BGH zu Mietwagen nach Unfall Meldung

Autovermieter müssen ihre Kunden genau aufklären, wenn sie für Ersatz­wagen nach einem Unfall einen höheren als den normalen Tarif verlangen. Sie müssen auch darauf hinweisen, dass die Versicherung des Unfall­gegners womöglich nicht die vollen Kosten für den Wagen erstattet. Das entschied der Bundes­gerichtshof (BGH) in einem heute veröffent­lichten Urteil.

Von 2 900 Euro nur knapp 1 100 erstattet

Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass Autovermieter im Gegensatz zu den betroffenen Kunden wüssten, dass Haftpflichtversicherungen nur den jeweils üblichen Normaltarif bezahlen und darüber hinaus gehende Kosten nicht erstatten. Im aktuellen Fall hatte ein Autofahrer nach einem unverschuldeten Unfall einen Ersatzwagen zu einem sogenannten Unfallersatztarif gemietet, ohne informiert zu werden, dass dieser Tarif weit über dem üblichen für Mietfahrzeuge lag. Der Autofahrer sollte dann für die 16-tägige Mietdauer rund 2 900 Euro bezahlen, bekam von Haftpflichtversicherung seines Unfallgegners aber nur knapp 1 100 Euro erstattet.

„Unfallersatztarif“ meist teurer

Laut BGH werden die Betroffenen durch das Angebot eines speziellen Unfallersatztarifs in dem Glauben bestärkt, dass die Kosten für den Mietwagen voll von der gegnerischen Haftpflichtversicherung übernommen werden. Demgegenüber wissen Autovermieter, dass der Mietwagenmarkt in einen Normaltarif und den meist höheren Unfallersatztarif gespalten ist und Versicherungen Kosten über den Normaltarif hinaus nicht erstatten.

Verbraucherfreundliche Position bekräftigt

Mit dem aktuellen Urteil haben die Karlsruher Richter ihre verbraucherfreundliche Position zu diesem Thema bekräftigt beziehungsweise ausgebaut. Noch 2007 urteilten sie, dass Kunden bei hohen Preisen nachfragen und Vergleichsangebote einholen müssten, wenn der teure Preis nicht plausibel ist (Az. VI ZR 99/06). Einige Monate später entschied der BGH erstmals, dass Autovermieter Kunden auf dieses Risiko hinweisen müssen (Az. XII ZR 15/06).

Tipp

Wenn Sie in jüngerer Vergangenheit einen Tarifaufschlag aus eigener Tasche entrichtet haben, können Sie sich auch jetzt noch an Ihren Autovermieter richten, um das Geld zurück zu erhalten. „In diesen Fällen besteht Anspruch auf Schadenersatz,“ so Michael Bücken, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Köln. Bedingung ist aber: Der Autovermieter hat vor Abschluss des Vertrages nicht auf die höheren Tarife hingewiesen, beziehungsweise nicht über das Risiko aufgeklärt, dass die Versicherung nicht die gesamten Kosten übernimmt. Die Verjährungsfrist für eventuelle Ansprüche gegen den Autovermieter beträgt drei Jahre. Beziehen Sie sich gegenüber Ihrem Autovermieter auf das unten genannte Urteil.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 25. März 2009
Aktenzeichen: AZ: XII ZR 117/07

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