Schmeckts? Fertignahrung ist süß. Hypoal­lergene Milch hat allerdings einen leicht bitteren Geschmack.

Wenn Mütter nicht stillen können, ist Fertigmilch die einzige Option. Wir haben acht gute und sechs befriedigende Produkte gefunden. Eins ist aber mangelhaft.

Nur das Beste fürs Baby: Die meisten Mütter, etwa 90 Prozent, geben ihrem Neugeborenen die Brust. Doch nicht alle können oder wollen lange durch­halten. Vier Monate nach der Geburt stillt nur noch etwa jede zweite Mutter in Deutsch­land voll. Dann kommt industriell hergestellte Säuglings­anfangs­nahrung ins Spiel.

Unser Test zeigt: Hinter dem langen Namen verbirgt sich meist ein gelungenes Rund­umpaket mit allem, was ein Baby zum Gedeihen braucht. Wir haben 15 Fertigmilch­produkte ins Labor geschickt – 11 aus der Kategorie der Säuglings­anfangs­nahrung Pre, außerdem 4 Produkte für allergiegefähr­dete Babys. Sie werden als Pre HA, Hypoal­lergene Anfangs­nahrung, verkauft.

Alle sind gut zusammengesetzt

Alle Pulver im Test sind ernährungs­physiologisch gut, sie haben ähnliche Rezepturen. Das schöne Ergebnis hat einen Grund: Die Hersteller müssen strengen gesetzlichen Regeln folgen. Und sie erfüllen die Vorschriften, wie der Test zeigt. Ebenfalls ein Grund zur Freude für Eltern: Krankmachende Keime fanden unsere Prüfer nicht.

Ross­manns Babydream mangelhaft

Der Testsieger, Milasan Pre Anfangs­milch, punktet darüber hinaus mit einer guten Schad­stoff­bilanz. Das gilt zumindest für die von uns geprüfte Rezeptur – erst kürzlich hat der Hersteller Zusammenset­zung und Packungs­gestaltung geändert. Das gute Gesamt­bild des Tests wird durch das Urteil für die Babydream-Milch der Drogeriekette Ross­mann getrübt. Grund für das Mangelhaft sind erhöhte Schad­stoff­gehalte. Babydream enthält eine bedenk­liche Menge an Glycidyl-Estern, aus denen während der Verdauung das wahr­scheinlich krebs­er­regende Glycidol wird. Eine gesetzliche Höchst­grenze gibt es für Glycidyl-Ester noch nicht. Solche Mengen sind aber vermeid­bar. Deshalb heißt es für Babydream im Test: aus der Traum und Note mangelhaft.

Drei weitere Produkte haben wir aufgrund von Schad­stoffen ebenfalls abge­wertet, aber nur etwas. Dazu später mehr.

Große Unterschiede zur Muttermilch

Zu nah dran. Direkte Vergleiche zur Muttermilch dürfen die Hersteller auf den Packungen nicht ziehen. Wir sehen aber auch Aussagen wie in den Ausrissen links kritisch. Die Angabe „nach dem Vorbild der Natur“ ist dick aufgetragen, weil das Original, die Muttermilch, bislang unerreich­bar ist.

Fertignahrung für Säuglinge ist eine sensible Angelegenheit: Was sie enthalten muss, schreibt die Diät­ver­ordnung vor. Bis ins Einzelne nennt sie Art und Anteil von Nähr­stoffen wie Aminosäuren, Vitaminen oder Fetten. Mehr als 30 Nähr­stoffe zählt, wer eine Fertigmilch­packung inspiziert. Wir haben die Zusammenset­zung im Labor haar­klein über­prüft.

Unerreichtes Vorbild für Ersatz­nahrung ist Muttermilch. „Trotz aller Verbesserungen bestehen noch immer große Unterschiede zwischen Muttermilch und Flaschen­nahrung“, sagt Berthold Koletzko, Professor an der Ludwig-Maximilian-Universität München und Vorsitzender der Ernährungs­kommis­sion der Deutschen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­medizin. Forscher versuchen, die Unterschiede zu verringern – oft in Koope­ration mit Herstel­lern. „Ziel ist aber nicht die Kopie der Muttermilch“, sagt Koletzko, „sondern sie so zusammen­zusetzen, dass das Baby mit allem versorgt wird, was es für eine gesunde Entwick­lung braucht.“

Neben Pre-Fertigmilch gibt es Anfangs­nahrung 1, der zusätzlich zum Milch­zucker Stärke und andere Kohlenhydrate beigemengt werden. Sie ist sämiger und soll sättigender sein. Beide Sorten können Eltern im ersten Lebens­jahr füttern, erst als einzige Nahrung, dann, etwa ab dem fünften Monat, ergänzend zum Brei. Sie eignen sich auch zum Zufüttern, falls die Mutter nicht genügend Milch hat und Arzt oder Heb­amme dazu raten.

