestimmung von Saccharose, Laktose, Glucose und Fruktose in Anlehnung an Methode L 48.01–3 und L 40.00–7 der ASU mittels HPLC-RI.
  • Trockenmasse bzw. Wasser­gehalt: gemäß Methode L 02.06–02 der ASU.
  • Asche: gemäß Methode L 01.00–77 der ASU.
  • Kohlenhydrate: Berechnung aus der Differenz der Prozentsumme von Wasser, Asche, Gesamt­fett, Rohprotein und der deklarierten Ballast­stoffe.
  • Stärke: Bei Abweichungen in der Kohlehydratbe­rechnung prüften wir ergänzend mittels enzymatischer Methode. In keiner Probe war Stärke nach­weisbar.
  • Aminosäu­respektrum inkl. Taurin: gemäß Methode L 49.07–2 der ASU.
  • Mineralstoffe: nach Aufschluss gemäß Methode DIN EN 13805 erfolgte die Messung der Gehalte an Kalzium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen, Zink, Kupfer, Selen, Molybdän und Mangan in Anlehnung an Methode L 00.00–144 der ASU mittels ICP-MS. Chlorid: in Anlehnung an Methode L 03.00–11 der ASU mittels Titrimetrie. Iod: gemäß Methode L 00.00–93 der ASU mittels ICP-MS.
  • Vitamin A: gemäß Methode L 00.00–63/1 der ASU mittels HPLC
  • Vitamin D: gemäß Methode L 00.00–61 der ASU mittels HPLC
  • Vitamin E: gemäß Methode L 00.00–62 der ASU mittels HPLC

Schad­stoffe: 30 %

Im Labor wurden die Produkte auf gesundheitlich bedenk­liche Stoffe untersucht: Chlorat, Perchlorat und bestimmte Fett­umwandlungs­produkte, die bei der Verarbeitung von Fetten entstehen können (3-MCPD- und Glycidyl-Ester), sowie Schwer­metalle, Schimmelpilzgift (Aflatoxin M1) und Mineral­ölbestand­teile (Mosh und Moah). Moah fanden wir keine.

Folgende Methoden wurden einge­setzt:

  • Chlorat und Perchlorat: in Anlehnung an die QuPPe-Methode (Quick Polar Pesticides Method) mittels LC-MS/MS
  • 3-Mono­chlor­propandiol-Ester (3-MCPD-Ester) und Glycidyl-Ester: nach der Methode C-VI 18 (10) der Deutschen Gesell­schaft für Fett­wissenschaft mittels GC-MS (Differenz­methode).
  • Mineral­ölbestand­teile (MOSH und MOAH): mit online gekoppelter HPLC-GC/FID nach der BfR-Methode. Aromatische Verbindungen (MOAH) waren nicht nach­weisbar.
  • Blei und Kadmium: Druck­aufschluss (Durch­führung gemäß Methode DIN EN 13805 und Analyse nach L 00.00–135 der ASU mittels ICP-MS. Kadmium war in keinem Produkt nach­weisbar, Blei allenfalls in Spuren.
  • Aflatoxin M1: gemäß Methode L 01.00–76 der ASU nach Immunoaf­finitäts­anreicherung mittels HPLC mit Fluoreszenzdetektion. In keinem Produkt war Aflatoxin M1 nach­weisbar.

Mikrobiologische Qualität: 0 %

Wir analysierten im Labor die Anzahl an Keimen in den Säuglings­anfangs­nahrungen, insbesondere an krankmachenden Keimen.

Folgende Methoden wurden einge­setzt:

  • Aerobe mesophile Koloniezahl (Gesamt­keimzahl): gemäß Methode L 48.01–13 der ASU
  • Salmonellen: gemäß Methode L 00.00–20 der ASU
  • Enter­obacteriaceae: gemäß Methode L 00.00–133/1 der ASU
  • Cron­obacter spp. (= Enter­obacter sakazakii): gemäß Methode ISO 22964
  • Präsumtiver Bacillus cereus: gemäß Methdode L 00.00–33 der ASU
  • Escherichia coli: gemäß Methdode L 48.01–20 der ASU
  • Koagulase-positive Staphylokokken: gemäß Methode L 00.00–100 der ASU
  • Sporen mesophiler sulfitreduzierender Clostridien: in Anlehnung an Methode L 06.00–39 der ASU
  • Listeria mono­cytogenes: gemäß Methode L 00.00–32 der ASU

