Wenig meisterhaft: Nicht einmal jede zweite der 75 untersuchten Werk­stätten hat alle präparierten Fehler gefunden. Während die Vertrags­werk­stätten teil­weise vorbild­lich arbeiten, schlampen viele freie Auto­werk­stätten.

Preis­wert, Zuver­lässig, Schnell – Einfach Meisterhaft!“ So heißt es voll­mundig auf der Internetseite von Meisterhaft, einer Koope­ration von über 1 600 freien Kfz-Werk­stätten in Deutsch­land und Österreich. Der Name dieser Dachmarke klingt viel­versprechend, doch unser Test­ergebnis spricht eine andere Sprache. Die meisten der 25 untersuchten Meisterhaft-Werk­stätten arbeiteten bei der Inspektion schlampig. Nur 6 Werk­stätten haben alle von uns präparierten Mängel gefunden. Wenigs­tens das Versprechen „preis­wert“ trifft einigermaßen zu. Doch was nützt das güns­tigste Angebot, wenn es nichts taugt?

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Eine Inspektion in der Auto­werk­statt ähnelt ein biss­chen dem Besuch beim Arzt. In beiden Fällen ist der Kunde auf die Fach­kompetenz des Personals angewiesen. Und er kann kaum beur­teilen, ob die Inspektion voll­ständig und sach­kundig vonstatten ging, ob alle „Mängel“ behoben wurden und ob die Rechnung fair ist.

Auto­besitzer aus ganz Deutsch­land

Service beginnt mit einer ausführ­lichen Auftrags­annahme, am besten am Auto als sogenannte Dialog­annahme. Dabei kann der Techniker die notwendigen Arbeiten erklären.

Dass bei den Auto­werk­stätten Zweifel angebracht sind, zeigt unser Test von 75 Betrieben, den wir gemein­sam mit dem ADAC durch­geführt haben. Untersucht wurden jeweils fünf Vertrags­werk­stätten der Auto­marken Mercedes-Benz, Opel, Renault, Toyota und Volks­wagen. Außerdem wollten wir wissen, ob die oft deutlich billigeren freien Werk­stätten konkurrenz­fähig sind. Dafür haben wir die bereits erwähnte Koope­ration Meisterhaft ausgewählt sowie die Werk­statt­kette ATU, zu der in Deutsch­land knapp 600 Betriebe gehören. Die freien Werk­stätten wurden je fünf­mal mit den fünf genannten Auto­marken über­prüft, also insgesamt jeweils 25 Mal.

Die Testwagen stammten von Auto­besitzern aus ganz Deutsch­land, bei denen tatsäch­lich eine große Inspektion anstand. Alle Fahr­zeuge wurden von Sach­verständigen mit fünf Fehlern präpariert: einer defekten Kenn­zeichen­leuchte, einem zu geringen Kühl­mittel­stand, einem völlig verstellten Scheinwerfer, einem zu nied­rigen Luft­druck im Reserverad beziehungs­weise einem fehlenden Pannenset und einem ausgehängten Auspuff. Nach der Inspektion über­prüften die Experten, ob die Mängel in den Werk­stätten beseitigt wurden. Die Auto­besitzer haben den gesamten Ablauf der Inspektion von der Termin­ver­einbarung bis zur Über­gabe des fertigen Wagens genau dokumentiert.

Listen werden einfach abge­hakt

Bei einer großen Inspektion werden etwa 20 bis 30 Positionen abge­arbeitet und auf einer Liste abge­hakt. Dazu gehören die präparierten Mängel in den Testwagen: Ein zu geringer Kühl­flüssig­keits­stand, eine defekte Kenn­zeichen­leuchte und ein zu geringer Luft­druck im Reserverad.

Eigentlich hätten alle Werk­stätten bei der Fehler­suche einen Voll­treffer landen müssen. Wenn die Betriebe bei der Inspektion, wie sie unisono behaupten, streng nach den Wartungs­vorschriften der Auto­hersteller vorgegangen wären, hätte das Test­ergebnis weit besser aussehen müssen. Denn die präparierten „Problem­stellen“ sind in den Listen aufgeführt. Doch offensicht­lich haken viele Techniker sämtliche Käst­chen in den Wartungs­listen einfach ab, egal ob die Arbeiten ausgeführt wurden oder nicht. Im Unterschied zu den Vertrags­werk­stätten und den ATU-Filialen haben in den Meisterhaft-Werk­stätten nur zwei Drittel der Betriebe die Wartungs­liste an den Fahr­zeug­besitzer ausgehändigt.

