Baby-Ernährung im ersten Jahr Muttermilch, Babybrei, Säuglings­anfangs­nahrung

16.12.2020
Baby-Ernährung im ersten Jahr - Muttermilch, Babybrei, Säuglings­anfangs­nahrung
Alles im grünen Bereich. Was Baby beizeiten ausprobiert, schmeckt ihm vielleicht auch später noch. © Getty Images / Catherine Delahaye

Am Anfang geht nichts über Stillen: Muttermilch ist in den ersten vier bis sechs Monaten die beste Nahrung für Säuglinge. Wann aber sollten Eltern idealer­weise den ersten Löffel Brei füttern? Wie sinn­voll ist Folgemilch? Was ist mit Vitamin D und Fluorid? Und mit welcher Nahrung beugen Eltern am besten Allergien vor? Die Stiftung Warentest gibt wichtige Tipps für die Ernährung des Babys im ersten Lebens­jahr.

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Die ersten Monate: Stillen oder Flasche

Eine ausgewogene Ernährung im ersten Lebens­jahr fördert die Entwick­lung und kann zum Schutz vor Krankheiten beitragen. Die folgenden Empfehlungen zur gesunden Ernährung von Säuglingen stützen sich vor allem auf die Erkennt­nisse des Forschungsdepartments für Kinderernährung (FKE) der Universitäts­kinder­klinik Bochum und die Hand­lungs­empfehlungen des bundes­weiten Netz­werks Gesund ins Leben. Sie sind wissenschaftlich begründet und berück­sichtigen die körperliche Entwick­lung von Babys. Für die erste Zeit nach der Geburt lautet die einhellige Empfehlung: Muttermilch ist die beste Wahl – als alleinige Nahrung mindestens für die ersten vier Lebens­monate.

Muttermilch: Stillen beugt Allergien vor

Muttermilch deckt den Energie- und Nähr­stoff­bedarf des Säuglings voll ab und passt sich während der Entwick­lung des Kindes an dessen Bedürf­nisse an. Sie verändert sich sogar während einer Still­mahl­zeit: Zuerst ist sie dünn­flüssig und durst­löschend, dann wird sie fett- sowie energiehaltiger und sättigend. Gestillte Kinder haben im Vergleich zu Flaschen­kindern ein verringertes Risiko für Durch­fall, Mittel­ohr­entzündungen und späteres Überge­wicht. Außerdem ist ausschließ­liches Stillen in den ersten vier Monaten die beste Vorbeugung gegen Allergien. Auch Früh­geborene profitieren von den Vorteilen und sollten gestillt oder mit abge­pumpter Muttermilch gefüttert werden.

Übrigens: Muttermilch ist heute weniger mit Schad­stoffen aus der Umwelt belastet als noch vor 25 Jahren.

Stillen senkt das Krebs­risiko bei der Mutter

Auch für die Mutter hat es gesundheitliche Vorteile, wenn sie dem Kind die Brust gibt: Die Gebärmutter bildet sich nach der Geburt schneller zurück, das Risiko für Brust- und Eier­stock­krebs sinkt. Das Stillen fördert zudem die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind. Nicht zuletzt ist Muttermilch praktisch: Sie ist hygie­nisch einwand­frei, gut temperiert und muss weder extra gekauft noch zubereitet werden.

Tipp: Treten Probleme beim Stillen auf, heißt es nicht auto­matisch, dass Mütter früher abstillen müssen. Heb­ammen und Still­gruppen können helfen. Eine Still­beratung bieten zum Beispiel die LaLeche Liga Deutschand, der Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC und die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen an.

Darauf sollten Mütter in der Still­zeit achten

Ausgewogene Ernährung. Mütter sollten in der Still­zeit auf eine ausgewogene und abwechs­lungs­reiche Ernährung achten und ausreichend trinken – am besten zu jeder Still­mahl­zeit. Koffeinhaltige Getränke sind in Maßen erlaubt.

Keine Drogen. Alkohol, Ziga­retten und andere Drogen sollten Stillende dagegen meiden. Experten sind sich einig, dass für den Säugling ein kompletter Alkohol­verzicht am sichersten ist. Wenn die Mutter ausnahms­weise doch ein kleines Glas Wein oder Bier trinkt, dann nach dem Stillen, damit der Alkohol bis zur nächsten Still­mahl­zeit möglichst wieder voll­ständig abge­baut ist.

