BIG-Krankenkasse bei Tchibo Schnelltest

Bei Tchibo gibts demnächst auch gesetzliche Krankenversicherung. So oder ähnlich kolportieren es zahlreiche Medienberichte. Richtig ist: Tchibo will in den Filialen und im Internet Werbung für die BIG Direktkrankenkasse machen und hält Formulare bereit, mit denen gesetzlich Krankenversicherte zu der Kasse wechseln können. test.de erklärt, was es mit dem Angebot auf sich hat, was die BIG zu bieten hat und was beim Krankenkassenwechsel zu beachten ist.

Beitragssatz mit Sparpotenzial

Von Rechts wegen sind Krankenkassen anders als private Versicherungen Behörden. Die Bedingungen für eine Mitgliedschaft bei der BIG sind immer gleich. Ob Interessenten den Mitgliedsantrag bei einer Tasse Kaffee in der Tchibo-Filiale, zu Hause oder sonst wo ausfüllen, spielt keine Rolle. Gesetz und Satzung der Kasse regeln, was Versicherte zu zahlen haben und welche Leistungen sie dafür bekommen. Der allgemeine Beitragssatz der BIG liegt bei 12,5 Prozent. Das ist günstig. Von den bundesweit geöffneten Krankenkassen ist nur die IKK-Direkt mit 12,0 Prozent noch billiger. Die DAK als größte deutsche Krankenkasse kassiert 14,5 Prozent. Wer als Angestellter mit 3 000 Euro Gehalt monatlich von dort zur BIG wechselt, spart 30 Euro monatlich. Weitere 30 Euro Ersparnis entfallen auf den Arbeitgeberanteil. Allerdings: Nur bis Ende 2008 gilt der günstige Beitragssatz. Von 2009 an haben alle Kassen den gleichen Beitragssatz.

Bescheidener Service

Die Leistungen der BIG sind zum größten Teil gesetzlich geregelt und entsprechen insoweit denen aller anderen Krankenkassen. Wo die BIG Spielraum hat, hält sie sich im Vergleich zu anderen Kassen zurück. Erweiterte Satzungsleistungen übernimmt sie nur in geringem Umfang, und bei der Erprobung und Förderung neuer Vorsorge- und Behandlungsmethoden bietet sie nur für wenige Indikationen Programme an. Schwächen leistet sich die selbsternannte „Direktkrankenkasse“ auch beim Service. Beim Finanztest-Vergleich Krankenkassenservice und -beratung bekam sie ein bescheidenes „ausreichend“. Nur die BKK ATU und die IKK-Direkt waren noch schlechter.

Entscheidung mit Folgen

Dennoch gilt: Wer keinen Bedarf an Beratung, Service und Sonderleistungen hat, kann sich ohne Bedenken bei der BIG anmelden. Allerdings zu beachten: Wechseln kann nur, wer bereits 18 Monate Mitglied bei seiner Kasse ist. Nur bei einer Beitragssatzerhöhung ist der Wechsel schneller möglich. Krankenkassen funktionieren anders als private Versicherungsunternehmen. Einerseits darf die Kasse keinen Antrag ablehnen. Wenn die Voraussetzung für gesetzliche Krankenversicherung vorliegen, muss sie den Interessent unabhängig von Alter und Gesundheitszustand aufnehmen. Wer einmal BIG-Mitglied ist, muss es mindestens 18 Monate lang bleiben, wenn die Kasse nicht vorher den Beitragssatz erhöht. Noch zu beachten: Der Wechsel zu einer Billig-Krankenkasse kann Schwierigkeiten machen. Erfahrungen der Vergangenheit zeigen: Kleine Krankenkassen sind zuweilen überfordert, wenn Massen an Mitgliedsanträgen auf sie zukommen. Wenn die BIG nicht rechtzeitig reagiert, bleibts bei der Mitgliedschaft in der alten Kasse.

Aufsichtsbehörde bleibt gelassen

Was Interessenten nicht kümmern muss: Kassen unterliegen bei der Mitgliederwerbung besonderen Regeln. Nach Ansicht mancher Sozialrechtler dürfen sie keine Provision für die Vermittlung zahlen. Werbung dagegen ist zulässig. Das Bundesversicherungsamt (BVA) als Aufsichtsbehörde will nach Rücksprache bei der BIG wegen der Tchibo-Aktion nicht gegen die Kasse vorgehen. Die Kasse zahle nach eigenen Angaben keine Provision, sondern einen vom Erfolg der Aktion unabhängigen Betrag an Tchibo, erklärte Dr. Rainer Daubenbüchel, Präsident des BVA.

test-Kommentar: Kein Sonderangebot

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