Wenn der Vater eines Kindes keinen Unterhalt zahlen kann, haften seine Verwandten. Wird die Vaterschaft erst später festgestellt, können Verwandte des Vaters sogar rückwirkend ab Geburt zur Kasse gebeten werden. Das hat der Bundesgerichtshof heute entschieden (Az. XII ZR 123/01). Einzige Einschränkung: Forderungen für Zeiträume vor dem 1. Juli 1998 haben keine Chance. Damals trat die Reform des Kindschaftsrechts in Kraft.

Hilfe von Verwandten

Die Unterhaltshaftung von Verwandten ist wenig bekannt. In der Regel springt bei nicht-ehelichen Kindern das Jugendamt ein, wenn der Vater keinen Unterhalt zahlt. Doch auch Verwandte haften. Voraussetzung: Der Kindesvater selbst kann keinen Unterhalt zahlen. Sogar Urgroßeltern können nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches herangezogen werden, wenn keine näheren Verwandten des Vaters leben oder diese selbst auch nicht genug Geld haben.

Forderungen für die Vergangenheit

Jetzt hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Chancen unehelicher Kinder auf Unterhalt nochmals verbessert: Seit Juli 1998 müssen Verwandte auch rückwirkend zahlen. Bis dahin galt diese strenge Haftung nur für den Kindesvater selbst. Anspruch auf rückwirkende Unterhaltszahlung haben Kinder allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Häufigste Konstellation: Die Vaterschaft wird erst später festgestellt. Das Kind kann dann rückwirkend ab Geburt Unterhalt verlangen. Im Fall, den der BGH zu entscheiden hatte, war das 1995 geborene Kind bereits vier Jahre alt, als die Vaterschaft festgestellt wurde. Der Großvater muss jetzt den Unterhalt für die Zeit vom 1. Juli 1998 bis zur Feststellung der Vaterschaft nachzahlen. Danach hatte er den Unterhalt für seinen Enkel ohnehin schon gezahlt.

Verspätete Forderungen ausgeschlossen

Gut für Verwandte nicht-ehelicher Väter: In den meisten Fällen sind Unterhaltsforderungen für die Vergangenheit ausgeschlossen. Nur wenn das Kind aus rechtlichen Gründen gehindert war, Unterhalt zu verlangen, ist eine Nachforderung möglich. Ansonsten ist Unterhalt regelmäßig erst ab dem Zeitpunkt zu zahlen, an dem er geltend gemacht wird.

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