Babymenüs Test

Pastinake mit Pute oder Karotte mit Rind? Wir haben 15 Fertigmenüs mit Fleisch für Babys ab dem 5. Monat untersucht. Ärgerlich: Sie enthalten zu wenig Fett und Vitamin C. Eltern müssen alle Breie nachbessern.

Muttermilch ist das Beste fürs Baby. Nach den ersten vier bis sechs Monaten aber bekommt die Brust Konkurrenz – und zwar vom Brei. Muttermilch allein kann den Energie- und Nährstoffbedarf des schnell wachsenden Kindes dann nicht mehr decken. Deshalb isst es mittags sein erstes „Babymenü“ aus Gemüse, Kartoffeln und Fleisch, selbst gekocht oder fertig zum Löffeln aus dem Glas. 15 solch industriell hergestellter Breie mit Fleisch haben wir geprüft, doch die optimale Mahlzeit war nicht dabei: Wir fanden zwar nur einmal Schadstoffe, aber oft auch zu wenig von mehreren wichtigen Nährstoffen.

Was muss der erste Brei enthalten?

Der erste Brei sollte unter anderem genug ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenöl, Ballaststoffe und Vitamin C liefern und reich an Eisen sein. Denn die im Mutterleib angelegten Eisenspeicher des Kindes sind bis zum zweiten Lebenshalbjahr meist aufgebraucht. Im Verhältnis zum Gewicht braucht das Baby jetzt mehr davon als jemals später im Leben. Deshalb ist auch Vitamin C so wichtig: Es erleichtert die Aufnahme von Eisen im Körper. Eine Eisenmangel-Anämie in diesem Alter kann unter Umständen die geistige Leistungsfähigkeit langfristig beeinträchtigen.

Liefern die Breie im Test alles Nötige?

Alle geprüften Breie enthalten zu wenig Vitamin C, zum Teil auch zu wenig Eisen und Ballaststoffe. Und anders als bei vielen Lebensmitteln für Erwachsene wäre hier mehr Fett wünschenswert. Laut einer EG-Richtlinie für Baby-Beikost dürfen zwar höchstens 40 Prozent der Energie aus Fett stammen, doch selbst diesen Spielraum haben die Anbieter oft nicht ausgeschöpft.

Warum ist Fett für Babys so wichtig?

Fett bedeutet Energie. Babys brauchen viel Energie zum Wachsen und Gedeihen. Und liefert der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei zu wenig Kalorien, dann wird das Baby nicht satt und isst zum Beispiel einfach mehr vom nächsten Milch-Getreide-Brei. Der aber kann die Gemüsenährstoffe nicht ersetzen. Kommt das einmal vor, ist es kein Problem. Wird es zur Gewohnheit, wird das Baby nicht ausgewogen ernährt.

Sind die Zutaten gut gewählt?

Die Rezepturen beschränken sich auf die ernährungsphysiologisch notwendigen Zutaten: Gemüse, Kartoffeln und Fleisch. Das ist gut, denn als erste „Beikost“ zur Muttermilch sollte diese Mahlzeit einfach zusammengesetzt sein. Auch der deklarierte Gemüseanteil entspricht mit rund 50 Prozent den Empfehlungen.Karotte, aber auch Pastinake, Kürbis oder Mais wie in den getesteten Breien eignen sich grundsätzlich als Gemüse für Babybreie. Blumenkohl oder Brokkoli kamen, obwohl ausdrücklich von Ernährungsexperten empfohlen, gar nicht vor. Zu bemängeln ist auch, dass kein Brei Fruchtpüree, Saft oder solche Gemüsesorten enthält, die für viel Vitamin C sorgen könnten. Was zugesetztes Fett betrifft, bevorzugen Experten Rapsöl (siehe TextBabymenü selbst gemacht), doch das fand sich nur einmal auf dem Etikett, sonst meist Sonnenblumen- oder Maiskeimöl. Hipp verwendet aber mittlerweile nach eigenen Angaben Rapsöl.

Wie kann man die Breie verbessern?

Liegt der Fettgehalt des Babyfertigmenüs unter den minimal empfohlenen 8 Gramm pro Mahlzeit – wie bei allen Breien im Test –, sollten Eltern selbst einen Teelöffel Rapsöl unterrühren. Fehlt Vitamin C, ist es ratsam, einen Saft oder auch Obstpüree mit viel Vitamin C einzurühren oder dazuzugeben.

Muss Fleisch im Babybrei sein?

