Avanio-Internetzugang Meldung

Neue Runde im Streit um den Avanio-Internetzugang: Das Amtsgericht Dresden hat die Funsurf24 GmbH zur Rückzahlung aller Monatsgebühren an eine Berlinerin verurteilt. Allerdings: Das Unternehmen will Berufung einlegen. In zwei weiteren Fällen unterlagen Verbraucher vor Gericht.

Verdacht auf Betrug

Gleichzeitig wurde bekannt: Die Staatsanwaltschaft Dresden wird voraussichtlich Anklage wegen Betrugs erheben. Die Ermittlungen gegen mehrere Verantwortliche sind allerdings noch nicht endgültig abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörde.

Mitglied nach Einwahl

Die Vorgeschichte: Avanio bietet unterschiedliche Tarife für die Internet-Einwahl per Modem an. Einer davon: vanio.flexi. Laut Geschäftsbedingungen werden Nutzer mit der ersten Einwahl Clubmitglieder. Erst durch Kündigung endet die Mitgliedschaft wieder. Für die Preise verweisen die Geschäftsbedingungen auf die jeweils aktuellen Informationen im Internet. Die Einwahl ist einfach. Benutzer müssen nur „vanio.flexi“ als Benutzernamen und ein beliebiges Passwort eingeben. Mitte Juni 2005: vanio.flexi kostet nur 0,43 Cent pro Minute. Die Clubmitgliedschaft ist zu diesem Zeitpunkt kostenlos.

Preis ohne Ansage

Avanio meldet den Tarif an den Smartsurfer. Das ist ein Computerprogramm, das den Internetzugang verwaltet und die Verbindung über den jeweils günstigsten Anbieter herstellt. Bei der ersten Interneteinwahl pro Tag aktualisiert das Programm die Tarifdatenbank. Ein Klick auf den aktuell günstigsten Anbieter reicht, den Rest erledigt der Smartsurfer automatisch. Hunderttausende von Surfern nutzen das Programm und landen dadurch Mitte Juni 2005 bei vanio.flexi. Ab August 2005 ändert Avanio die Preise. Die Clubmitgliedschaft kostet jetzt 4,50 Euro ohne und 5,22 Euro mit Mehrwertsteuer und steht unversehens auf der Telefonrechnung. Zahlen sollen auch Internetsurfer, die sich bereits im Juni über den Smartsurfer eingewählt haben - Monat für Monat. Auch wenn sie die Avanio-Einwahl später nie wieder genutzt haben.

Empörung bei Betroffenen

Betroffen sind vermutlich Hunderttausende von Surfern. Der Smartsurfer vermittelt monatlich rund 600 Millionen Online-Minuten. An den zwei Tagen, die vanio.flexi Top-Einwahl beim Smartsurfer war, haben sich schätzungsweise 800 000 bis eine Million Surfer eingewählt. Viele davon merken erst Monate später, dass ab August 2005 Monat für Monat 4,50 Euro für den Avanio-Internetzugang in der Telefonrechnung stehen. Wahrscheinlich kassiert Avanio insgesamt weit mehr als zehn Millionen Euro an Mitgliedsgebühren von über Smartsurfer vermittelten Internetnutzern. In Foren und Blogs hagelt es wütende Beschwerden. Hunderte von Strafanzeigen gehen bei der Staatsanwaltschaft in Dresden ein.

Verurteilung zur Rückzahlung

Die Funsurf24 GmbH, wie das für Avanio-Internetzugänge verantwortliche Unternehmen inzwischen heißt, verspricht Kulanz im Einzelfall. Doch damit ist es nicht weit her. Zahlreiche Betroffene berichten übereinstimmend: Auf die erste Beschwerde hin erstattet das Unternehmen einen kleinen Teil der Beträge. Wer sich erneut meldet, erhält meist noch einen Nachschlag. Bei weiteren Forderungen schaltet das Unternehmen auf stur. Einzige Chance auf vollständige Rückzahlung der Mitgliedsbeiträge: eine Klage beim Amtsgericht Dresden. Doch der Aufwand ist gewaltig. Dr. Bernd Schwenke, Projektleiter bei der Stiftung Warentest, ist einer der Betroffenen. Seine Familie war ebenfalls bei der Interneteinwahl mit Smartsurfer Avanio-Clubmitglied geworden, ohne davon etwas zu ahnen. Inhaberin des Telefonanschlusses ist seine Ehefrau. Auf ihre Klage hin hat das Amtsgericht Dresden die Funsurf24 GmbH zur Rückzahlung aller Mitgliedsbeiträge und zur Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt. Doch Funsurf24-Anwalt Dr. Arthur Waldenberger hat bereits angekündigt: Das Unternehmen wird Berufung einlegen.

Amtsgericht Dresden, Urteil vom 26. September 2007
Aktenzeichen: 104 C 2202/07
Das Urteil: Details zur Begründung und zum Verfahren

In zwei weiteren Fällen wies das Amtsgericht Dresden Verbraucherklagen wegen Avanio-Gebühren ab. Ein Kläger hatte keine Beweise vorgelegt und der andere seine Rückzahlungsforderung nach Auffassung der zuständigen Richterin nicht genau genug begründet.

Amtsgericht Dresden, Urteile vom 15. August und 19. September 2007
Aktenzeichen: 106 C 2407/07 und 106 C 1126/07

Aufwand außer Verhältnis

Für Betroffene enttäuschendes Fazit: Der Aufwand, die Erstattung von unberechtigten Gebühren gerichtlich zu erzwingen, ist für kleinere Beträge jenseits jeden vernünftigen Verhältnisses. Nicht mal Inhabern einer Rechtsschutzversicherung ist zu empfehlen, ein Verfahren anzustrengen. Sie laufen Gefahr, dass die Versicherung ihnen nach Übernahme der Kosten für die Klage auf Rückzahlung der Avanio-Gebühren kündigt. Opfern von Abzockern bleibt damit nur die Hoffnung auf Gerechtigkeit im Strafverfahren und auf mehr Verbraucherschutz in Zukunft.

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