Von Bakterien bis Fett­säuren

Wer die Packungen studiert, sieht, was die Hersteller noch so alles beimischen dürfen: etwa die Ballast­stoffe Galakto- und Frukto-Oligosaccharide (Gos und Fos). Die Mehr­fach­zucker sind auch als Präbiotika bekannt; sie befinden sich in sechs Produkten im Test (Testergebnisse). Oder Mikroorga­nismen, darunter früher Probiotika genannte Milchsäurebakterien. Sowohl die Bakterien wie auch Gos und Fos sollen gut für die Darm­flora sein. Hinreichend belegt ist das laut Bundes­institut für Risiko­be­wertung, BfR, bislang aber nicht.

Anders sieht es aus bei der Docosa­hexa­ensäure (DHA), einer mehr­fach ungesättigten Fett­säure: Sie fördert nach­weislich Gehirn­entwick­lung und Sehfähig­keit. Ab 2020 tritt eine Verordnung in Kraft, die dem Rechnung trägt. Aptamil Pre erreicht als einziges Produkt im Test annähernd den künftig geforderten Mindest­gehalt von 20 Milligramm pro 100 Kilokalorien.

Wie das alles schmeckt? Süß – mit einer deutlichen Milch­pulvernote, beschreiben es unsere Experten für Sensorik.

Spezial­nahrung für Allergikerbabys

Einen leicht bitteren Geschmack hat hingegen HA-Milch. HA steht für hypoal­lergen. Sie soll Allergien vorbeugen. Denn die enthaltenen Milch­eiweiße sind teil­weise aufgespalten (hydrolysiert). „HA-Nahrung ist aus meiner Sicht immer dann zu empfehlen, wenn jemand in der Familie unter einer Allergie leidet“, sagt Berthold Koletzko. Für ein Produkt auf dem deutschen Markt gibt es bereits den fundierten Nach­weis, dass es einigen Allergien vorbeugen kann, insbesondere Neuroder­mitis: Beba HA Pre aus unserem Test war Objekt der auf Jahre hin angelegten Gini-Studie (German Infant Nutri­tional Intervention). Die untersucht den Einfluss der Ernährung in den ersten Monaten auf die Entwick­lung von Allergien bei genetisch vorbelasteten Kindern (Interview).

Vermeid­bare Schad­stoffe gefunden

Fest­gelegt ist auch, was nicht drin sein darf in der Fertigmilch. Dazu gehören natürlich Schad­stoffe. Ross­manns Babydream fällt wegen der bedenk­lichen Menge an Glycidyl-Ester im Test durch. Außerdem fanden wir vermeid­bare Mengen an 3-MCPD-Estern. Viel davon entdeckten wir auch in Alnatura und Hipp HA. 3-MCPD-Ester entstehen wie Glycidyl-Ester während der Fett­raffination. Sie wurden 2007 erst­mals nachgewiesen. Vermeiden lassen sie sich bislang nicht, aber minimieren. Im Tier­versuch führten sie zur Bildung gutartiger Tumore. Das BfR schätzt das Krebs­risiko durch 3-MCPD-Ester geringer ein als das durch Glycidyl-Ester. Deshalb reichte es im test-Qualitäts­urteil für Alnatura und Hipp HA noch für befriedigend.

Babylove enthielt auffällig viel Chlorat. Es kann etwa über Desinfektions­mittel, die Molkereien verwenden, ins Produkt gelangen und die Jodaufnahme in der Schild­drüse hemmen. Der gesetzlich vorgegebene Höchst­gehalt wurde aber nicht über­schritten. Die Folge: insgesamt befriedigend.

Arzt und Heb­amme sind gute Berater

Maßnahme. Damit Fertigmilch gelingt, immer auch genau auf die Dosierung des Pulvers achten.

Die Diät­ver­ordnung regelt praktisch alles, wenn es um Anfangs­milch geht – bis zur Packungs­gestaltung. Direkte Werbung ist verboten, auch dürfen keine Babys abge­bildet oder Ausdrücke verwendet werden, die einen direkten Vergleich mit Muttermilch suggerieren. Viele Hersteller versuchen, ihre Möglich­keiten auszureizen und ziehen – wie auf den Ausrissen oben zu sehen – einen indirekten Vergleich.

Obliga­torisch auf den Packungen ist der Hinweis, dass Stillen das Beste fürs Baby ist und vor dem Griff zur Fertigmilch mit Arzt oder Heb­amme gesprochen werden soll. „Wir versuchen zu klären, warum es mit dem Stillen nicht klappt,“ sagt Aleyd von Gartzen, Beauftragte für Stillen und Ernährung im Deutschen Heb­ammen­verband. „Oft können wir das Problem gemein­sam mit den Müttern lösen.“ Ist das nicht möglich, stehen die Heb­ammen auch beim Fertigmilchfüttern den Eltern zur Seite.

Von der Milch zum Babybrei. Ernährungs­tipps fürs erste Lebens­jahr finden Sie auf der Themenseite Baby- und Kindernahrung.

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