Tiermehl verboten

5. Dezember 2000. Die Verfütterung von Fleisch- und Knochenmehl ist ab 1. Januar 2001 europaweit verboten. Das beschlossen die EU-Agrarminister gestern in Brüssel. Tiermehl gilt als Hauptübertragungsweg für die Rinderseuche BSE. Das Verbot ist zunächst auf sechs Monate befristet. Außerdem schreibt die EU für ihre 15 Mitgliedsstaaten BSE-Schnelltests vor. Ab Januar müssen alle Schlachtrinder, die älter als 30 Monate sind, auf BSE untersucht werden.

Sofortverbot in Deutschland

In Deutschland ist die Verfütterung von Fleisch- und Knochenmehl bereits verboten. Ein entsprechendes Eilgesetz trat am 1. Dezember in Kraft. Verstöße gegen das Verbot gelten als Ordnungswidrigkeit und werden mit Geldbußen von bis zu 50.000 Mark geahndet. Ab morgen sind zudem BSE-Schnelltests vorgeschrieben. Auch in Deutschland gilt der BSE-Test für Rinder, die älter als 30 Monate sind. Bei jüngeren Tieren ist der BSE-Erreger nicht zuverlässig nachweisbar.

Deutschland kritisiert EU-Beschluss

Deutsche Politiker kritisierten das EU-Verbot als nicht weitgehend genug. Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz-Funke (SPD) bemängelte die Frist von sechs Monaten. Er sei jedoch „vorsichtig optimistisch“, dass es auch dauerhaft zu einem Tiermehlverbot in der EU komme. Vor dem Bekanntwerden der neuen BSE-Fälle in Deutschland und Spanien hatte sich noch die Mehrheit der EU-Länder gegen ein allgemeines Tiermehlverbot ausgesprochen. Deutschland solle die kommenden Monate dazu nutzen, weiter für ein generelles Verbot zu werben, sagte die schleswig-holsteinische Agrarministerin Ingrid Franzen (SPD).

Millionen Rinder vernichtet

Etwa zwei Millionen Rinder müssen im kommenden Jahr EU-weit vernichtet werden, schätzen Experten. Es handelt sich um Notschlachtungen und kranke Tiere, die bisher zu Tiermehl verarbeitet wurden. Die EU wird die Tiere aufkaufen. Geschätzte Kosten: 875 Millionen Euro (1,75 Milliarden Mark). Deutschland muss sich mit etwa 150 Millionen Mark beteiligen. Die notgeschlachteten Rinder sollen aus hygienischen Gründen weiterhin zu Tiermehl verarbeitet werden. Das Tiermehl wird dann allerdings verbrannt.

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