Wenn es die übrigen Krankenkassen nicht gäbe, läge der Beitragssatz der Betriebskrankenkassen nach Berechnungen des BKK-Bundesverbandes bei durchschnittlich nur 10,1 Prozent. Stattdessen sinds 13,8 Prozent. Grund: 7,7 Milliarden Euro müssen die BKKs allein für das Jahr 2002 an die übrigen Kassen überweisen. Risikostrukturausgleich heißt das und ist der Ausgleich dafür, dass bei den BKKs überdurchschnittlich viele junge Männer versichert sind. Berechnet werden die Ausgleichszahlungen vor allem anhand von Alter und Geschlecht der Versicherten. Jetzt hat das Bundesversicherungsamt die Zahlen für 2002 vorgelegt.

Flucht vor steigenden Beiträgen

Insgesamt fast 15 Milliarden Mark werden verschoben, um zwischen den Krankenkassen für Gerechtigkeit zu sorgen. Neben dem Risikostrukturausgleich gibt es noch einen besonderen Risikopool. Für Mitglieder, die besonders hohe Ausgaben verursachen, erhalten die Kassen aus diesem Topf einen Zuschuss. Erstattet werden 60 Prozent der Ausgaben für einzelne Mitglieder, die den Betrag von 20 450 Euro übersteigen.

Bremse für den Wettbewerb

Grund für den Ausgleich: Ohne würde der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen nicht funktionieren. Preiswerte Krankenkassen sind vor allem für Vielverdiener interessant. Das sind überdurchschnittlich häufig Männer, die in der Regel auch noch kaum ernsthafte Krankheiten haben. Ohne den Risikostrukturausgleich würden Krankenkassen mit niedrigem Beitragssatz also gute Chancen haben, immer mehr junge und gesunde Männer mit hohem Einkommen von den übrigen Krankenkassen wegzulocken, während Versicherte mit geringem Einkommen dort bleiben. Die Folge: Kassen mit niedrigem Beitragssatz könnten diesen immer weiter senken, während die übrigen Kassen ihn immer weiter erhöhen müssten.

Unterschiede bei Verwaltungskosten

Raum für Wettbewerb bleibt. Die unterschiedlich hohen Verwaltungskosten der Krankenkassen etwa spielen beim Risikostrukturausgleich keine Rolle. Eindeutig im Vorteil: die Betriebskrankenkassen. Sie kamen im Jahr 2002 mit Verwaltungskosten in Höhe von knapp 106 Euro je Mitglied aus. Bei Ortskrankenkassen lagen die Verwaltungskosten nach Berechnungen des BKK-Bundesverbandes bei 166 Euro je Mitglied und bei Ersatzkassen für Angestellte sogar bei 177 Euro. Allerdings bieten die Betriebskrankenkassen dafür ihren Mitgliedern in der Regel auch weniger persönliche Beratung und Service.

Extras für Versicherte

Etwas Raum für Wettbewerb bleibt den Krankenkassen auch bei den Leistungen. Der Großteil des Programms ist gesetzlich festgelegt. Allerdings können die Krankenkassen ihren Mitgliedern über Vorsorgeangebote, Modellprojekte und freiwillige Zusatzleistungen Extras bieten. Vor allem AOKs und Ersatzkassen machen von dieser Möglichkeit reichlich Gebrauch. Einzelheiten zu Preis- und Leistungsunterschieden sind in Finanztest 10/2003 oder online komplett und interaktiv dargestellt.

BKKs auf dem Vormarsch

Bei der Mitgliederentwicklung haben die Betriebskrankenkassen die Nase vorn. Noch Anfang 2002 lag die Zahl der BKK-Beitragszahler bei 8,9 Millionen. Im Oktober 2003 waren es bereits 10,3 Millionen. Zugpferd waren die Kassen mit den günstigsten Beitragssätzen. Allein die Taunus BKK, die seit vielen Monaten zu den günstigsten bundesweit geöffneten Kassen gehört, wuchs von bescheidenen 60 000 Mitgliedern Anfang des Jahres auf jetzt 610 000. Der Marktanteil der BKKs insgesamt stieg von gut 10 Prozent 1995 auf zuletzt deutlich über 20 Prozent.

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