Jodtabletten nehmen. Stillende Mütter müssen in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel (etwa Vitamin­tabletten) nehmen – bis auf Jod: Sie sollten nicht nur Jodsalz verwenden, sondern auch täglich eine Tablette mit 100 Mikrogramm Jod nehmen. Jod-Tabletten gibt es rezept­frei in Apotheken, die Einnahme sollte aber mit dem Arzt abge­sprochen sein: Bei bestimmten Schild­drüsen­erkrankungen etwa sollten Frauen kein Jod zusätzlich einnehmen. Mehr zur Wirkungs­weise und Anwendung von Jod als Arzneimittel in unserer Daten­bank Medikamente im Test.

Auch mit Fertigmilch gedeihen Babys gut

Ist Stillen nicht möglich oder reicht die Muttermilch nicht aus, gedeihen Babys auch mit industriell hergestellter Milch zum Anrühren gut (Babymilch im Test). Zu erkennen ist die entsprechende Milch an der Vorsilbe „Pre“ oder „1“ im Namen. Mit „Pre“-Pulver angerührte Milch enthält als Kohlenhydrat ausschließ­lich Milch­zucker (Laktose). Bei Anfangs­nahrung mit der Bezeichnung „1“ sind zusätzlich zum Milch­zucker Stärke und andere Kohlenhydrate beigemengt. Das macht die Milch dick­flüssiger als Muttermilch und „Pre“-Milch. Dass sie damit länger sättigt, ist nicht erwiesen.

Jede Flasche frisch zubereiten

Eltern, die ihren Babys die Flasche geben, sollten auf Hygiene achten. Denn Pulver für Babymilch ist keim­arm, aber nicht keimfrei. Jede Mahl­zeit ist genau nach Anleitung frisch zuzu­bereiten, nicht auf Vorrat. Wenn das Baby satt ist, sich aber noch ein Rest in der Flasche befindet, sollten Eltern diesen nicht aufheben und auch nicht wieder aufwärmen. Sauger und Flasche nach jeder Mahl­zeit reinigen – mit heißem Wasser und Spül­mittel oder bei 65 Grad in der Geschirr­spül­maschine.

Hypoal­lergene Nahrung (HA-Nahrung)

Säuglinge, die nicht gestillt werden und deren Eltern oder Geschwister eine Allergie haben, sollten sogenannte HA-Nahrungen (hypoal­lergene Nahrungen) bekommen (Test Säuglingsanfangsnahrung). Darin ist das Eiweiß in kleinere Bausteine gespalten, die nicht so stark allergie­auslösend wirken. Ob ihr Kind eine Spezial­nahrung braucht – etwa für Säuglinge mit Kuhmilcheiweiß­allergie – sollten Eltern mit dem Arzt absprechen.

Haferdrink und Co: Unge­eignet als alleinige Nahrung

Pflanzliche Milchalternativen wie Haferdrink, Sojadrink, Mandel- oder Reisdrink sind nicht als alleinige Nahrung für Säuglinge geeignet. Und auch von selbst­hergestellter Flaschenmilch aus Kuhmilch, Ziegen-, Schaf- oder Stutenmilch raten Experten ab, um die Nähr­stoff­versorgung und Gesundheit des Säuglings nicht zu gefährden.

Frühestens ab dem 5. Monat: Brei mit Gemüse

Im zweiten Lebens­halb­jahr steigt der Nähr­stoff­bedarf des Babys. Muttermilch allein reicht dann nicht mehr aus. Da Säuglinge sich unterschiedlich schnell entwickeln, empfehlen Experten den ersten Brei in einem Zeit­fenster: frühestens ab dem 5. und spätestens ab dem 7. Monat – also zwischen der 17. und 26. Woche. Das Baby sollte den Kopf halten und mit Hilfe sitzen können – und sich für Essen interes­sieren. Außerdem sollte seine Zunge den Brei nicht sofort wieder aus dem Mund schieben. Hat das Kind anfangs Schwierig­keiten, vom Löffel zu essen, sollten Eltern einige Tage warten, bis sie einen neuen Versuch starten.

Folgemilch ist nicht notwendig

Zusätzlich zum Brei sollten Mütter ihre Babys weiter nach Bedarf stillen. Flaschen­kinder trinken weiter Säuglingsanfangsnahrung. Dabei ist Folgemilch mit „2“ oder „3“ im Namen aus ernährungs­physiologischer Sicht nicht notwendig. Die Erst­milch zum Anrühren mit „1“ oder „Pre“ eignet sich auch für das ganze erste Jahr.

Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei als erste Breisorte

Als ersten Brei empfehlen Ernährungs­wissenschaftler einen herz­haften Brei mit Fleisch (Babybrei im Test). Fleisch liefert gut verfügbares Eisen, ein wichtiger Nähr­stoff in Babys zweitem Lebens­halb­jahr: Sein Bedarf ist in dieser Zeit besonders hoch und die vor der Geburt angelegten Eisen­vorräte des Kindes sind meist aufgebraucht. Zuerst werden kleine Portionen püriertes Gemüse einzeln mit etwas Öl einge­führt, etwa Karotten, Zucchini, Kürbis oder Pastinake. Klappt es mit der Verdauung und dem Essen vom Löffel, sollten ein paar Tage später Kartoffeln und Fleisch dazu­kommen. Es eignen sich Rind, Lamm, Schwein und Geflügel.

Auch mal Fisch oder Getreide statt Fleisch

Einmal pro Woche sollten Eltern das Fleisch durch fett­reichen Fisch wie Lachs ersetzen. An einem weiteren Tag sollte der Brei vegetarisch sein und statt Fleisch Voll­korn­getreide enthalten. Zu welcher Tages­zeit das Baby den Brei bekommt, ist nicht so wichtig. Bewährt hat sich die Mittags­zeit. Statt mit Kartoffeln können Eltern den Brei auch mit Nudeln, Reis oder anderen Getreidearten zubereiten oder fertig im Glas kaufen. Die Gemüsesorten können sie von Anfang an wechseln. Lehnt das Baby neues Gemüse ab, sollten es Eltern nach ein paar Tagen ruhig noch mal versuchen. Studien zeigen, dass Ablehnung sich meist legt.

Eltern sollten Babys nicht vegan ernähren

Für herz­haften vegetarischen Brei ersetzen Eltern das Fleisch durch Getreide und geben etwas Orangensaft oder Obst­püree dazu (Test Apfelmus und Apfelmark). Voll­korn­getreide, zum Beispiel Hafer- oder Hirseflo­cken, zählt zu den eisenreichen pflanzlichen Lebens­mitteln. Vitamin C aus Frucht­saft oder Mus hilft dem Körper, pflanzliches Eisen besser zu verwerten. Ernährungs­wissenschaftler raten ausdrück­lich davon ab, Säuglinge vegan zu ernähren: Dabei ist das Risiko für einen Nähr­stoff­mangel groß und die Gesundheit des Kindes gefährdet. Eltern, die ihr Kind dennoch vegan ernähren möchten, müssen ihm in jedem Fall ein Präparat mit Vitamin B12 oder damit angereicherte Lebens­mittel geben (Test Nahrungsergänzungsmittel für erwachsene Vegetarier & Veganer). Außerdem sollten sie sich vom Kinder­arzt und einer Ernährungs­fach­kraft beraten und begleiten lassen.

Fingerfood plus Brei statt Baby-led Weaning

Parallel zum Brei können die Kleinen üben, weiches Obst, weich gekochte Gemüse- oder Kartoffel­stücke zu greifen und zu essen. Babys komplett breifrei zu ernähren, sehen Experten kritisch. Die Idee beim sogenannten „Baby-led Weaning“ (BLW; deutsch: durch das Baby gesteuertes Abstillen) ist, dass Säuglinge den Über­gang vom Gestillt­werden zur Familien­ernährung selbst bestimmen: Sie nehmen abge­sehen von der Muttermilch nur Fingerfood statt Brei zu sich. Lebens­mittel, die dafür in Frage kommen, haben aber meist nur eine geringe Energiedichte. Dieses Konzept setzt daher bis zum ersten Geburts­tag auf Muttermilch als Haupt­energiequelle. Dabei ist laut den Handlungsempfehlungen für die Ernährung von Säuglingen eine ausreichende Nähr­stoff­versorgung nicht immer gegeben. Wer auf Nummer sicher gehen will, kombiniert Brei und Fingerfood.

Milch­brei und Obst­brei mit Getreide

Baby-Ernährung im ersten Jahr - Muttermilch, Babybrei, Säuglings­anfangs­nahrung
© Jule Felice Frommelt

Ab dem 6.-8. Monat: Milch-Getreide-Brei

Wenn Babys etwa einen Monat den herz­haften Brei essen, ersetzt ein Milch-Getreide-Brei eine weitere Still­mahl­zeit, meist am Abend. Er liefert Eiweiß und viele Mineralstoffe, speziell Kalzium. Wir hatten 2019 fertige Milch-Getreide-Breie im Test und fanden in einigen reichlich Zucker oder Schad­stoffe. Dieser Brei ist aber fix selbst gemacht (Rezept): Er besteht aus Kuhmilch (3,5 Prozent Fett) oder industriell hergestellter Säuglings­milch, Getreideflo­cken oder Voll­korn­grieß sowie Obst. Größere Mengen Kuhmilch sollten Babys erst gegen Ende des ersten Lebens­jahrs bekommen. Auch Quark und Joghurt sind wegen ihres relativ hohen Eiweiß­gehaltes jetzt noch nicht zu empfehlen.