Babymilch im Test Alle Testergebnisse für Säuglings­anfangs­nahrung 07/2016

Verpackung: 5 %

Wir kontrollierten, ob etwa eine Versiegelung garan­tiert, dass das Produkt noch nicht geöffnet wurde (Originalitäts­sicherung), prüften Angaben zu Verpackungs­materialien und ob eine Mogel­packung vorliegt. Drei Experten prüften, wie sich die Packungen öffnen lassen, ihr Inhalt entnommen und sie wieder verschlossen werden können.

Deklaration: 15 %

Wir prüften, ob die Angaben auf der Verpackung – wie im Lebens­mittel­recht vorgeschrieben – voll­ständig und korrekt sind. Wir prüften auch, ob die analysierten Nähr­werte von den deklarierten abweichen. Wir beur­teilten Zubereitungs- und Lagerungs­hinweise, unklare oder miss­verständliche Angaben; etwa solche, die auf eine probiotische Wirkung hindeuten, die womöglich eine Gleich­wertig­keit mit Muttermilch nahelegen oder vom Stillen abhalten könnten. Drei Experten bewerteten die Lesbarkeit und Über­sicht­lich­keit.

Abwertungen

Abwertungen bewirken, dass sich Produktmängel verstärkt auf das test-Qualitäts­urteil auswirken. Sie sind in der Tabelle mit einem Stern­chen *) gekenn­zeichnet. Folgende Abwertungen haben wir einge­setzt: Das Urteil für Schad­stoffe konnte nicht besser sein als das jeweils schlechteste Urteil für einzelne Schad­stoffe. Lautete das Urteil für Schad­stoffe mangelhaft, konnte das test-Qualitäts­urteil nicht besser sein, bei ausreichend wurde das test-Qualitäts­urteil um eine halbe Note abge­wertet.

Weitere Unter­suchungen

Drei geschulte Prüfer verkosteten die nach Herstel­ler­angaben zubereiteten anonymisierten Produkte unter gleichen Bedingungen – auffällige oder fehler­hafte mehr­mals. Details zu Aussehen, Geruch, Geschmack und Mund­gefühl dokumentierten die Prüfer in einem Prüfbogen. Kamen sie zunächst zu unterschiedlichen Ergeb­nissen, so erarbeiteten sie einen Konsens.

Die sensorischen Prüfungen wurden in Anlehnung an Methode L 00.90–6 der ASU (einfach beschreibende Prüfung) durch­geführt. Das im Konsens aller Prüfer der Gruppe verabschiedete Ergebnis beinhaltete keine Bewertungen, sondern lediglich abge­stimmte Produkt­profile, bei denen ggf. unterschiedliche Beschreibungen aus den Einzel­prüfungen zuvor in der Gruppe verifiziert wurden.

Zudem prüften wir auf gentech­nisch veränderte Bestand­teile: Es waren keine nach­weisbar.

  • Gentech­nisch veränderte Bestand­teile: in Anlehnung an Methode L 00.00–122 der ASU mittels Real-Time-Poly­merasekettenre­aktion (PCR).

Mehr zum Thema

  • Grüner Tee und Matcha im Test Nur zwei Tees sind gut

    - Grüner Tee gilt als Gesund­heits­elixier. Aber ist er unbe­denk­lich, was Schad­stoffe angeht? Nicht jeder der 27 Grün­tees und Matchas im Test liegt hier im grünen Bereich.

  • Veggie-Burger-Patties im Test Jeder zweite ist gut

    - Im Veggie-Burger-Patty-Test: 18 Produkte auf Basis von Soja, Weizen, Jack­fruit und Co. Die besten sind zum Reinbeißen gut. Iglo fällt im Schad­stoff­test durch.

  • Lippen­stift-Test Der Teuerste ist mangelhaft

    - Im Lippen­stift-Test der Stiftung Warentest: 17 Schönmacher in Rosen­holz­tönen. Zwei fallen durch, darunter das teuerste Marken­produkt. Alle sind schad­stoff­belastet.

