Unter bestimmten Umständen haften die verantwortlichen Manager persönlich für Verluste von Aktionären. Der Bundesgerichtshof hat die Ex-Vorstände des Softwareunternehmens Infomatec dazu verurteilt, einem Aktionär gut 50 000 Euro Schadensersatz zu leisten (Az. II ZR 402/02). Für diesen Betrag hatte der Anleger Infomatec-Aktien gekauft, nachdem das Unternehmen in einer so genannten Ad-hoc-Mitteilung den Abschluss eines Liefervertrages mit der Mobilcom AG über fast 30 Millionen Euro gemeldet hatte. Doch das stimmte nicht. Der Aktienkurs stürzte in den Keller.

Hohe Hürden

Die Hürden für den Schadenersatzanspruch sind allerdings hoch. Eine falsche Ad-hoc-Mitteilung allein reicht nicht aus. Grundlage für das Anrecht auf Entschädigung ist nicht der Verstoß gegen das Aktiengesetz, sondern die allgemeinen Regeln aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Der Anleger muss danach nicht nur beweisen, dass die Ad-hoc-Mitteilung falsch war, sondern auch, dass sie Ursache für seinen Schaden war. Nur wenn das gelingt, bekommt er Schadenersatz. Wichtiges Indiz: Wie bald nach der falschen Ad-hoc-Mitteilung der Anleger sich entschieden hat, die Aktien zu kaufen. Schadensersatz gewährte der Bundesgerichtshof einem Anleger, der die Infomatec-Anteile zwei Monate nach der Erfolgsmeldung über den Abschluss des Mobilcom-Vertrags gekauft hatte.

Erfolgsbericht weit übertrieben

Die Infomatec war in Zeiten des Internetbooms einer der Stars am so genannten Neuen Markt. Die Aktienkurse schossen in rasantem Tempo in die Höhe und machten die Gründer des Unternehmen im Handumdrehen zu Millionären. Einer der Motoren des Erfolgs: Die Berichte über erfolgreiche Geschäftsabschüsse. Nach dem Aktiengesetz sind die Unternehmen verpflichtet, alles ad hoc, also: sofort zu melden, was Einfluss auf den Aktienkurs haben kann. Doch die Infomatec-Vorstände nahmen es mit der Wahrheit nicht so genau. Beim Abschluss eines Vertrags mit der Mobilcom AG bezifferten sie das Volumen auf fast 30 Millionen Euro. Tatsächlich waren jedoch nur Verträge über knapp 10 Millionen Euro fest abgeschlossen. Darüber hinaus gabs nur die unverbindliche Aussicht auf Folgegeschäfte.

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