Ab dem 7.-9. Monat: Getreide-Obst-Brei

Einen Monat später fällt noch eine weitere Still­mahl­zeit weg, statt­dessen gibt es nun Getreide-Obst-Brei. Er liefert vor allem Vitamine. Getreideflo­cken und Obst können die gleichen wie beim Milch-Getreide-Brei sein. Viele füttern ihn nach­mittags. Zusätzlich sollte das Kind nun zu jedem Brei Wasser oder für Säuglinge geeigneten Tee ohne Zucker zu trinken bekommen. Fertige Tee-Saft-Mischungen für Babys sind teil­weise erstaunlich zuckrig. Reine Säfte oder Saftschorlen enthalten von Natur aus Zucker und sind als Getränk für Babys nicht geeignet.

Babybrei selbst machen oder fertig kaufen?

Ob Sie den Brei für Ihr Baby kaufen oder selbst zubereiten, ist eine persönliche Entscheidung. Beides hat seine Vorteile. Wer fertige Babybreie kauft, spart Zeit und Arbeit. Fertigbreie im Glas sind auch praktisch für unterwegs. Selbst­gemachter Brei ist dagegen meist preis­werter als gekaufter und Eltern können die Zutaten selbst bestimmen.

Bei Fertigbrei auf die Zusammenset­zung achten

Mittags­brei aus dem Glas. Babymenüs, etwa mit Gemüse, Kartoffeln und Fleisch versorgen die Kleinen teil­weise nicht optimal mit Eisen. Denn sie enthalten mitunter wenig Fleisch. Wird das Kind mit Fertigbrei ernährt, sollte es mindestens fünf­mal pro Woche einen fleisch­haltigen Brei bekommen, damit es ausreichend mit Eisen versorgt ist. In unserem Babybrei-Test fanden wir zudem in allen Babymenüs Spuren von Furan. Der Schad­stoff bildet sich beim Sterilisieren der Fertigbreie und gilt als unver­meid­bar in Gläschen mit Gemüsebrei. Eltern sollten die Breie im offenen Gläschen im Wasser­bad erwärmen und dabei umrühren: So verflüchtigt sich ein Teil des Furans.

Milch-Getreide-Brei aus dem Glas oder als Pulver zum Anrühren. Bei fertigem Milch-Getreide-Brei sollten Eltern darauf achten, dass er Voll­korn enthält, aber möglichst wenig Aromen, Frucht­pulver, Zucker – auch nicht als Glukose oder Fruktose – und andere geschmacks­gebende Zusätze. Vorteilhaft ist der Zusatz von Jod – auch als Kaliumjodid oder -jodat angegeben.

Getreide-Obst-Brei aus dem Glas. Auch hier sollte das Getreide als Voll­korn enthalten sein. Getreide-Obst-Breie sollten keine geschmacks­gebende Zusätze wie Zucker oder Aromen enthalten.

Selbst­gekochtes am besten portions­weise einfrieren

Wer den Brei selbst zubereitet, entscheidet auch selbst über die Zutaten. Eltern können den Fleisch­anteil bestimmen, die Geschmacks­vielfalt von Gemüse und Obst nutzen und bewusst auf Salz und Zucker verzichten. Beim Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei sollte Fleisch sollte vor allem vom Rind kommen. Es enthält mehr Eisen und Zink als Schwein oder Geflügel. Es ist empfehlens­wert, mehrere Portionen auf einmal zu kochen und portions­weise in Gefrierdosen oder Gläschen einzufrieren. Dann ist der Brei einige Monate halt­bar, im Kühl­schrank dagegen nur einen Tag. Aufgewärmte Breiportionen sollten kein zweites Mal erwärmt werden. Für den Milch-Getreide-Brei eignet sich Vollmilch mit 3,5 Prozent Fett – als pasteurisierte Frisch­milch oder H-Milch. Das Getreide sollte in Form von Grieß oder Flocken Bestand­teil sein – am besten Voll­korn­produkte.