88 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Thavis am 27.09.2021 um 14:06 Uhr
Aktualisierung/ neuer Test

Hallo test.de-Team,
dem Wunsch der anderen auf einen aktuellen Test möchte ich hier noch mal Nachdruck verleihen. Insbesondere weil etwa der hier benannte Testsieger "Milasan PRE Anfangsmilch" in der ÖkoTest 07/21 "durchgefallen" ist, wegen erhöhter MOSH-Belastung. Interessant wäre entsprechend ob sich bei der Beurteilung der Ernährungsphysiologischen Qualität etwas verändert hat, da ja sehr wahrscheinlich die Zusammensetzungen geändert wurden.
Vielen Dank im Voraus und MfG

Profilbild Stiftung_Warentest am 17.03.2021 um 08:39 Uhr
Folgetest

@HamsterD: Vielen Dank für Ihre Anregung. Wir nehmen Ihren Wunsch nach einer Folgeuntersuchung gerne auf, jedoch umfassen unsere Planungs- und Testphasen längere Zeiträume, so dass wir Ihren Wunsch bis zur Geburt Ihres Kindes leider nicht mehr erfüllen können. (bp)

HamsterD am 14.03.2021 um 19:53 Uhr
Neuer Test?

Mittlerweile ist der Test bereits bald 5 Jahre her, die Voraussetzungen für gute Pre-Nahrung haben sch geändert, und die Rezepturen sind auch andere. Vor allem die HA-Pre interessiert uns. Wann kommt ein neuer Test? Wir würden uns freuen, wenn rechtzeitig vor unserer Geburt diesen Juni noch etwas möglich ist...

Sys am 05.07.2020 um 08:30 Uhr
Aktueller Test?

Liebe test,
der Test dieser HA-Produkte ist mittlerweile 4 Jahre alt. Inzwischen wurden die Grenzen für Schadstoffwerte auch heruntergesetzt.
Unsere Kinderärztin hat uns die HA-Nahrung empfohlen.
Bebvita mag unsere Tochter nicht, Beba Pre HA ist mittlerweile auch in einer dieser Weißblechdosen. Gibt es hierzu neue Testergebnisse?
Eine regelmäßige Testung mit Druck auf die Herstellung fände ich extrem wichtig.
Danke,
Sylvie

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.10.2019 um 13:40 Uhr
Nachtest

@juwenze79: Wir haben in Heft 7/2016 andere Produkte bzw. Vorgängerprodukte von Nestlé getestet, nämlich Beba Pro Pre und Beba HA Pre. Auch die von uns getestete Produkt von Hipp ist ein anderes, nämlich Hipp: Bio Combiotik Pre Bio-Anfangsmilch.
Was Mineralölbestandteile in den damals von uns getesteten Produkten betrifft, hier ein Zitat aus unserer Veröffentlichung: „Die Gehalte der Mineralölbestandteile waren bei allen Pulvern unauffällig.“ Speziell zu Moah ein Zitat aus der Rubrik 'So haben wir getestet': "Moah fanden wir keine.“
Was Rückrufe betrifft, gibt es im Special „Rückruf von Lebensmitteln So gehen Unternehmen und Behörden vor“ (www.test.de/Rueckruf-von-Lebensmitteln-So-gehen-Unternehmen-und-Behoerden-vor-5010372-0) ausführliche Infos. Hier ein Zitat, wer für Rückrufe zuständig ist bzw. sie veranlassen muss:
"Die Lebensmittelunternehmer müssen die Rücknahme der gesundheitsgefährdenden Produkte vom Markt selbst veranlassen. Die jeweils zuständigen Behörden in den Bundesländern überwachen die Maßnahmen des Unternehmers. Wenn nicht auszuschließen ist, dass das Produkt bereits beim Kunden im Vorratsschrank steht, müssen mögliche Käufer mittels eines öffentlichen Rückrufs informiert werden – etwa im Radio, in Zeitungen, im Internet oder direkt durch einen Aushang in den Geschäften. Im Sinne des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB) ist die Öffentlichkeit zu warnen oder zu informieren, wenn etwa „der hinreichende Verdacht besteht, dass ein Lebensmittel ein Risiko für die Gesundheit von Menschen mit sich bringen kann“ oder „ein zum Verzehr ungeeignetes, insbesondere ekelerregendes Lebensmittel in nicht unerheblicher Menge oder über einen längeren Zeitraum in den Verkehr gelangt (ist)“. (AK/SL)