BWF-Stiftung Meldung

Im Februar 2015 wurden die Geschäfts­räume der BWF-Stiftung in Berlin und Köln von Ermitt­lern durch­sucht. Der Stiftung werden gewerbs­mäßiger Betrug sowie unerlaubte Bank­geschäfte vorgeworfen. Finanztest hatte bereits im Dezember 2014 vor den dubiosen Gold­investments der Stiftung gewarnt, die etwa 6 500 Klein­anleger abge­schlossen haben. Jetzt hat ein vorläufiger Insolvenz­verwalter die Regie über­nommen.*

Über 120 Ermittler im Einsatz

Am Mitt­woch, 25. Februar 2015, hatten Ermittler Geschäfts­räume und Wohnungen der BWF-Stiftung in den Berliner Orts­teilen Zehlen­dorf, Charlottenburg und Hellers­dorf durch­sucht. 120 Polizei­beamte und fünf Ermittler der BaFin waren im Einsatz und stellten zirka vier Tonnen Metall sowie Computer und Geschäfts­unterlagen sicher. Ob es sich bei dem Metall um Gold oder nur um „Doubletten“ handelt und wie hoch der mögliche Fein­gehalt ist, versuchen die Ermittler bislang heraus­zufinden. Vier Tonnen reines Gold hätten zur Zeit einen Markt­wert von etwa 140 Millionen Euro. Das ist fast das dreifache dessen, was die Stiftung bei Anlegern einge­sammelt hat.*

BWF warb mit garan­tierten Rück­kauf­preisen

Hintergrund: Die Berliner Wirt­schafts- und Finanz­stiftung (BWF) hatte Gold „als gewinn­bringende Alternative zu Fonds oder Spar­buch“ angepriesen und ein Geschäfts­modell beworben: „Der Kunde vereinbart eine Vertrags­lauf­zeit von zwei, vier oder acht Jahren, und erhält dann einen garan­tierten Rück­kauf­preis von 110, 130 beziehungs­weise 180 Prozent seines Kauf­preises.“ Das Gold wollte BWF für die Kunden verwahren. Den Anlegern sollte das „Zuwachs­raten zwischen 5 und 7,5 Prozent pro Jahr“ bringen.

Gold im Wert von 48 Millionen Euro gekauft

Bei Anlegern stieß das Angebot auf großes Interesse. Die Finanz­aufsicht Bafin geht davon aus, dass rund 6 500 Anleger bei der BWF-Stiftung Gold im Wert von 48 Millionen Euro gekauft hat. Allerdings: Nach derzeitigen Erkennt­nissen des Landes­kriminal­amtes Berlin wurde ein zwei­stel­liger Millionen­betrag der Anlegergelder nicht zum Ankauf von physischem Gold und somit vertrags­widrig und betrügerisch verwendet. Die Staats­anwalt­schaft Berlin hat gegen zehn Personen Ermitt­lungen einge­leitet.

Gold-Anleger müssen viel Geduld haben

Die Anleger der Gold-Anlagemodellen rund um die BWF-Stiftung müssen sich gedulden, bis sie erfahren, ob und wie viel Geld an sie zurück­fließt. Über das Vermögen des Träger­ver­eins der Stiftung ist jetzt das vorläufige Insolvenz­verfahren eröffnet worden. Nur ein kleiner Teil des gefundenen Goldes soll echt sein. Zu klären ist außerdem, ob Anleger über­haupt Miteigentum an dem Gold erworben hätten. Das Amts­gericht Charlottenburg in Berlin hat am 26. März das vorläufige Insolvenz­verfahren über das Vermögen des Bund Deutscher Treu­hand­stiftungen (BDT) ange­ordnet. Der Verein war Träger der recht­lich unselbst­ständigen BWF-Stiftung. Daher sind auch die Anleger betroffen, die sich für Gold-Anlagemodelle unter dem Namen BWF-Stiftung entschieden haben. Nur der Träger­ver­ein konnte aber die Verträge mit ihnen abschließen, nur gegen­über ihm können die Anleger daher Forderungen anmelden.