Tipp: Wenn gestillte Babys selbst­gekochten Milch-Getreide-Brei mit Kuhmilch bekommen, sollten Eltern ihnen täglich eine halbe Tablette mit 50 Mikrogramm Jod geben (siehe Interview: „Rein vegetarisch? Für Babys zweite Wahl“).

Rezepte aus den Kochbüchern der Stiftung Warentest

Rezepte für Babybreie finden Eltern auch in unseren Kochbüchern Yummy Mami und Yummi Mami Ruckzuck – und außerdem viele weitere Koch­ideen für die Zeit nach dem Brei.

Ab dem 10. Monat: Über­gang zum Familien­essen

Etwa ab dem 10. Monat beginnt das Kind mit der Familie zu essen. Auch der Über­gang vom Brei zum Familien­essen richtet sich nach der Entwick­lung des Kindes. Manche sind schon vor dem zehnten Monat besonders neugierig, andere sind eher noch kaufaul. Am Familien­tisch möchten Kinder gern selbst­ständig essen – mit dem Löffel oder der Hand. Auch das Trinken aus der Tasse können sie jetzt lernen.

Zutaten zerdrücken, nicht mehr pürieren

Aus den drei Brei- und den verbliebenen Milchmahl­zeiten werden nun drei größere Haupt- und zwei kleinere Zwischenmahl­zeiten. Gemüse, Kartoffel und Fleisch müssen nicht mehr püriert sein – es reicht, sie mit der Gabel zu zerdrücken beziehungs­weise klein zu schneiden. Immer noch unge­eignet sind aber kleine und harte Lebens­mittel wie Nüsse. Sie können beim Verschlu­cken leicht in die Luft­röhre gelangen.

Mütter können weiter stillen, wenn sie mögen

Zum Frühstück und Abend­essen reicht es aus, wenn die Kleinen anfangs etwa eine halbe Scheibe Brot – klein geschnitten ohne Kruste – mit Butter, Streichwurst oder Frisch­käse essen, dazu etwas Obst oder Rohkost, und eine Tasse Milch trinken. Das Brot sollte zumindest teil­weise Voll­korn­brot aus fein gemahlenem Voll­korn­mehl sein. Anstelle einer Brotmahl­zeit ist auch Müsli möglich. Zu den Zwischenmahl­zeiten gibt es auch Brot oder Zwieback mit Gemüser­ohkost oder Obst. Stillen ist weiterhin möglich, wenn gewünscht.

Kein Honig im ersten Lebens­jahr

Im ersten Lebens­jahr sollten Babys noch keinen Honig bekommen. Ihre Darm­flora ist noch nicht ausgereift. Deshalb können Bakteriensporen des Bakteriums Clostridium botulinum aus dem Honig im Darm auskeimen und das Nervengift Botulismustoxin bilden. Das kann die Atmung lähmen. Mit Honig gesüßte Baby­fertignahrung ist aber ungefähr­lich. Sie wird bei der Herstellung ausreichend hoch erhitzt, das tötet die Bakterien ab. Nach dem ersten Geburts­tag können Kinder Honig essen. Allerdings in Maßen.

Vitamin D und Fluorid

Der Mensch kann aus dem Licht der Sonne über die Haut selbst Vitamin D bilden (FAQ Vitamin D). Bei Säuglingen ist diese Fähig­keit aber noch nicht voll­ständig ausgebildet. Daher sollten sie ein Vitamin-D-Präparat bekommen, das häufig auch Fluorid zur Karies­vorbeugung enthält.

Vitamin D beugt Rachitis vor

Zusätzlich Vitamin D3 geben. Nehmen Säuglinge zu wenig Vitamin D auf, können sie Rachitis bekommen. Bei dieser Krankheit entkalken die Knochen und verbiegen sich infolgedessen. Da auch die Vitamin-D-Versorgung durch die Muttermilch zur Bedarfs­deckung bei Säuglingen nicht ausreicht, empfiehlt die Deutsche Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­medizin allen Säuglingen im ersten Lebens­jahr täglich – auch im Sommer – 400 bis 500 Interna­tionale Einheiten (I.E.) Vitamin D3 zu geben, entweder in Form von einer Tablette oder als Tropfen. Bei im Winter geborenen Kindern gilt das auch für die Wintermonate des zweiten Lebens­jahres.

