BB Cremes im Test Test

Farbton finden. Testen Sie BB-Creme im Gesicht. Begut­achten Sie das Ergebnis bei Tages­licht. Zum Hals sollte kein Unterschied sicht­bar sein. Testtuben gibts in Drogerien.

Sie sollen die Haut frisch und natürlich wirken lassen, Makel kaschieren, Feuchtig­keit spenden und vor UV-Strahlen schützen. Halten die Cremes all diese Versprechen?

Die Wintersonne strahlt – doch ein Blick in den Spiegel trübt die Stimmung: Das Gesicht wirkt blass und fahl, die Nase rot, unter den Augen dunkle Schatten. Die Lösung für Probleme wie diese erhoffen sich manche von BB-Cremes. Die zwei Buch­staben stehen für Beauty Balm, also „Schön­heits­balsam“ oder Blemish Balm – frei über­setzt: „Creme, die Makel kaschiert“.

BB-Cremes sind die Nach­folger der getönten Tages­cremes und gemacht für alle, bei denen es morgens schnell­gehen muss. Sie sollen laut Anbietern die Haut nicht nur mit Feuchtig­keit versorgen, sondern auch einen frischen, natürlichen Teint verleihen, Rötungen und Unreinheiten kaschieren und vor UV-Strahlung schützen. Wir wollten wissen, was die vermeintlichen Alleskönner wirk­lich leisten.

13 BB-Cremes, die auf der Packung UV-Schutz angeben, ließen wir im Labor unter­suchen. Je 20 Probandinnen testeten jede eine Woche lang. Ergebnis: Acht Cremes sind gut, eine ist befriedigend. Vier schneiden mangelhaft ab, sie fallen beim Sonnen­schutz durch: Biotherm, das teuerste Produkt im Test, Garnier und Maybelline Jade – alle drei aus dem Haus L’Oréal – sowie die BB-Creme von Kiko.

Schönmacher aus der Tube

Eben­mäßige Haut ist eines der wichtigsten Werbe­versprechen der Hersteller. Das Gesicht soll dabei nicht maskenhaft und geschminkt wirken. Klappt das? Visagist Luis Huber aus München, der unter anderem in der ARD Schminktipps gibt, nutzt BB-Cremes gern. „Sie sind die richtige Wahl, wenn man frisch, aber unge­schminkt aussehen will“, so Huber.

Bleibt die Frage, ob die Produkte auch im Alltag funk­tionieren – ohne Visagisten. Die Probandinnen testeten das zuhause. Eben­mäßig­keit und Natürlich­keit beur­teilten nicht nur sie selbst, sondern auch drei Experten. Die Probandinnen wurden vor und nach dem Eincremen von allen Seiten fotografiert. Die Experten sahen sich jeweils alle Aufnahmen einer Probandin auf einem Bild­schirm an, ohne zu wissen, auf welchem der Bilder sie einge­cremt war und welches Produkt sie benutzt hatte.

Bei allen Produkten wirkte der Teint nach dem Cremen gleich­mäßiger als vorher. Bei der Natürlich­keit konnte die CV Face BB Cream der Drogeriekette Müller jedoch nicht mit den anderen mithalten. Die Probandinnen waren zudem nicht von der Deck­kraft über­zeugt und die Creme hätte länger halten können, so die Kritik. Die meisten getesteten Cremes verschönern den Teint zuver­lässig für sechs bis acht Stunden.

Tipp: Wenn Sie auch abends noch frisch aussehen wollen, sollten Sie nach­cremen. Schmink­profi Huber empfiehlt, Augen­ringe und Unreinheiten zusätzlich mit einem Concealer oder Abdeck­stift zu kaschieren. Reicht die Deck­kraft einer BB-Creme nicht aus, „sollte man zu Make-up greifen. Das hat eine höhere Pigmentdichte“, so Huber.

Kann Tages­creme ersetzen

Für Verträglich­keit, Hautgefühl und Pflege­wirkung vergaben die Probandinnen meist gute Noten. Doch versorgen die Cremes die Haut tatsäch­lich erfolg­reich mit Feuchtig­keit, wie die Werbung nahelegt? Wir über­prüften das mit einem Corneo­meter. Das Gerät misst unter stan­dardisierten Bedingungen die Feuchtig­keits­anreicherung in der äußersten Haut­schicht. Fazit: Die Cremes von Kiko, Biotherm und Müller schwächelten. Alle anderen eignen sich zur täglichen Pflege, eine Extra-Tages­creme ist oft über­flüssig.