Mercedes vorn

Am besten – sowohl bei der Technik als auch beim Service – schnitten die Mercedes-Benz-Vertrags­werks­stätten ab. Alle arbeiteten vorbild­lich, das Auto­haus Schäfer in Königs­brunn sogar mit voller Punkt­zahl. Auch die Renault-Werk­stätten haben alle Fehler behoben, und sie bieten einen guten Service. Bei Opel und Volks­wagen gab es jeweils einen Ausrutscher: Eine Opel-Werk­statt über­sah einen Fehler, ein Volks­wagen-Auto­haus zwei Fehler. Toyota bildet das Schluss­licht bei den Vertrags­werk­stätten. Vier Toyota-Betriebe haben jeweils einen Mangel nicht gefunden, und beim Service gibt es noch Verbesserungs­möglich­keiten.

Fehler nur auf den ersten Blick simpel

Zu den fünf einge­bauten Mängeln im Test gehörten der ausgehängte Auspuff und ein völlig verstellter Scheinwerfer.

Die einge­bauten Fehler wirken auf den ersten Blick recht simpel, und mancher könnte meinen, dass eine unterlassene Reparatur keine großen Auswirkungen hat. Doch dieses Argument geht ins Leere. Denn erstens hat der Kunde, der für eine große Inspektion mehrere hundert Euro hinblättern muss, Anspruch darauf, dass alle Arbeiten laut Wartungs­liste erledigt werden. Und zweitens kann ein über­sehener Mangel im Kühl­system durch­aus zu einem teuren Motorschaden führen.

Die Technik, also das Aufspüren der Mängel, fließt in das Qualitäts­urteil mit 60 Prozent ein. Die restlichen 40 Prozent betreffen den Service. Bewertet haben wir hier unter anderem die telefo­nische Termin­ver­einbarung, die Fahr­zeug­abgabe, die Auftrags­annahme, die Fahr­zeug­abholung und die Rechnungs­stellung. Höchst­wertungen waren beim Service noch seltener als bei der Technik. Offen­bar spielt hier die Tages­form der Mitarbeiter eine größere Rolle. Manches ist aber auch hausgemacht. So wirkte die Organisation in vielen freien Werk­stätten chaotisch und oft fehlt wohl ein schlüssiges Service­konzept.

Rechnungen oft nicht verständlich

Für eine große Inspektion mussten die Fahr­zeughalter im Test mindestens 150 Euro hinblättern. Es konnten aber auch, je nach Modell und Werk­statt, mehrere hundert Euro sein. Aber nicht jede Rechnung informiert den Kunden verständlich und detailliert darüber, wie es zu diesen Summen kommt. Nicht selten erscheinen völlig undurch­sichtige Positionen wie „Super LLC 5L“ oder „SLK Winter-20C1L“.

Punkt­abzug für Geld­schneiderei

Auf anderen Rechnungen tauchen Dinge auf, die weder vom Hersteller vorgeschrieben noch vom Kunden bestellt wurden. Im Test waren das bei einer Werk­statt zum Beispiel 10,86 Euro für einen „Einspritz­system­schutz“ und bei einer anderen 15,99 Euro für „Fit und Safe Motorinnen­reiniger“. Für diese Geld­schneiderei gab es in der Wertung einen Punkt­abzug.

Einen Vergleich der Gesamt­kosten für die Inspektionen können wir jedoch nicht bieten. Da die Testwagen ganz normalen Auto­fahrern gehören, konnte die Auswahl nicht identisch sein. So stammen die Fahr­zeuge nicht alle aus dem gleichen Baujahr, und sie sind auch mit etwas unterschiedlichen Motoren ausgestattet. Dadurch variieren die Wartungs­umfänge ein wenig.