Über­dosierung vermeiden. Bei Tropfen ist es wichtig, die empfohlene Tropfenzahl genau einzuhalten, um eine Über­dosierung zu vermeiden. Einfacher zu dosieren sind Vitamin-D-Tabletten: Sie lassen sich gut auf einem Teelöffel mit abge­kochtem Wasser oder etwas Muttermilch auflösen und dem Kind vorsichtig einflößen. Klappt das nicht, kann man die Tablette direkt vor dem Stillen in die Wangeninnenseite des Kindes legen – dort löst sie sich beim Stillen auf.

Fluorid zur Karies­vorbeugung

Oft ist in den Vitamin-D-Tabletten auch Fluorid zur Vorbeugung von Karies enthalten. Kinder­ärzte empfehlen üblicher­weise ab dem 8. Lebens­tag täglich eine Tablette mit Vitamin D und 0,25 mg Fluorid. Das gilt nicht für ungestillte Babys, wenn das Wasser für die Fertigmilch mehr als 0,3 mg Fluorid pro Liter enthält. Den Fluorid-Gehalt des Leitungs­wassers veröffent­lichen die örtlichen Wasser­werke. Bei Mineralwasser, das zur Zubereitung von Säuglings­nahrung geeignet ist, steht der Fluorid­gehalt auf dem Etikett.

Nicht Fluorid­tabletten und -zahnpasta gleich­zeitig

Ab dem Durch­bruch der ersten Milchzähne empfehlen Zahn­ärzte, diese einmal täglich mit einer geringen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (500 ppm) zu putzen. Um ein Zuviel an Fluorid zu vermeiden, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung, Kindern keine Fluorid­tabletten mehr zu geben, sobald die Eltern anfangen, die Zähne der Kinder mit fluoridierter Zahnpasta zu putzen. Durch die regel­mäßige Aufnahme über­höhter Mengen an Fluorid können nämlich weiße bis gräuliche Flecken am Zahn­schmelz entstehen. Welche Zahnpasta sich für Kinder in welchem Alter empfiehlt steht in unseren FAQ Zahnreinigung.

Allergien vorbeugen

Wenn Eltern anfangen Brei zu füttern, müssen sie Nahrungs­mittel­allergene nicht vermeiden oder später einführen, um Allergien vorzubeugen. Diese Empfehlung von früher gilt inzwischen als veraltet. Auch Kinder, deren Eltern an Allergien leiden, können durch­aus Fisch und Kuhmilch als Bestand­teile der Beikost zu sich nehmen.

Nutzen all­ergen­armer Kost ist nicht belegt

Es ist nicht belegt, dass eine all­ergen­arme Ernährung der Vorbeugung von Allergien nützt. Im Gegen­teil: Setzt sich das kindliche Immun­system früh mit All­ergenen auseinander, beugt das möglicher­weise sogar Allergien vor. So gibt es etwa Hinweise, dass Kinder, die früh Eier essen, ein verringertes Risiko für eine Hühnereiweiß-Allergie haben. Und eine britische Studie zeigte, dass Kinder, die früh regel­mäßig Erdnuss­produkte wie Erdnuss­butter verzehrten, deutlich seltener eine Erdnussallergie entwickelten als jene, die konsequent darauf verzichteten.

Wichtig: Ganze Nüsse sind für Klein­kinder bis vier Jahre als Knabberspaß tabu, da sie die Atemwege blockieren können.

Gluten am besten in kleinen Mengen einführen

Manche Eltern sorgen sich, dass ihr Kind eine Unver­träglich­keit auf glutenhaltiges Getreide wie Weizen entwickelt beziehungs­weise an Zöliakie erkrankt (Gluten: Wer das Getreide-Eiweiß meiden sollte). Gluten steckt im Milch-Getreide-Brei, wenn dieser Getreidesorten wie Weizen oder Roggen enthält. Breie, die ausschließ­lich Reis, Mais oder Hirse enthalten, sind glutenfrei. Nach aktuellem Kennt­nisstand ist es egal, wann Eltern Gluten einführen und ob die Mutter das Kind zu diesen Zeit­punkt stillt. Beides scheint das Risiko für eine Zöliakie nicht zu beein­flussen. Es gibt allerdings Hinweise aus Beob­achtungs­studien, dass Babys nicht sofort hohe Mengen Glutenmengen bekommen sollten. Daten aus kontrollierten Studien fehlen zu. Die Experten des Netz­werks Gesund ins Leben empfehlen, Gluten erst in kleinen Mengen einzuführen – zum Beispiel eine Nudel, ein Löffel Getreidebrei – und die Menge dann schritt­weise zu steigern.

16.12.2020
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