Ein unverschuldeter Autounfall kann sich finanziell lohnen: Der Schädiger und seine Versicherung müssen den Betrag zahlen, der laut Kostenvoranschlag für die vollständige Reparatur erforderlich ist - auch wenn der Schaden tatsächlich gar nicht, billiger oder selbst repariert wird. Sehr zum Ärger der Versicherungsgesellschaften gilt das auch für die Berechnungen besonders teurer Markenwerkstätten. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (Az. VI ZR 398/02). Außerdem veröffentlichte das Gericht ein weiteres Urteil, das die Position von Unfallopfern verbessert (Az. VI 393/02).

Streit um Stundensätze

Im Streitfall legte ein Sportwagenfahrer der Versicherung des Unfallgegners den Kostenvoranschlag einer Porsche-Werkstatt vor. Danach lag der erforderliche Reparaturaufwand bei 30.368,30 Mark. Wichtigster Posten: Arbeitslohn, der bei der Porsche-Werkstatt besonders hoch ausfiel. Das war der Versicherung zu viel. Sie machte aufgrund der durchschnittlichen Stundensätze in Autowerkstätten eine neue Rechnung auf. Ergebnis: 25.425,60 Mark. Mehr wollte sie nicht zahlen.

Zahlung auch ohne Reparatur

Tatsächlich ließ der Porschefahrer den Unfallwagen gar nicht reparieren. Der Versicherung gegenüber bestand er dennoch auf Ersatz der laut Porsche-Kostenvoranschlag erforderlichen Reparaturkosten. Fest steht ohnehin: So lange kein Totalschaden vorliegt, muss ein Unfallopfer sich nicht darauf einlassen, den Schaden etwa durch den Vergleich des Wagenwerts vor und nach dem Unfall zu ermitteln. Stets kann auf der Basis eines Gutachtens oder Kostenvoranschlags abgerechnet werden.

Auch Markenwerkstatt ist drin

Allerdings ist der Geschädigte gehalten, den Schaden gering zu halten und eine möglichst günstige Reparatur zu wählen. Auf die markengebundene Fachwerkstatt braucht der Geschädigte aber auch bei der so genannten fiktiven Schadensberechnung nicht zu verzichten, stellten die Bundesrichter klar. Schließlich sei die Reparatur dort gerade bei hochwertigen Autos wirtschaftlich vernünftig. Deshalb dürfe der Geschädigte auch die dafür erforderlichen Kosten ersetzt verlangen.

Reparatur bei Totalschaden

Wenn ein Unfallauto trotz Totalschaden noch repariert wird, kann der Geschädigte für tatsächliche oder durch Kostenvoranschlag oder Gutachten nachgewiesene fiktive Reparaturkosten Ersatz verlangen bis zur Höhe des vollen Wiederbeschaffungswertes. Das ergibt sich aus einem weiteren Urteil des Bundesgerichtshof, das heute veröffentlicht wurde (Az. VI ZR 393/02). Bislang kürzten die meisten Gerichte den Schadensersatzanspruch in solchen Fällen um den Wert des beschädigten Wagens. Mit anderen Worten: Wenn der Unfallwagen tatsächlich repariert wird, ist mehr Schadensersatz drin als bei Verschrottung und Neukauf. Dann nämlich kann der Geschädigte nur die Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert für einen Ersatzwagen und dem Restwert des Wracks als Schadensersatz verlangen.

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