Fleisch garantiert die Eisenzufuhr am sichers­ten: Denn Eisen aus Fleisch kann der Körper besser verwerten als aus pflanzlichen Lebensmitteln. Deshalb sollte die Gläschen-Mahlzeit zu einem Zehntel aus Fleisch bestehen (rund 20 Gramm). Das erreichte kein geprüftes Menü, meist war bei etwa 15 Gramm Schluss. Mit Blick auf das Eisen sind die Menüs mit Rind denen mit Pute oder Huhn vorzuziehen. Zugesetztes Eisen halten unsere Experten hier für wenig sinnvoll, es sollte aus Fleisch stammen, weil es dann am besten verwertbar ist.

Wie schmecken die Babymenüs?

Sensorisch sind fast alle geprüften Menüs „gut“, nur zweimal gab es Kritik. Da störten zum Beispiel ein „bitterer“ Geschmack oder ein „kratzendes“ Gefühl im Hals nach dem Herunterschlucken. Sonst zeichnen sich die Breie oft durch große Milde in Geruch und Geschmack aus. Dass sie Erwachsenen oft als zu lasch gewürzt erscheinen, ist nur gut so: Babybreie sollen am besten weder Kräuter noch Salz oder Zucker enthalten.

Wie sicher sind die Fertigbreie?

Wir fanden weder Rückstände von Pflanzenschutzmitteln noch Schimmelpilzgifte. Das ist nicht verwunderlich, denn Babykost ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland und unterliegt strengen lebensmittelrechtlichen Vorschriften. Sie muss praktisch frei sein von Pestizidrückständen, weshalb viele Anbieter von vornherein nur noch Bioware verwenden. Das spiegelt auch der Test wider: Allein 13 der 15 Breie sind Bioprodukte.

Stecken Schadstoffe im Deckel?

Wir haben die Breie auf kritische Stoffe untersucht, die aus dem Deckel übergegangen sein können. Nur im Karottenbrei mit Rind von Hipp fanden wir einen Schadstoff – und zwar 13 Milligramm epoxidiertes Sojabohnenöl (Esbo) pro Kilogramm Brei. Diese Substanz gilt aber nicht als krebserzeugend oder erbgutverändernd. Bei der Sterilisation der Gläschen entstehen allerdings chlorhaltige Reaktionsprodukte, und es ist noch nicht bekannt, wie schädlich sie sind. Die bei Hipp gefundene Esbo-Menge liegt unter dem Grenzwert für Babynahrung, der im Jahr 2007 von 60 auf 30 Milligramm abgesenkt wurde. Ein anderer Schadstoff, der kürzlich ins Gerede kam, 3-MCPD-Fettsäureester, spielt bei Babymenüs mit Gemüse und Fleisch schon aufgrund ihrer typischen Grundrezeptur keine Rolle.

Kann ich dem Etikett vertrauen?

An den ernährungsbezogenen Auslobungen gab es wenig auszusetzen. Nur sollte der Anbieter auf dem Etikett die Ölsorte nennen, die er zugesetzt hat. Mehrmals jedoch war das Etikett auch nicht übersichtlich genug, oder die Schrift zu klein und schwer zu entziffern. Verwirrend: Mit nur einer Ausnahme steht auf jedem Brei „Nach dem 4. Monat“, wobei die „4“ oft besonders groß gedruckt ist.Weil Gefahr besteht, dass „nach“ überlesen wird und das Baby dann zu früh Brei bekommt, gab es auch dafür Abzüge im Urteil „Deklaration“. Klarer ist „Ab dem 5. Monat“.

Ist es besser, selbst zu kochen?

An den allerersten Tagen mit Brei von reiner Karotte bis zum Menü ist es praktischer, Gläschen zu nehmen, da das Baby nur kleine Mengen isst. Danach heißt es abwägen: Fertigbreie sind mit Blick auf die Pestizide äußerst sicher, dazu praktisch und vorportioniert. Auf der anderen Seite sind sie mit bis zu 1,29 Euro pro Gläschen wie im Test nicht gerade günstig. Und oft muss man nachbessern, wie die Prüfung zeigte. Selbst kochen kostet Zeit und die Eltern müssen selbst auf pestizidarme und keimfreie Zutaten achten. Dafür bestimmen sie die Zusammensetzung selbst .

Prägt das erste Jahr den Geschmack?

Möglicherweise ja. Es gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass gestillte Säuglinge ihre ersten Breie leichter akzeptieren. Sie lernen über die Muttermilch ja schon Geschmacksstoffe aus der Nahrung der Mutter kennen. Und je mehr Lebensmittel später dann in den Breien verwendet werden, umso leichter scheint ein Kind im Laufe der Jahre neue Speisen anzunehmen.

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