Riskante Mängel

Nicht nur im Früh­jahr und Sommer sollte jeder sein Gesicht vor ultra­violetten Strahlen schützen. Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, sollten auch im Herbst und Winter Sonnen­schutz verwenden. Das empfehlen Dermatologen. Alle Produkte im Test weisen einen Sonnen­schutz­faktor aus. Er gibt an, wie gut die Cremes vor den kurz­welligen UVB-Strahlen schützen, die Sonnenbrand und Haut­krebs verursachen können. Eine gute Creme mit UV-Schutz muss auch UVA-Filter enthalten, um früh­zeitiger Hautalterung und Falten­bildung vorzubeugen. Aber nur 9 der 13 BB-Cremes bestanden sowohl die Prüfung des UVB- als auch die des UVA-Schutzes.

Die Kiko BB Cream etwa hält den angegebenen Schutz­faktor nicht ein. Wer sie aufträgt, kann früher einen Sonnenbrand bekommen als laut aufgedrucktem Faktor zu erwarten wäre. Ergebnis: mangelhaft.

Biotherm und Garnier kassieren dasselbe Urteil, weil sie nicht ausreichend vor UVA-Strahlen schützen. Die BB Cream von Maybelline Jade versagt beim Sonnen­schutz auf ganzer Linie: Sie wirbt mit Sonnen­schutz­faktor 30, einem hohen Schutz. Laut Inhalts­stoff­liste enthält sie aber weder UVB- noch UVA-Filter – nur das hier als Farbpigment einge­setzte Titan­dioxid, das auch vor UV-Licht schützen kann. So erreicht die Creme nur etwa Sonnen­schutz­faktor 8. Außerdem schützt sie unzu­reichend vor UVA-Strahlen.

Wie L’Oréal reagierte

Was sagen die Hersteller dazu? Wie alle Anbieter bei jedem unserer Tests bekamen sie die Mess­ergeb­nisse vorab mitgeteilt. Kiko schweigt. Die Antwort von Branchenriese L’Oréal, der unter anderem die mangelhafte BB-Creme von Maybelline Jade anbietet, enttäuscht. Der Konzern ließ wissen, die Gesichts­pfle­gepro­dukte wiesen den Schutz vor UVB-Strahlen „lediglich als Zusatz­nutzen“ aus. Es sei „nicht angemessen, die Anforderungen für Beach-Produkte auf Gesichts­pfle­gepro­dukte zu über­tragen“. Das sehen wir anders: Wird ein bestimmter Sonnen­schutz versprochen, muss darauf Verlass sein. Egal, ob es sich um Sonnenlotion oder BB-Creme handelt.

Generell aber gilt: Weil man die getönten BB-Cremes üblicher­weise schon aus optischen Gründen nicht so dick aufträgt, sollte jeder bei intensiven Sonnenbädern lieber eine Sonnen­creme verwenden – und zwar reichlich.

Keine bedenk­lichen Aufheller

Im Internet sind auch BB-Cremes mit dem Inhalts­stoff Arbutin erhältlich. Sie sind wegen ihrer haut­aufhellenden Wirkung vor allem in Asien beliebt. Das Bundes­institut für Risiko­be­wertung stuft den Gebrauch von Arbutin in Kosmetika als „gesundheitlich bedenk­lich“ ein. Daraus kann sich im menschlichen Stoff­wechsel Hydrochinon abspalten. Das steht im Verdacht, krebs­erzeugend zu sein. Wir haben die Inhalts­stoff­listen geprüft: Demnach enthält keine Creme im Test Arbutin.

Tipp: Studieren Sie beim Onlinekauf genau die Inhalts­stoff­listen.

Sechs Cremes sind Mogel­packungen

BB Cremes im Test Test

Schon benutzt? Nicht jede Creme im Test ist durch Folie oder Karton geschützt. Prüfen Sie direkt nach dem Bezahlen, ob sie schon mal geöffnet wurde.

Ärgerlich: Sechs Test­cremes sind Mogel­packungen, Tabelle. Drei Tuben und drei Falt­schachteln fallen zu groß aus – sie lassen mehr Inhalt erwarten, als drin ist.

Erwartungen wecken auch neue Buch­staben­spiele der Marketing­strategen: CC-Cremes sollen noch mehr leisten, etwa Falten und Pigment­flecken mildern oder den Hautton korrigieren. „CC“ kann für „Colour Correction“ stehen, zu deutsch: Farbkorrektur. Selbst DD- und EE-Cremes sind vereinzelt schon im Angebot. Was sie wirk­lich können, bleibt abzu­warten. Material für weitere Tests gibt es jedenfalls genug.

Dieser Artikel ist hilfreich. 198 Nutzer finden das hilfreich.