Noch stärker ist der Einfluss der regional unterschiedlichen Sätze für eine Arbeits­stunde in den getesteten Werk­stätten. Auf dem Land lagen sie häufig deutlich nied­riger als in den städtischen Ballungs­gebieten, sodass sich für die fünf ausgewählten Auto­marken die enorme Band­breite von 33 bis 109 Euro pro Werk­statt­stunde ergibt (siehe Infografik).

Vertrags­werk­stätten teurer als Freie

Auch wenn die Stundensätze zum Teil weit auseinander­liegen, so wird doch deutlich, dass die Vertrags­werk­stätten meist erheblich mehr für ihre Dienste verlangen als ATU und Meisterhaft. Am auffälligsten ist das bei den Werk­stätten, die mit Mercedes A-Klasse und VW Golf getestet wurden. Bei Opel Astra lagen die Stunden­preise dagegen nah beieinander, und das auf vergleichs­weise nied­rigem Niveau.

Obwohl wir bei der Auswahl darauf geachtet haben, dass kein Tester zu seiner Stamm­werk­statt geht, wurden einigen von den Betrieben freiwil­lig Rabatte einge­räumt, wohl mit dem Ziel der Verkaufs­förderung beziehungs­weise Kundenbindung.

Auch beim Motoröl zeigt die Preisspanne eine enorme Sprei­zung. Sie reicht von 6,60 bis 28,60 Euro pro Liter und war bei Mercedes A-Klasse und Toyota Corolla am größten. Ein direkter Vergleich ist auch hier nicht möglich, da Öl von sehr unterschiedlicher Qualität verwendet wird. Die Sorte schreibt der Auto­hersteller genau vor.

Freie mit rund 25 Prozent Markt­anteil

38 Prozent aller Auto­besitzer haben im vergangenen Jahr eine große Inspektion durch­führen lassen. 2002 waren es noch 48 Prozent. Mit der Wirt­schafts­krise hat die liebevolle Zuwendung zum angeblich liebsten Kind der Deutschen offen­bar etwas nachgelassen. An der rück­läufigen Zahl der Inspektionen dürften aber auch längere Wartungs­intervalle und sinkende Jahres­fahr­leistungen ihren Anteil haben.

Wenn eine Inspektion ansteht, dann gehen die meisten immer noch in die Vertrags­werk­statt. Freie Werk­stätten holen aber lang­sam auf und erzielen inzwischen einen Markt­anteil von rund 25 Prozent. Bei Fahr­zeugen, die acht Jahre und älter sind, liegt ihr Anteil sogar über 50 Prozent. Bei einem älteren Modell schre­cken wohl die hohen Kosten in der Vertrags­werk­statt ab.

Reparatur­kosten immer höher

Die Europäische Union will freie Werk­stätten weiter stärken. Die EU-Kommis­sion kritisiert, dass die Kosten für Reparaturen in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien. Sie sollen inzwischen rund 40 Prozent der Gesamt­kosten der Fahr­zeughaltung ausmachen. Um diesen Trend zu stoppen, will die EU den Wett­bewerb zwischen zugelassenen und unabhängigen Auto­werk­stätten noch weiter verbessern.

Wett­bewerb soll stärker werden

Seit Anfang Juni gelten verschärfte Kartell­regeln für das Kfz-Gewerbe. Danach müssen die Auto­hersteller freien Werk­stätten den Zugang zu Reparatur­informationen deutlich erleichtern. Die neuen Regeln sollen außerdem dazu beitragen, dass die Freien einen leichteren Zugang zu alternativen und billigeren Ersatz­teilen bekommen.

Kfz-Hersteller dürfen ihre Gewähr­leistungs­pflicht nicht davon abhängig machen, dass Wartungs­leistungen wie etwa Ölwechsel nur in zugelassenen Werk­stätten­durch­geführt werden. Wett­bewerbs­kommis­sar Joaquín Almunia ist fest davon über­zeugt, dass sich „durch den neuen Rechts­rahmen die Reparatur- und Wartungs­kosten verringern werden“. Wenn freie Werk­stätten dann auch noch die Qualität verbessern, ist für Auto­fahrer viel getan. Und „Meisterhaft“ ist dann vielleicht auch kein leeres Versprechen mehr.

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