Vorläufiger Insolvenz­verwalter hat die Regie über­nommen

Die Staats­anwalt­schaft Berlin ermittelt wegen Betrugs­verdachts. Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht hat am 6. Februar die Abwick­lung ange­ordnet und einen Abwickler aus der Sozietät BBL in Frank­furt einge­setzt. Zu BBL gehört auch der vorläufige Insolvenz­verwalter, der Rechts­anwalt Christian Graf Brock­dorff, der nun die Regie über­nommen hat. Er macht den Anlegern in einer Mitteilung vom 1. April wenig Hoff­nung, dass bald Geld zurück an sie fließen wird. Im Tresorraum auf dem Gelände Königsweg 5 in Berlin seien „gold­farbene Gegen­stände aus Metall“ beschlag­nahmt worden. Doch erste Ermitt­lungs­ergeb­nisse legten nahe, dass von den laut Prägung angeblich etwa vier Tonnen lediglich ein sehr kleiner Teil echtes Gold sei. Außerdem seien größere Mengen Silber beschlag­nahmt worden. Es lasse sich noch nicht einschätzen, ob und wie viel davon echt sei.

Prüfung wird Monate dauern

Der vorläufige Insolvenz­verwalter rechnet damit, dass es Monate dauert, bis alle gefundenen Metall­stücke auf ihre Echt­heit geprüft wurden. Darüber hinaus seien aber weitere Fragen zu klären, etwa ob die Anleger über­haut Miteigentum an den Gold­beständen erworben hätten, wie es die BWF-Stiftung suggeriert habe. Brock­dorff rechnet damit, dass das eigentliche Insolvenz­verfahren nicht vor dem 1. Mai 2015 eröffnet werden wird. Erst dann können Anleger Forderungen anmelden. Der Rechts­anwalt kündigte an, den Anlegern dann auto­matisch Aufforderungen zuzu­schi­cken, mit denen sie ihre Forderungen anmelden könnten. 

Tipp: Der Insolvenz­verwalter hat mitgeteilt: „Sie können sich online unter www.insolvenzbekanntmachungen.de jeder­zeit darüber informieren, ob es zu einer Eröff­nung gekommen ist. Selbst­verständlich werden wir Sie auch auf unserer Home­page unter www.bbl-law.de/verfahren/bwf-stiftung entsprechend informieren.“ Brock­dorff weist in seiner Mitteilung darauf hin, dass die BWF Kapitalholding GmbH weder von der Abwick­lungs­anordnung der BaFin noch von der vorläufigen Insolvenz­verwaltung erfasst sei: „Anleger, die mit dieser Gesell­schaft Geschäfte gemacht haben, müssen sich direkt an diese wenden.“

Finanztest warnte bereits 2014

Die Rück­kauf­garantie der BWF war den Experten von Finanztest von vorn­herein suspekt. Die Garantie sollte unabhängig vom Gold­preis zum Rück­nahme­zeit­punkt gelten. Die BWF hatte erklärt, dass sie mit dem Gold in der Zwischen­zeit handeln und Gewinne erzielen wolle. Finanztest hatte darauf hingewiesen, dass die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (BaFin) dies als erlaub­nispflichtiges Geschäft ansehe und eine Rück­abwick­lung anordnen könne. Als Finanztest bei der BaFin nach­fragte, prüfte die Behörde die Geschäfte der BWF noch. Jetzt hat sie der BWF-Stiftung das weitere Betreiben des Einlagen­geschäfts untersagt und die unver­zügliche Rück­abwick­lung der Geschäfte ange­ordnet. Zuvor hatte Finanztest gewarnt. Die BWF-Stiftung hatte daraufhin mitgeteilt, sie habe sich gemein­sam mit der BaFin dazu entschlossen, die Anlagemodelle mit Garantie nicht mehr anzu­bieten und Kunden auszuzahlen. Diese Mitteilung hat die Finanz-Aufseher offensicht­lich nicht über­zeugt.

Tipp: Finanztest hatte die BWF-Stiftung auf die Warnliste Geldanlage gesetzt. Sie verschafft Ihnen schnell einen Über­blick über dubiose, unseriöse oder sehr riskante Geld­anlage­angebote, vor denen die Experten der Stiftung Warentest gewarnt haben.

Frank­furter Rechts­anwalt als Abwickler bestellt

Zum Abwickler hat die BaFin den Frank­furter Rechts­anwalt Georg Bernsau von BBL Bernsau Brock­dorff & Partner Rechts­anwälte Part-GmbB bestellt. Er soll alle Verträge kündigen und aus den sicher­gestellten Geldern Rück­zahlungen an Anleger vornehmen. Auf der Homepage der Rechtsanwaltskanzlei sollen ab sofort alle für geschädigte Anleger wichtigen Informationen veröffent­lich werden.

* Diese Meldung erschien erst­mals am 26. Februar 2015 auf test.de. Sie wurde zuletzt am 2. April 2015 aktualisiert.

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